Stromausfälle verhindern: Gefährden zu viele Rechenzentren das Stromnetz?
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Wenn es um den Stromverbrauch geht, stoßen Rechenzentren in nächster Zeit in Dimensionen vor, die nicht einmal große Industrieanlagen erreichen. Sollte OpenAI tatsächlich im US-Bundesstaat Wyoming ein Rechenzentrum mit 10 Gigawatt errichten , würde die Anlage 100 Mal so viel Strom wie die Tesla-Fabrik in Grünheide benötigen. Die Stromnetzbetreiber in Deutschland bereiten sich schon jetzt darauf vor, mögliche Probleme durch die Abschaltung großer Rechenzentren zu verhindern.
Dass diese Probleme schon jetzt auftreten können, zeigten mehrere Vorfälle im US-Bundesstaat Virginia . Bei dem ersten derartigen Vorfall gingen 70 Rechenzentren nahezu gleichzeitig vom Netz, nachdem eine Hochspannungsleitung ausgefallen war. Die Fehlfunktion einer solchen Leitung hatte auch den zweiten Vorfall zur Folge, bei dem etwa 40 Rechenzentren zeitgleich auf ihre Back-up-Stromquellen umschalteten.
Bei beiden Vorfällen fiel die Last im Netz plötzlich um knapp zwei Gigawatt ab und zwang den Netzbetreiber PJM Interconnection zu schnellen Gegenmaßnahmen. Zwar kam es nicht zu Folgeschäden, der Netzbetreiber realisierte aber, dass mit dem stetig steigenden Verbrauch von Rechenzentren zukünftig auch noch höhere Lastabfälle vorkommen können und man nicht sagen könne, was passieren würde, wenn plötzlich drei oder fünf Gigawatt wegfallen würden.
Derzeit 1,3 Gigawatt an Rechenkapazität installiert
Bestehen solche Gefahren auch im deutschen Stromnetz? Schließlich sollen hier ebenfalls große Rechenzentren entstehen , was schon alleine aus Gründen der digitalen Souveränität erstrebenswert ist. Wir haben daher bei Betreibern von Rechenzentren, Überlandverbindungen und Verteilnetzbetreibern nachgefragt, wie sich auf solche Risiken vorbereitet wird.
Zunächst lässt sich konstatieren, dass alleine im US-Bundesstaat Virginia offenbar mehr Rechenkapazität als in ganz Deutschland installiert ist. Denn nach Angaben der German Datacenter Association sind hierzulande derzeit mehr als 1,3 Gigawatt Kapazität im Einsatz. Das geht aus dem Datacenter Outlook Germany für 2025(öffnet im neuen Fenster) (PDF) hervor. Dem 35-seitigen Bericht zufolge ist diese Rechenkapazität aber sehr ungleich verteilt. Denn 1,02 Gigawatt davon sind im Raum Frankfurt am Main installiert. Der Rest verteilt sich auf die gesamte Republik, wobei Berlin mit 152 Megawatt einen weiteren Schwerpunkt bildet.
Die GDA gibt die jährlichen Wachstumsraten mit 18,6 Prozent in Frankfurt und 25,5 Prozent in Berlin an, so dass in wenigen Jahren die Marke von zwei Gigawatt erreicht werden dürfte. Das würde dann einen Anteil von 3 Prozent am gesamten deutschen Strombedarf ausmachen, wenn man die Lastspitzen von 65 Gigawatt in den vergangenen Märztagen als Maßstab nimmt.
Problematisch dürfte der gleichzeitige Ausfall mehrerer Rechenzentren vor allem in der Region Frankfurt werden. Daher haben wir neben der GDA noch den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Amprion und den lokalen Stromversorger Mainova um eine Stellungnahme gebeten.
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