Uneinigkeit bei den Synchronsprechern
Während der VDS die Netflix-Verträge für die KI-Passagen kritisiert, die Sprechern derzeit vorgelegt werden, verteidigt die Schauspielervereinigung BFFS die entsprechenden Verträge, die mit Netflix ausgehandelt wurden. Aus Sicht des BFFS biete die aktuelle Netflix-Regelung einen Rechtsrahmen als Grundlage für eine existenzielle Absicherung der Synchronbranche, indem eine künftige Vergütung von KI-Stimmen ermöglicht werde, die Gesetze so nicht vorsähen.
Aus Sicht des VDS geht es bei dem Streit nicht um einen Disput zwischen Verbänden, sondern um die Frage: "Unter welchen Bedingungen dürfen Stimmen für KI-Systeme genutzt werden?", sagte Lumpe.
"Die Position des VDS ist klar: Der Einsatz von KI im Synchronbereich darf nur erfolgen, wenn Sprecherinnen und Sprecher frei entscheiden können, ob ihre Stimme genutzt wird, nachvollziehen können, wofür sie eingesetzt wird, und dafür angemessen vergütet werden. Diese Voraussetzungen sind derzeit nicht ausreichend erfüllt", erklärt Lumpe die Situation.
Sprecher im Kampf gegen KI
Netflix könnte aus den Tonaufnahmen charakteristische Merkmale wie Stimmfärbung, Spielweise und Sprechrhythmus ableiten, beschreibt der VDS das Risiko. Auf dieser Grundlage ließe sich eine synthetische Stimme so kalibrieren, dass sie diese Merkmale reproduziert und Sprecher damit ersetzt werden.
Ein solches Szenario ist technisch möglich und wirtschaftlich naheliegend. Gemäß der Netflix-Verträge ist für die Verwendung synthetischer Stimmen zwar eine gesonderte Zustimmung erforderlich. Netflix könnte sich jedoch darauf berufen, dass die Aufnahmen technisch nur als Validierungsreferenz diene und nicht in den Erzeugungsprozess einfließe. "So ließe sich der Zustimmungsvorbehalt umgehen, ohne den Vertragswortlaut zu verletzen", heißt es vom VDS. Die Schutzklausel greife dann nicht, wo sie am dringendsten wäre.
Das will der VDS erreichen
Bislang habe Netflix lediglich informelle Gespräche in Aussicht mit dem VDS gestellt, heißt es vom Verband. Konkrete Termine oder strukturierte Verhandlungen seien jedoch bisher nicht angeboten worden, bemängelt Lumpe die Situation im Austausch mit Golem. "Eine inhaltliche Annäherung in den zentralen Punkten, insbesondere beim Umgang mit KI und der Nutzung von Stimmen, ist derzeit nicht erkennbar", konstatiert Lumpe.
Zu dem Disput mit dem BFFS erklärte Lumpe: "Dass der BFFS sich unserer Auffassung nicht anschließt, verstehen wir. Er hat den Vertrag ja mitzuverantworten." Dass die Verbände hierzu unterschiedliche Auffassungen haben, mache deutlich, dass damit eine wichtige Weichenstellung getroffen werde.
"Unsere Adressatin ist Netflix, und deren Vorgehen lassen wir jetzt von offizieller Stelle auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen", heißt es von Lumpe. "Der VDS strebt eine klare und verbindliche Regelung für den Einsatz von KI in der Synchronbranche an. Diese soll technische Entwicklungen ermöglichen und gleichzeitig die Rechte der Betroffenen schützen", nennt Lumpe das Ziel des VDS auf Nachfrage von Golem.
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