Energiewende: Bis 2029 müssen jeden Tag sechs Windräder gebaut werden

Mehr sauberer Strom: Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen ist im vergangenen Jahr gestiegen. Allerdings wurde auch mehr Strom aus Braun- und Steinkohle erzeugt.
Die Nettostromerzeugung im Jahr 2022 betrug nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE(öffnet im neuen Fenster) 491,51 Terawattstunden. Die Nettostromerzeugung ist danach "der Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt." Knapp die Hälfte davon, nämlich 243,62 Terawattstunden, stammt aus erneuerbaren Quellen. Das entspricht einem Anteil von 49,6 Prozent.
Die Präsentation teilt die nicht-erneuerbaren Quellen in fossile Energieträger und Atomkraft. Erstere hatte einen Anteil von 43,8 Prozent, letztere einen von 6,7 Prozent. Das war etwa nur noch halb soviel wie im Vorjahr. In absoluten Zahlen: ein Minus von 32,8 Terawattstunden. Wegen der Sanktionen gegen Russland nach dem Angriff auf die Ukraine ist auch die Bedeutung von Gas als Energieträger gesunken: Er lag um 9,2 Prozent unter dem des Vorjahrs, das waren 4,8 Terawattstunden.
Mehr Kohle wurde verstromt
An Bedeutung gewann Strom aus Kohle: Der Braunkohleanteil wuchs um 7,6 Prozent, der der Steinkohle um 18,8 Prozent. Absolut waren das 7,5 und 8,8 Terawattstunden mehr als im Vorjahr. Insgesamt kamen 215,11 Terawattstunden aus fossilen Energieträgern. Trotz des Zuwachses bei der Kohle lag die Nettostromerzeugung aus nicht erneuerbaren Quellen unter der des Vorjahres. In den letzten 20 Jahren war sie nur 2020 geringer.
Absolut machte die Windenergie den größten Sprung, mit einem Plus von 11,6 Terawattstunden, was einem Zuwachs von 10,4 Prozent entspricht. Auch die Solarenergie legte kräftig zu: 9,2 Terawattstunden mehr als im Vorjahr. Der Anteil am Strommix wuchs um 19 Prozent.
Wind war 2022 nach der Kohle – 169,73 Terawattstunden, davon 107,85 Terawattstunden aus Braunkohle – der wichtigste Energieträger: 123,35 Terawattstunden wurden aus Wind erzeugt, davon 98,61 an Land. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundesregierung ihr Ziel zum Ausbau der Windenergie 2022 verfehlt hat.
Laut Bruno Berger, Gruppenleiter Energiedaten und strategische Entwicklung beim Fraunhofer ISE, fehlten Ende November noch 0,23 Gigawatt Leistung offshore(öffnet im neuen Fenster) und 0,9 Gigawatt onshore(öffnet im neuen Fenster) : Geplant war, an Land 3 Gigawatt zu installieren, es waren 2,1 Gigawatt. Offshore wurde nur etwas mehr als die Hälfte der geplanten Leistung installiert: 0,27 Gigawatt statt 0,5 Gigawatt.
Das entspricht etwa neuen 2,2 Windrädern pro Tag im Jahr 2022. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren: Zwischen den Jahren 2010 und 2021 lag das gewichtete Mittel nur bei 3,5 Windrädern pro Tag. Um das Ziel von 80 Prozent im Jahr 2030 zu schaffen, müssen laut einer aktuellen Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI)(öffnet im neuen Fenster) jedoch deutlich mehr werden: Danach müssen von 2023 bis 2029 jeden Tag 5,8 Windenergieanlagen gebaut werden.



