Strenge Regulierung: Amazon droht mit Drohnenforschung außerhalb der USA

Amazon will laut eigenen Angaben seine Drohnenforschung ins Ausland verlegen, weil die Genehmigungsprozesse in den USA zu Behinderungen führen. In Großbritannien hat Amazon bereits Tests unternommen, doch bislang ist die Forschung und Entwicklung der Geräte größtenteils in den USA beheimatet. Das könnte sich angesichts Amazons Brief an die FAA (Federal Aviation Administration) laut Informationen des Wall Street Journals(öffnet im neuen Fenster) ändern: Ohne die Möglichkeit, Tests in den USA im Freien durchzuführen, habe man gar keine andere Möglichkeit, als mehr im Ausland zu arbeiten, so Amazon-Manager Paul Misener in dem Brief.

Amazon will in ferner Zukunft seinen Kunden in Ballungsräumen Lieferungen per Drohne innerhalb von 30 Minuten zustellen. Das kündigte das Unternehmen Ende 2013 an. Auch mit Fahrradkurieren laufen bereits Experimente in New York .
In Großbritannien suchte das Unternehmen bereits mehrere Mitarbeiter für sein Prime Air Team . Arbeitsort ist die Universitätsstadt Cambridge. Besetzt werden sollten unter anderem ein für die Organisation zuständiger Büroleiter und ein Projektmanager. Daneben sucht der Onlinehändler Spezialisten für die Handhabung der Drohnen.
Die FAA hat kommerzielle Drohnenflüge inklusive Tests in den USA bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Innerhalb der nächsten Jahre sollen Regeln für unbemannte Fluggeräte aufgestellt werden. Es ist Unternehmen nach Angaben der FAA allerdings möglich, Ausnahmeregeln zu beantragen. So wollte Amazon zum Beispiel in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Seattle Testflüge unternehmen. Die FAA verkauft sogenannte Experimental-Zertifikate, mit denen Hersteller ihre Fluggeräte legal betreiben können. Sie hat nach eigenen Angaben schon etwa 200 Stück ausgestellt.
Lizenz für Drohnen
Offenbar ist der Genehmigungsprozess allerdings aufwendig und ins Stocken geraten.
Auch wenn Regeln für kommerzielle Drohnenflüge aufgestellt werden, könnte das Amazons Pläne durchkreuzen. Die FAA plant nach einem früheren Bericht des Wall Street Journals , dass die Piloten am Boden eine Lizenz benötigen sollen. Darüber hinaus soll es dem Bericht zufolge nicht gestattet sein, in der Nacht zu fliegen oder oberhalb von 120 Metern. Die Sichtverbindung zum Piloten am Boden muss jederzeit gegeben sein. Autonom fliegende Drohnen scheinen gar nicht vorgesehen zu sein. Noch ist allerdings nicht klar, ob sich die FAA mit diesen Forderungen durchsetzen kann.
Schon jetzt ist zu erkennen, dass selbst die privaten Drohnenflüge problematisch werden könnten. Die FAA der USA führt detailliert Buch über die ihr gemeldeten Zwischenfälle, die sich mit privat gesteuerten Drohnen und dem regulären Flugverkehr ereignen. Seit Mitte 2014 sind 175 Zwischenfälle gemeldet worden, bei denen Drohnen in gesperrte Lufträume zum Beispiel an Flughäfen eindrangen. Mehrmals sei es zu Beinahekollisionen mit Flugzeugen oder Hubschraubern gekommen, berichtete die New York Times . Ein schwerer Zwischenfall mit Personenschäden hat sich der Liste zufolge bislang nicht ereignet.



