Streitgespräch mit Yahoo: NSA-Chef will gesetzliche Regelung für Hintertüren

In einer Fragerunde(öffnet im neuen Fenster) hat der Yahoo-Sicherheitschef Alex Stamos den neuen Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes NSA, Mike Rogers, in Bedrängnis gebracht. Dabei ging es um den Zugriff auf die Daten von Yahoos Kunden, wie es seit geraumer Zeit von US-Behörden und jüngst auch vom britischen Premier David Cameron verlangt wird . Stamos wollte auf einer Sicherheitskonferenz am Montag in Washington wissen, ob Yahoo seine Hintertüren auch anderen Regierungen zur Verfügung stellen sollte. Eine Frage, die Rogers nur ausweichend beantworte: "Ich denke, wir können das durcharbeiten."
Unter Berufung auf Verschlüsselungsexperten wie Bruce Schneier und Ed Felton verwies Stamos darauf, dass Kryptoprogramme nicht wirklich mit Hintertüren ausgestattet werden könnten. "Das ist so, als würde man ein Loch in eine Windschutzscheibe bohren" , sagte Stamos. Dem widersprach Rogers. "Ich habe einige Kryptographen von Weltformat bei der National Security Agency" , sagte er und fügte hinzu: "Ich halte es für eine Lüge, dass das nicht technisch machbar ist."
Rogers hält allerdings dafür einen rechtlichen Rahmen für erforderlich. "Es ist nicht zu wünschen, dass das FBI oder die NSA das einseitig entscheiden" , sagte der NSA-Direktor. Er sei der Ansicht, dass man einen gesetzlichen Rahmen schaffen könne. Dann müsse man auch nicht mehr von einer Hintertür sprechen, sondern der Zugang sei "sehr öffentlich" .
Großbritanniens Premierminister Cameron hatte sich Mitte Januar 2015 für ein Verbot verschlüsselter Kommunikation ausgesprochen , wenn diese es unmöglich macht, dass Sicherheitsbehörden die Verkehrsdaten und die Inhalte komplett überwachen. Ein entsprechendes Gesetz werde kommen, falls er wiedergewählt werde, hatte Cameron gesagt. Unterstützung erhielt er von US-Präsident Barack Obama. Soziale Medien und das Internet seien die bevorzugten Kommunikationsmittel von Terroristen. Deshalb müsse es legale Mittel geben, sie zu überwachen, hatte dieser gesagt . Er forderte eine Debatte in den USA und Großbritannien darüber, ob die bestehenden Regeln für die traditionellen Abhörmaßnahmen noch ausreichten.