Abo
  • Services:

''Erst mal keine üble Idee!''

"Endlich!", ruft ein ortsansässiger Taxifahrer, den wir nach den Plänen fragen, bevor er in schallendes Gelächter ausbricht. "Für die große Digitalisierung ist das erst mal keine üble Idee!" Den Cottbuser Bürgern, die Taxi fahren oder im Büro arbeiten, kommt die Vision Digitale Stadt Cottbus noch sehr weit weg vor.

Stellenmarkt
  1. BRZ Deutschland GmbH, Nürnberg
  2. Versicherungskammer Bayern, München

Und mit der Realisierung wird es schwieriger als gedacht: Eine erhoffte Millionenhilfe vom Digitalverband Bitkom fällt weg, weil die Bewerbung als digitale Modellstadt nicht erfolgreich war. Nun will es Cottbus ohne das Wettbewerbsgeld schaffen; die Pläne stehen ja schon und Bitkom hilft immerhin mit Expertise. Auch Siemens packt mit Arbeitsgruppen zu Automatisierung und Digitalisierung an.

Und die Informatiker und Ingenieure, die an der Uni Cottbus ausgebildet werden, sollen nicht nur an erneuerbaren Energien arbeiten, die im Sinn der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung der Bundesregierung die Braunkohle ablösen. Sie sollen sich auch in IT-Betrieben und Startups ansiedeln, um die Wirtschaft anzukurbeln. "Die Universität will natürlich auch Absolventen für die Gegend hier generieren", sagt Katrin Salchert. Sie vermittelt als Vizepräsidentin für Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft. "Die Lausitz muss sich neu definieren, damit es noch mehr interessante Arbeitsplätze gibt, die Absolventen halten können. Dafür brauchen wir eine klare Ausrichtung wie künstliche Intelligenz und Automatisierung." Dazu nimmt Katrin Salchert den Dialog mit der Region auf. Ihr Projekt Innovation Hub 13 setzt Transfer-Scouts ein, die den Unternehmen erklären, was die Wissenschaftler leisten könnten, und fragen, was sie benötigen.

Die Universität soll die Lausitz retten

Zumindest am Campus ist die Vision von der fortschrittlichen, internationalen Stadt, die der Bürgermeister im Leitbild 2032 ausgemalt hat, schon Realität: Die Ausbuchtungen der futuristischen Bibliothek von Herzog & de Meuron glänzen in der Wintersonne, vor dem neu errichteten Informatik-Trakt mit gläsernen Computer-Laboren debattieren Studenten über ihre Projekte. Ein Bus spuckt eine neue Traube Pendler aus, die vom Bahnhof aus Berlin angereist sind. Grüppchen von Asiaten mit Mappen unter den Armen, Frauen mit Kopftüchern und schwarzumrandeten Augen und Szene-Typen mit Piercings verteilen sich auf die umliegenden Universitätsgebäude.

26 Prozent der Studierenden stammen aus dem Ausland, das ist der dreifache Anteil der Stadt Cottbus. Die meisten davon pendeln jeden Tag und wohnen nicht in Brandenburg. Um mehr Studenten - am liebsten dauerhaft - in die Lausitz zu holen, wurde 2017 der englischsprachige Masterstudiengang Cyber Security gegründet. Für Studenten aus Großbritannien und den USA, wo ähnliche Studiengänge deutlich teurer sind, ist das ein Anreiz. Es gibt deutlich mehr Bewerber, als Plätze (30) zur Verfügung stehen. 

Schon 1991 wurde die Hochschule als einzige technische Lehranstalt in Brandenburg gegründet, um junge Menschen in der Region zu halten, 2013 rundum erneuert und mit der Hochschule Lausitz zusammengeschlossen. Heute studieren an der Brandenburgischen Technischen Universität 7.600 Menschen, davon nur 300 in den begehrten IT-Fächern Informatik, Cyber Security, Medizininformatik, Informations- und Medientechnik - zu wenige, wie der Leiter des Lehrstuhls Praktische Informatik, Claus Lewerentz, findet.

Wer das harte Studium besteht, gehört nach seinen Angaben zu den begehrtesten Informatikern des Landes. Einige seiner Absolventen sind in den USA bei Google, andere bei Intel oder bei SAP in Berlin angestellt. Es hat sich herumgesprochen, dass sie gute Informatiker sind. Das liege daran, dass die Studiengänge klein sind und viel für die einzelnen Studierenden getan werde. Sie arbeiten interdisziplinär mit Wirtschaftswissenschaften und Ingenieuren zusammen, bekommen im Master so gut wie immer eine Stelle als Hilfskraft und ihre Schwerpunkte sind interessant.

Forschungsteams arbeiten etwa an der Sozialkompetenz kognitiver Systeme und beschäftigen sich mit der Frage, wie man ungeschriebene, zwischenmenschliche Gesetze in der alltäglichen Anwendung von künstlicher Intelligenz, etwa im Straßenverkehr, berücksichtigt. Datensicherheit für KI-Systeme und Dependable Cyperphysical Systems zählen ebenfalls zu den zentralen Feldern der BTU. "Besonders in der Industrie und in Kraftwerken sind unsere Absolventen daher extrem gefragt", sagt Matthias Wolff, Sprecher des Forschungsclusters Kognitive Systeme.

 Struktrurwandel: IT soll jetzt die Kohle nach Cottbus bringenNeues Gründungszentrum soll Startups zum Bleiben bewegen 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 5€ inkl. FSK-18-Versand
  2. 5€ inkl. FSK-18-Versand
  3. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)

Kelran 18. Feb 2019 / Themenstart

Das riesige Loch, das der Braunkohle-Tagebau in Cottbus hinterlässt, ist flächmäßig der...

richtchri 16. Feb 2019 / Themenstart

In Mai sind Kommunalwahlen in Cottbus. Die ersten Prognosen gehen davon aus, dass die...

richtchri 16. Feb 2019 / Themenstart

Die Mieten der Cottbuser Innenstadt belaufen sich im Schnitt auf 10-12 Euro pro qm. So...

richtchri 16. Feb 2019 / Themenstart

Cottbusser Anekdoten Mein Einstieg: Im verträumten Cottbus können die Sachbearbeiter...

Deff-Zero 14. Feb 2019 / Themenstart

Schön, aber das braucht Zeit, und die hat Cottbus wie im Artikel beschrieben nicht. Ich...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


LG 5K2K (34WK95U) Ultrawide - Fazit

Der aktuelle Ultrawide von LG hat eine beeindruckend hohe Auflösung und eignet sich wunderbar für Streamer oder die Videobearbeitung.

LG 5K2K (34WK95U) Ultrawide - Fazit Video aufrufen
Raspberry Pi: Spieglein, Spieglein, werde smart!
Raspberry Pi
Spieglein, Spieglein, werde smart!

Ein Spiegel, ein ausrangierter Monitor und ein Raspberry Pi sind die grundlegenden Bauteile, mit denen man sich selbst einen Smart Mirror basteln kann. Je nach Interesse können dort dann das Wetter, Fahrpläne, Nachrichten oder auch stimmungsvolle Bilder angezeigt werden.
Eine Anleitung von Christopher Bichl

  1. IoT mit LoRa und Raspberry Pi Die DNA des Internet der Dinge
  2. Bewegungssensor auswerten Mit Wackeln programmieren lernen
  3. Raspberry Pi Cam Babycam mit wenig Aufwand selbst bauen

Chromebook Spin 13 im Alltagstest: Tolles Notebook mit Software-Bremse
Chromebook Spin 13 im Alltagstest
Tolles Notebook mit Software-Bremse

Bei Chromebooks denken viele an billige, knarzende Laptops - das Spin 13 von Acer ist anders. Wir haben es einen Monat lang verwendet - und uns am Ende gefragt, ob der veranschlagte Preis für ein Notebook mit Chrome OS wirklich gerechtfertigt ist.
Ein Test von Tobias Költzsch


    Mac Mini mit eGPU im Test: Externe Grafik macht den Mini zum Pro
    Mac Mini mit eGPU im Test
    Externe Grafik macht den Mini zum Pro

    Der Mac Mini mit Hexacore-CPU eignet sich zwar gut für Xcode. Wer eine GPU-Beschleunigung braucht, muss aber zum iMac (Pro) greifen - oder eine externe Grafikkarte anschließen. Per eGPU ausgerüstet wird der Mac Mini viel schneller und auch preislich kann sich das lohnen.
    Ein Test von Marc Sauter

    1. Apple Mac Mini (Late 2018) im Test Tolles teures Teil - aber für wen?
    2. Apple Mac Mini wird grau und schnell
    3. Neue Produkte Apple will Mac Mini und Macbook Air neu auflegen

      •  /