Stromproduktion fehlt: Stresstest für Europas Energiesystem durch Sonnenfinsternis
Die Financial Times(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) berichtet, dass der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber am Mittwoch, dem 12. August, wegen der Sonnenfinsternis von einer spürbaren Einschränkung der Stromproduktion ausgeht. In den Abendstunden zwischen 18 und 21 Uhr könnten annähernd 10 Gigawatt weniger Leistung zur Verfügung stehen, als typischerweise zu erwarten wären.
Grundsätzlich wäre das unproblematisch. Die Sonnenfinsternis ist ein absolut erwartbares Ereignis, das durch andere Stromquellen und die Abschaltung großer Verbraucher in der Zeit gut zu kompensieren wäre.
Die Hitze und Dürre der letzten Zeit bereitet vielen Kraftwerken in ganz Europa jedoch Probleme. Neben einer Vielzahl an Atomkraftwerken mussten auch Kohlekraftwerke wegen niedriger Flusspegel und damit fehlendem Kühlwasser ihre Leistung reduzieren. Wasserkraftwerke und Pumpspeicherwerke können aktuell ebenfalls nicht ihre optimale Leistung ausschöpfen.
Großflächige Beeinträchtigung erwartet
Zu einer ohnehin angespannten Situation im europäischen Stromnetz kommt somit ein weitläufiger Einbruch bei der Produktion aus Photovoltaik hinzu. Vor allem in Spanien und Großbritannien, teils noch in Frankreich werden die Auswirkungen zu spüren sein.
Denn nicht nur im knapp 300 km breiten Kernschatten des Mondes wird die Stromproduktion sinken, entlang des Teilschattens sinkt die Intensität des Sonnenlichts in einem etwa 1.000 km breiten Streifen um 80 bis 90 Prozent. Immerhin fällt der Zeitpunkt der Abschwächung der Sonnenstrahlung in die Abendstunden, wenn PV-Anlagen allenfalls noch mit der Hälfte bis einem Drittel der üblichen Leistung operieren.
Dementsprechend dürfte der Wegfall von 10 Gigawatt Leistung nach aktueller Einschätzung zu verkraften sein. Frankreich und Spanien kommen gemeinsam auf mehr als 50 Gigawatt Solarleistung in den Mittagsstunden. In Deutschland allein liegt der Wert jenseits von 60 Gigawatt, aber hierzulande sind Einschränkungen durch die Sonnenfinsternis kaum zu erwarten.
Dennoch tritt die Sonnenfinsternis zu einem Zeitpunkt auf, da das europäische Netz ohnehin kaum Reserven besitzt. Dass es ernsthaft zu Problemen kommen könnte, steht derzeit aber nicht zu befürchten. Dafür ist das Ereignis schlicht zu gut planbar. Die Sprecherin der EU-Kommission, Anna-Kaisa Itkonen, sagte der Financial Times, dass die Situation genau verfolgt werde, aber aktuell nicht mit Versorgungsproblemen gerechnet werde.
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