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Strommessung: Welche alten Fritzboxen sich am Glasfaser-ONT rechnen

Gebrauchte DSL- und Kabel-Router muss man nicht wegwerfen, wenn ein Fiber-Anschluss mit ONT ins Haus kommt. Wir haben den Stromverbrauch alter Fritzboxen hinter dem ONT gemessen und mit Fiber-Fritzboxen verglichen.
/ Harald Karcher
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Wir haben mal nachgemessen. (Bild: Harald Karcher)
Wir haben mal nachgemessen. Bild: Harald Karcher

Ein neuer Glasfaseranschluss braucht eine neue Fiber-Fritzbox - oder? Laut AVM spart man sogar Strom, wenn das Glasfaser-Modem direkt in der Fritzbox steckt, etwa in einer 5530 Fiber, 5590 Fiber oder den kommenden Modellen 5690 PRO und 5690 XGS. Doch im echten Leben lassen viele (nicht alle) Glasfaser-Provider so eine moderne Glasfaser-Modem-Box nur ungern direkt an ihr wertvolles GPON-Glasfaser-Netz heran.

Stattdessen installieren sie dem Kunden lieber ein separates Glasfaser-Modem-Kästchen namens ONT alias Optical Network Termination als Fiber-Netz-Abschluss. Das sei gut für die Kunden und auch gut für den Glasfaser-Provider, erklärt uns etwa Martin Herkommer, Leiter Strategische Geschäftsentwicklung bei der Deutschen Giganetz in diesem Golem.de-Artikel .

Stromwerte des externen Glasfaser-ONT

Tatsächlich kann so ein ONT-Kästchen das Internet von Licht in Strom umwandeln. Das Internet kommt am (zumeist) grünen Glasfaser-"Eingang" per Laserstrahl in den ONT hinein und kann dann über den (oftmals) blauen LAN-"Ausgang" per Strom an jedweden gängigen WLAN-Router alias Fritzbox via LAN-Kabel weitergeleitet werden - und umgekehrt. Zu diesem Zweck braucht so ein separater ONT eine eigene Stromversorgung.

Das zurzeit meistverkaufte ONT-Kästchen ist laut Amazon das Glasfaser-Modem 2 der Deutschen Telekom. Also schauen wir stellvertretend für die ganze Gattung mal dessen Stromwerte an.

Ist kein Router angeschlossen, zieht das Telekom-Modem 2,93 Watt aus der 230-Volt-Dose. Nach Anschluss an den LAN-2-Port (1 GbE) einer Fritzbox 6660 Cable sind es zwischen 3,21 und 3,29 Watt. Beim Anschluss an den WAN-LAN-1-Port (2,5 GbE) der gleichen 6660 messen wir 3,71 bis 3,79 Watt.

Da nicht alle älteren WLAN-Router einen 2,5-GbE-Port haben, setzen wir in allen weiteren Berechnungen nur den 1-GbE-Verbrauch des ONT ein, und zwar gerundet auf 3,3 Watt.

Stromwerte von Cable- und den Fiber-Fritzboxen 5530 und 5590

Zum Stromverbrauch des ONT addieren wir die Stromwerte diverser WLAN-Router. Wir fangen bei den Fritzboxen mit verbautem Docsis-Kabel-Modem an.

Die Fritzbox 6660 Cable verbraucht, DECT- und WLAN-Funk-Module eingeschaltet plus ein paar Endgeräte per Funk verbunden, jedoch ohne größeren Funk-Durchsatz, etwa 13,5 Watt. Rechnen wir die 3,3 Watt des Telekom-ONT hinzu, kommen wir auf 16,8 Watt.

Das WLAN-stärkere Cable-Top-Modell 6690 braucht im vergleichbaren Lauer-Modus, DECT und WLAN an, jedoch ohne größeren Funk-Durchsatz, etwa 13,3 Watt. Plus 3,3 Watt für den ONT macht das 16,6 Watt.

Weniger als die 6660? Genau, die 6690 hat halt keinen 2,5-GbE-LAN-Port.

Die gängigen WLAN-Router mit Docsis-Kabel-Modem ziehen allesamt mehr als 10 Watt aus der 230-Volt-Dose. Nicht nur die Fritzboxen 6591, 6600 und 6690, sondern auch Kabel-Provider-Modelle von Pyur und Vodafone ziehen im Stand-by über 10 Watt.

Da die aktuellen Cable-Fritzboxen ihren Wert gut halten, wird man sie kaum neu kaufen wollen, nur um sie hinter einem ONT zu betreiben. Hat man jedoch eine gebrauchte Cable-Fritzbox im Bestand übrig, weil man gerade von Kabel- auf Fiber-Internet wechselt, könnte man den höheren Stromverbrauch des Gespanns in Kauf nehmen. Ansonsten sollte man die Cable-Box gebraucht verkaufen und eine neue 5530 oder 5590 in Erwägung ziehen.

Stromwerte der Fiber-Fritzboxen 5530 und 5590

Zum Vergleich: Die WLAN-schwache 5530 Fiber zieht im oben beschriebenen Lauer-Modus, samt eingestecktem GPON-SFP-Modul, nur 7,7 Watt aus unserer 230-Volt-Dose.

Die CPU-starke 5590 Fiber zieht in einem vergleichbaren Modus, samt eingestecktem GPON-SFP-Modul, nur 10,5 Watt aus unserer 230-Volt-Dose. Das ist mehr als bei der 5530, trotzdem ist sie insgesamt sparsam, denn sie hat eine starke CPU und ist auch sonst eine der besten Fritzboxen aller Zeiten.

Tatsächlich schneiden beide Fiber-Fritzboxen bei den Stromwerten deutlich besser ab als etwa die energiehungrigere Kombi aus Cable-Fritzbox mit externem Glasfaser-Modem-ONT davor.

Stromwerte von DSL-Boxen hinterm ONT

Unsere gebrauchte DSL-Fritzbox 7390 aus dem Jahr 2010 zieht im oben beschriebenen Modus bescheidene 6,3 Watt aus der 230-Volt-Dose. Plus 3,3 Watt für einen vorgeschalteten ONT macht das 9,6 Watt. Damit liegt die 7390-ONT-Kombi zwar über der WLAN-schwachen 5530 Fiber mit 7,7 Watt, aber knapp unter der CPU-starken 5590 Fiber mit 10,5 Watt.

Die Power eines großen Fiber-1.000-Anschlusses kann eine alte 7390 über ihr betagtes WLAN-11n zwar nicht ganz ungebremst an ihre WLAN-Endgeräte durchfunken. Hinter einem kleineren Fiber-50- oder Fiber-100-Anschluss kann eine 14 Jahre alte 7390 den Speed per WLAN-11n aber noch gut an ihre Endgeräte durchreichen.

Natürlich sind bei einer betagten 7390 auch GUI-Oberfläche, USB-NAS-Ports und VPN-Durchsatz langsamer als bei den jüngeren Modellen 7490, 7590 oder 7590 AX. Braucht jemand aber noch ISDN-Telefonie an seiner Fritzbox, kann die 7390 sogar besser passen als die modernste Version der 7590 AX, die gar keinen ISDN-Port mehr hat.

Gegen die alte 7390 spricht jedoch, dass es von AVM vermutlich keine Firmware-Updates mehr geben wird - also auch keine Sicherheits- und Firewall-Updates. Wer sich zu helfen weiß, installiert dann halt mehr Sicherheit direkt auf seine Endgeräte oder nutzt eine separate Hardware-Firewall im Heimnetz.

Wer also eine 7390 übrig hat oder sie für 20 bis 40 Euro gebraucht im Internet kauft, kann sie hinter einem ganz modernen Glasfaser-ONT durchaus zu nie gekannter Internetqualität bringen. Sie ist 2010 für VDSL-50 auf den Markt gekommen und wurde Jahre später per Software-Update für VDSL-100 aufgebohrt. Wer will, kann ihr am Glasfaserinternet ein drittes Leben spendieren.

Die viel jüngere Fritzbox 7510 hat einen frappierend günstigen Stromwert von 3,8 Watt. Plus 3,3 Watt für einen separaten ONT macht das 7,1 Watt. Damit liegt sie unter den 7,7 Watt der 5530 Fiber und den 10,5 Watt der 5590 Fiber.

Sie funkt nur Wi-Fi 6 auf 2,4 GHz, nicht auf 5 GHz. Das spart Strom. Allerdings hat sie auch DECT-Telefonie, die aber sowieso ganz wenig Strom zieht. Wer also einen Fiber-50- oder Fiber-100-Anschluss bekommt und bei den Endgeräten mit 2,4-GHz-Only-WLAN leben kann, könnte auch eine 7510 hinter den ONT hängen. Zumal sie neu oft keine 100 Euro kostet.

Eine gute und im Provider-Vertrieb sehr beliebte DSL-Box ist die 7530 AX. Sie funkt Wi-Fi 6 bei 2,4 und bei 5 GHz. Trotzdem zieht sie in unserem Lauer-Modus nur 6,2 Watt. Plus 3,3 Watt für den ONT macht das 9,5 Watt.

Wer schon eine 7530 AX im Bestand hat, kann sie auch hinter einem Glasfaser-ONT gut weiterverwenden, ohne seine Endgeräte für WLAN, DECT und Smart Home überhaupt neu einrichten zu müssen. Ansonsten wäre eine 5530 Fiber mit 7,7 Watt vom Strom her fast 2 Watt günstiger.

Die früheren DSL-Vorzeigeprodukte 7490 und 7590 liegen beim Strom, nach Addition von 3,3 Watt Glasfaser-ONT, beide schon oberhalb der 5530 Fiber; die 7590 liegt sogar oberhalb der starken 5590 Fiber.

Wenn man sie aber schon hat, kann man sie trotzdem hinter einem ONT benutzen. Solange man ihre ISDN-Features noch benötigt, ist sie auch hinter einem neuen Glasfaseranschluss fast unersetzlich.

Die Stromwerte weiterer DSL-Boxen von AVM, aber auch von Asus, O2, Telekom und Vodafone kann man selbst der Tabelle entnehmen und 3,3 Watt für einen Glasfaser-ONT dazurechnen.

Stromwerte der 4G-5G-Fritzboxen hinterm ONT

Warum sollte man eine 4G- oder gar 5G-Fritzbox mit eingebautem Mobilfunk-Modem hinter einem Glasfaser-ONT betreiben? Dafür gibt es mindestens drei Gründe:

1. Weil man sie plötzlich übrig hat und sich die Mühsal des Verkaufens ersparen will. Allerdings kostet die 5G-Fritzbox 6850 5G neu knapp 500 Euro und lässt sich gebraucht sehr gut verkaufen. Vom Resterlös bekommt man einen ganzen Korb voll gebrauchter 7390.

2. Weil man die sauber installierten und konfigurierten Endgeräte für DECT, WLAN und Smart Home an keiner neuen Fritzbox einrichten will. Klar, wer wenig Zeit oder keinen Nerv für IT-Fummelei hat, kann sie hinter dem neuen Glas-ONT weiter laufen lassen.

3. Weil man die 4G- oder 5G-Fritzbox als Ausfallreserve im Haus behalten will. Das wäre ein gutes Argument, denn auch beim oft stabilen Glasfaserinternet kann der Bagger aus Versehen mal die Leitung erwischen. Dann kann sogar das Fiber-Internet auch mal Stunden oder Tage lang ausfallen.

In der folgenden Tabelle fällt auf, dass die 6850 5G im Lauer-Modus 8,1 Watt und die 6850 LTE alias 4G nur 3,5 Watt aus der 230-Volt-Dose zieht. Addiert man beim sparsamen LTE-Modell noch 3,3 Watt für den ONT dazu, liegt sie mit 6,8 Watt noch unter der 5530 Fiber.

Der Telekom Speedport Pro hat sogar zwei Modems: eines für LTE-4G-Mobilfunk und ein weiteres für VDSL-250. Das hat aber einen hohen Preis: Wir messen 18,3 Watt im 4G-Modus und 18,2 Watt im DSL-Modus. Das war schon beim Produktstart nicht mehr zeitgemäß. Beim aktuellen Telekom Speedport Smart 4 hat die Telekom den Stand-by nun endlich auf 8,4 Watt herunterbekommen.

Stromwerte modemloser Fritzboxen hinterm ONT

Wenn Glasfaserkunden vom Provider einen ONT bekommen, steckt da ein gutes Glasfaser-Modem drin. Folglich muss die nachgelagerte Fritzbox eigentlich überhaupt kein eigenes Modem mehr haben.

Just deshalb wurde die modemlose Fritzbox 4060 in einigen Medien schon als perfekte Glasfaserbox bejubelt, obwohl sie eigentlich nur eine "Hinter-Glasfaser-ONT-Box" ist. Mit ihrem Eigenkonsum von 7,4 Watt plus 3,3 Watt für den ONT landet sie bei 10,7 Watt und damit ganz knapp über der 5590 Fiber.

Die CPU-starke 4060 wurde in einigen Medien auch schon auf Platz 1 der besten Fritzboxen aller Zeiten gesetzt, sogar vor die viel bekannteren 7590 AX und 6690 Cable. Als echte Fritzbox hat die 4060 unter anderem den in Zentraleuropa noch immer relevanten DECT-Funk für Telefonie und Smart Home.

Kann man auf den DECT-Funk und das Fritzbox-Feeling jedoch verzichten, kommen hinter einem Glasfaser-ONT plötzlich Hunderte weiterer WLAN-Router infrage, etwa der reichweitenstarke Wi-Fi-6-Router TP-Link Archer AX6000 oder der Wi-Fi-6E-Router Asus GT-AXE11000, der beim WLAN jede bisherige Fritzbox in den Schatten stellt.

Inzwischen sind auch die ersten Wi-Fi-7-WLAN-Router lieferbar, die wegen ihrer starken WLAN-Features und ihren 2,5- oder teils auch schon 10-Gigabit-LAN-Ports noch besser hinter schnelle Glasfaseranschlüsse passen als alle bisherigen Fritzboxen.

Umso wichtiger wäre es, dass AVM die 2023 angekündigten Fritzboxen 5690 PRO und 5690 XGS bald in den Handel bringt, bevor die ersten Fritz-Fans mit anderen Wi-Fi-7-hinter-ONT-Lösungen liebäugeln.

Alte Fritzboxen am neuen Glasfaser-ONT: Fazit

Gibt es Router-hinter-ONT-Gespanne, die den Stromwert einer WLAN-schwachen Fritzbox 5530 Fiber unterbieten? Dazu ziehen wir die 3,3 Watt des Telekom-ONT von den 7,7 Watt einer 5530 ab und stellen fest: Alle WLAN-Router unterhalb von 4,4 Watt können das Gespann rein von den Stromwerten her schlagen.

Bei unseren gut 30 gemessenen WLAN-Routern wären das nur die Fritzbox 6850 LTE mit einem Eigenverbrauch von 3,5 Watt und die DSL-Fritzbox 7510 mit 3,8 Watt.

Gibt es auch Router-samt-ONT-Gespanne, die den Stromwert einer CPU-starken Fritzbox 5590 Fiber unterbieten? Dazu ziehen wir ebenfalls die 3,3 Watt des Telekom-ONT von den 10,5 Watt einer 5590 ab und stellen fest: Alle WLAN-Router unterhalb von 7,2 Watt liegen hier vorne.

Bei unseren gemessenen WLAN-Routern wären das die Fritzbox 6850 LTE mit einem Eigenverbrauch von 3,5 Watt und die DSL-Fritzbox 7510 mit 3,8 Watt sowie die DSL-Fritzbox 7390 mit 6,3 Watt, die sparsame DSL-Fritzbox 7530 mit 5,4 Watt und die oft von Providern verkaufte oder vermietete DSL-Fritzbox 7530 AX mit 6,2 Watt Eigenverbrauch.

Im echten Leben ist die Leistungsaufnahme aber nur eines von vielen Kriterien, die über die Wahl zwischen Extern-ONT-Lösung und einer Fiber-Fritzbox entscheiden. Wer etwa noch ISDN an seiner Fritzbox braucht, wird so lange wie möglich an seiner alten 7390, 7490 oder 7590 festhalten und sie vielleicht sogar (hinter einem Provider-ONT) ins Glasfaserzeitalter mitnehmen.


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