Stromversorgung: Ein Elektroauto ist kein Heizlüfter

Die Stromwirtschaft warnt vor dem Einsatz von elektrischen Heizgeräten. Aber warum droht durch Millionen neuer Elektroautos kein Blackout?

Eine Analyse von veröffentlicht am
Was unterscheidet ein Heizgerät eigentlich von einem Elektroauto?
Was unterscheidet ein Heizgerät eigentlich von einem Elektroauto? (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Was in Ländern wie Frankreich schon seit Jahren ein Problem ist, droht im kommenden Winter angeblich auch in Deutschland. Sollten plötzlich Millionen Haushalte mit Strom statt mit Gas oder Öl heizen, könnten Stromnetze überlastet werden. Gleichzeitig sollen die Bürger aus Klimaschutzgründen auf Elektroautos umsteigen. Das passt auf den ersten Blick gar nicht zusammen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen aber nicht als Widerspruch.

Inhalt:
  1. Stromversorgung: Ein Elektroauto ist kein Heizlüfter
  2. Kraftwerksleistung könnte zu niedrig sein
  3. Netze müssen nachgerüstet werden

Ob es im kommenden Winter tatsächlich zu Engpässen bei der Stromversorgung kommt, ist derzeit schwer einzuschätzen. Dennoch haben in der vergangenen Woche der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) vor einer Überlastung der Netze gewarnt. Auf Anfrage von Golem.de schloss sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) dieser Einschätzung an.

Verkauf von Heizlüftern stark gestiegen

Hintergrund sind Berichte, wonach der Verkauf von elektrischen Heizgeräten wie Lüftern, Radiatoren und Konvektoren in diesem Jahr stark gestiegen ist. Da Russland infolge des Ukrainekriegs deutlich weniger Gas nach Deutschland liefert, befürchten offenbar viele Verbraucher, dass ihnen nicht genügend Brennstoff für den Winter zur Verfügung steht oder die Raumtemperaturen zu stark sinken.

Doch es wäre keine gute Idee, wenn nun Millionen Haushalte von einer Gasheizung auf Elektrolüfter umstiegen. Das hat gleich mehrere Gründe. So berechnet sich die Hausanschlussleistung beispielsweise danach, ob Strom für die Warmwasserbereitung oder die Heizung benötigt wird. Eine Nachtspeicherheizung muss zudem vom Versorger per Rundsteuerempfänger oder durch eine Zeitschaltuhr ein- und ausgeschaltet werden können.

Überlastung der Stromnetze droht

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Sollten in einem Haus- oder Wohngebiet plötzlich zahlreiche Haushalte mit Heizlüftern heizen, könnte dies zu einer Überlastung der Anschlüsse führen. Denn die Geräte brauchen dauerhaft viel Strom, der im sogenannten Gleichzeitigkeitsfaktor nicht einkalkuliert ist. Andere große Verbraucher wie Herde oder Waschmaschine werden in der Regel nicht gleichzeitig von vielen Haushalten eingesetzt, so dass ein Hausanschluss nicht dafür ausgelegt werden muss, sämtliche potenziellen Verbraucher gleichzeitig mit Strom versorgen zu müssen.

Dieses Konzept lässt sich auch auf die lokalen Verteilnetze übertragen. "Bei so einer zusätzlichen, gleichzeitig auftretenden Belastung kann es zu einem Ansprechen des Überlastschutzes und damit zu einem Stromausfall in den betroffenen Netzbereichen kommen", sagte Professor Hendrik Lens vom VDE-Fachbereich Energietechnische Gesellschaft. Auch die Wiederherstellung der Stromversorgung gestalte sich dann schwierig. "Wenn nicht möglichst viele betroffene Kunden ihre Heizgeräte manuell ausschalten, würde ein Zuschaltversuch durch den Netzbetreiber sofort zu einem erneuten Abschalten führen", sagte Lens weiter.

Ein weiteres Problem: Sollten bundesweit Millionen Heizlüfter zusätzlich eingeschaltet werden, könnte dies die verfügbare Kraftwerksleistung übersteigen.

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Kraftwerksleistung könnte zu niedrig sein 
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Spiritogre 09. Aug 2022 / Themenstart

Nur heizt niemand den ganzen Tag lang und ausschließlich mit Heizlüfter.

robinx999 08. Aug 2022 / Themenstart

Weil es Lieferverträge gibt und diese Länder normalerweise zu Ihren Verpflichtungen stehen.

Mnyut 08. Aug 2022 / Themenstart

Der Trend geht doch eh zum dritt Auto.

mj 08. Aug 2022 / Themenstart

könnten wir jetzt auch üüber solar energie, windkraft, gezeitenkraftwerke oder erdwärme...

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