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Stromnetz: Tennet warnt vor Trassen-Maut für bayerische Bauern

An der Nordsee Windstrom im Überfluss, im Süden Mangel: Die regionale Unwucht der Energiewende setzt die Netze immer stärker unter Druck. Netzmanager drücken beim Ausbau aufs Tempo.
/ Peter Steinlechner , dpa
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Strommasten vor dem abgeschalteten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Strommasten vor dem abgeschalteten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld Bild: Sean Gallup/Getty Images

Der Stromnetzbetreiber Tennet(öffnet im neuen Fenster) musste in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich mehr Noteingriffe zur Stabilisierung des Stromflusses in Deutschland vornehmen. Die Kosten seien zu Jahresbeginn auch wegen des windreichen Januars im Vorjahresvergleich um mindestens 50 Prozent gestiegen, sagte Tennet-Deutschlandchef Urban Keussen der Deutschen Presse-Agentur. "Die Anspannung im Netz ist hoch, und sie wird mit der Abschaltung weiterer Kernkraftwerke noch zunehmen" , so Keussen.

Die Kosten für die Netzeingriffe lagen 2015 bereits bei rund einer Milliarde Euro bundesweit, davon etwa 700 Millionen Euro im Tennet-Netzgebiet, das in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht. Im windschwachen Jahr 2016 sank der Aufwand bei Tennet nur leicht auf 660 Millionen Euro. Jetzt steigt er wieder deutlich. Die Eingriffskosten könnten nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 laut Bundesnetzagentur auf bis zu vier Milliarden Euro bundesweit im Jahr anwachsen. Zahlen muss das der Verbraucher über den Strompreis.

Solange Leitungen fehlen, um Windstrom von Norden nach Süden zu bringen, müssen vor allem im Herbst und Winter immer wieder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet und konventionelle Reservekraftwerke im Süden Deutschlands oder in Österreich hochgefahren werden. Deutlich gestiegene Eingriffskosten hatte Anfang Juni 2017 bereits der Netzbetreiber Amprion gemeldet.

Warnung vor Wildwest-Gepoker

Umso wichtiger sei es, die geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen ohne Verzögerungen fertigzustellen, sagte Keussen. Deshalb dürfe es kein Wildwest-Gepoker um Abfindungen für Anlieger geben. Die Entschädigungen der Grundstückseigentümer orientierten sich an einheitlichen Richtlinien, die mit den zuständigen Verbänden ausgehandelt würden, sagte er. Entschädigungen sollten wie bisher in Deutschland üblich auch nur einmalig gezahlt werden, betonte Keussens Kollege in der Geschäftsführung, Lex Hartman.

Vertreter vor allem aus dem bayerischen Bauernverband hatten wiederkehrende Entschädigungszahlungen an die Bauern in Form einer "Trassen-Maut" gefordert. Sie befürchten eine Erwärmung und Austrocknung des Bodens durch künftige Erdkabel und verweisen auf die Kommunen, die sich die Durchquerung ihrer Gebiete schließlich auch mit Konzessionsabgaben bezahlen ließen.

Südlink soll 2025 fertig sein – eigentlich

Wiederkehrende Zahlungen würden die Debatten um die Leitungen immer wieder neu entflammen und brächten zusätzliche Lasten für die Stromkunden, sagte dagegen Hartman. Entschädigungen müssten fair für alle sein, die Grundstückseigentümer wie die Stromverbraucher.

Tennet baut zusammen mit dem Netzbetreiber TransnetBW die "Schlagader der Energiewende", die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetzigem Planungsstand soll sie 2025 fertig werden, falls Klagen den Bau nicht aufhalten. Aktuell läuft bis etwa Ende 2018 das Genehmigungsverfahren für die rund einen Kilometer breiten Trassenkorridore.


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