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Studie: Lavatunnel unter der Venusoberfläche entdeckt

In alten Radardaten der Nasa haben Forscher eine Lavaröhre auf der Venus ausfindig gemacht. Weitere Untersuchungen sind jedoch nötig.
/ Patrick Klapetz
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Illustration der Lavaröhre auf der Venus (Bild: RSLab, Universität Trient)
Illustration der Lavaröhre auf der Venus Bild: RSLab, Universität Trient

Eine italienische Forschungsgruppe hat die jahrzehntealten Daten der Magellan-Venusmission analysiert und dabei offenbar einen riesigen unterirdischen Tunnel entdeckt(öffnet im neuen Fenster) . Dieser entstand durch vulkanische Aktivitäten auf dem Planeten.

Der Magellan-Orbiter der US-Raumfahrtbehörde Nasa kartierte zwischen 1990 und 1992 einen Großteil der Venusoberfläche. Zum Einsatz kam ein speziell dafür entwickeltes Radarsystem, das Synthetic Aperture Radar. Das war notwendig, da die Venus ständig von dichten Wolken bedeckt ist und visuelle Kameras keine direkte Sicht auf die Oberfläche bekommen hätten.

Die Raumsonde kartierte die Venus, indem sie Radiowellen zur Planetenoberfläche sendete und maß, wie lange die Signale zurück zur Raumsonde benötigten. Dadurch entstand eine detaillierte Oberflächenkarte, die lange Ketten von Gruben oder eingestürzte Bereiche an der Oberfläche zeigt.

Fokus auf die eingestürzten Bereiche auf der Venus

Einige dieser Bereiche erstreckten sich über Tausende bis Zehntausende von Kilometern, was laut der Forschungsgruppe auf das Vorhandensein einer unterirdischen Lavaröhre hindeutet. "Unser Wissen über die Venus ist noch begrenzt, und bisher hatten wir nie die Möglichkeit, Prozesse direkt unter der Oberfläche des Zwillingsplaneten der Erde zu beobachten" , erklärte Lorenzo Bruzzone von der italienischen Universität Trento(öffnet im neuen Fenster) .

Für die Untersuchung konzentrierte sich das Team auf lokale Oberflächeneinbrüche. Diese treten auf, wenn Felsabschnitte nachgeben und Öffnungen schaffen, die unterirdische Hohlräume freilegen können. An der Westflanke des Vulkans Nyx Mons entdeckte die Arbeitsgruppe einen Bereich, der auf eingestürzte Lavatunnel hinweist. Die Analyse des umliegenden Geländes legt nahe, dass sich die Röhre über einige Dutzend Kilometer unter der Oberfläche erstrecken könnte.

Nyx Mons ist einer der 1.600 großen Vulkane auf der Venus. Zudem weist die Planetenoberfläche fast eine Million kleinere Vulkane auf.

Ausreichende Untersuchungen mit den bisherigen Daten nicht möglich

Jedoch wurde bisher nur ein Teil der Struktur bestätigt. Die mögliche Lavaröhre habe einen "geschätzten Durchmesser von etwa einem Kilometer, eine Dachdicke von mindestens 150 Metern und eine unterirdische Tiefe von mindestens 375 Metern" , teilte Bruzzone mit.

Da die Venus eine etwas geringere Schwerkraft und eine dichtere Atmosphäre als die Erde hat, herrschen dort Bedingungen, die die schnelle Bildung einer dicken, isolierenden Kruste unmittelbar nach dem Austreten von Magma begünstigen würden. Die entdeckte Lavaröhre scheint breiter und höher zu sein als jene, die bisher auf der Erde entdeckt wurden oder auf dem Mars vermutet werden.

Es braucht weitere Beobachtungen , um die volle Größe, Form und Stabilität der vermuteten Lavaröhre zu bestätigen. Dafür könnte das fortschrittliche Radarinstrument Subsurface Radar Sounder (SRS) an Bord der europäischen Envision-Mission infrage kommen.

Die Mission soll zwar erst 2031 starten und die Venus zwei Jahre später erreichen. Jedoch kann die Raumsonde mit ihrem Radar bis zu mehrere Hundert Meter tief in die Planetenoberfläche blicken. Laut dem Forschungsteam könnte man so auch ohne Oberflächenöffnungen Lavaröhren entdecken.

Zur Studie

Die Studie wurde am 9. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht: Radar-based observation of a lava tube on Venus(öffnet im neuen Fenster) (Radarbasierte Beobachtung einer Lavaröhre auf der Venus).


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