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Streit um Apple-Provision: Epic verlangt Alternative zum App Store

Apple und der Fortnite-Entwickler Epic Games streiten in einem Prozess, der das App-Geschäft auf dem iPhone verändern könnte.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Der Prozess zwischen Apple und Epic Games hat begonnen.
Der Prozess zwischen Apple und Epic Games hat begonnen. (Bild: Dado Ruvic/Reuters)

Im am Montag eröffneten Prozess zwischen Apple und der Fortnite-Firma Epic Games geht es darum, wie Produkte innerhalb von Apps auf dem iPhone verkauft werden können. Der erste Prozesstag wurde von den Eröffnungsplädoyers und der Befragung von Epic-Chef Tim Sweeney ausgefüllt. Sweeney sagte unter anderem, Apples Regeln schadeten "jeder Facette" des Epic-Geschäfts. Er unterstütze das Recht Apples, ein System für In-App-Käufe anzubieten - aber es müsse auch Raum für Alternativen geben.

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Im Kreuzverhör wiesen Apples Anwälte Sweeney darauf hin, dass Epic kein Problem damit habe, zu identischen Konditionen auf Spielekonsolen wie Sonys Playstation oder Microsofts Xbox aktiv zu sein. Sweeney argumentierte mit unterschiedlichen Ausgangspositionen: Konsolen-Hardware gelte als ein Verlustgeschäft, bei dem Geld über Spiele verdient werden müsse. Das iPhone sei hingegen hochprofitabel.

Fortnite komme aktuell insgesamt auf 400 Millionen Spieler, sagte Sweeney. Die Apple-Anwälte betonten zugleich, dass die Konsolen für Epic eine viel wichtigere Geldquelle als das iPhone seien. So habe Fortnite auf der Playstation sechs Milliarden US-Dollar bis Ende 2020 eingespielt und 3,5 Milliarden US-Dollar auf der Xbox. Auf dem iPhone habe Epic hingegen 750 Millionen US-Dollar eingenommen.

Epics eigener App Store schreibe Verluste

Der eigene App Store von Epic sei unterdessen hunderte Millionen US-Dollar davon entfernt, profitabel zu sein, sagte Sweeney. Er rechne mit schwarzen Zahlen dort erst in drei oder vier Jahren.

Epic Games will digitale Güter in Fortnite direkt verkaufen und Apple keine Abgabe für Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Artikel zahlen. Apple verteidigt das aktuelle System, bei dem Apps nur über den App Store des Unternehmens geladen werden können und auch digitale Zusatzkäufe nur über den App Store möglich sind. Das sei unter anderem notwendig, um Nutzer vor Betrug und Softwarefehlern zu schützen.

Epic wollte den App Store umgehen

Der Streit entbrannte im August. Epic hielt sich nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe, dass virtuelle Güter in seinem populären Spiel Fortnite auf iPhones nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können. Dabei behält Apple 30 Prozent des Kaufpreises ein. Apple warf Fortnite daraufhin aus dem Store.

Epic-Anwältin Katherine Forrest verglich Apple deswegen mit einem Autobauer, der jedes Mal 30 Prozent vom Preis beim Auftanken haben wolle. Apple entgegnete, es seien in der Branche übliche Konditionen und die Investitionen in den Aufbau der Plattform rechtfertigten die Abgabe. Außerdem könnten Fortnite-Spieler digitale Inhalte oder die Spiel-Währung V-Bucks auch anderswo kaufen und auf dem iPhone nutzen - ohne dass dabei etwas an Apple abfiele.

Epic sieht unfairen Wettbewerb durch Apple

Epic wirft Apple in seiner Klage unfairen Wettbewerb vor - mit der Begründung, dass Apple ein Monopol beim App-Vertrieb auf dem iPhone habe. Apple entgegnet, dass man das iPhone nicht als eigenständigen Markt abgrenzen könne, sondern das Spielegeschäft auf verschiedenen Plattformen betrachten müsse.

Wessen Argumentation Richterin Yvonne Gonzalez Rogers in dieser Frage folgt, könnte ein entscheidender Faktor für den Ausgang des Verfahrens werden. Zugleich ist davon auszugehen, dass die unterlegene Partei in Berufung geht.

Eine weitere Schlüsselfrage ist, ob der App Store als Teil der iPhone-Nutzung zu betrachten ist, wie Apple argumentiert. Das iPhone-Unternehmen verweist unter anderem darauf, dass man bei einem zentralisierten App Store die Möglichkeit habe, alle Apps zu prüfen. Epic argumentiert, die App-Plattform müsse als ein separates Produkt gesehen werden. Schließlich lasse Apple auf seinen Mac-Computern seit jeher auch das Laden von Software aus anderen Quellen als dem hauseigenen App Store zu. Apple verweist darauf, dass die Sicherheitsanforderungen beim Smartphone höher seien.

Zum Prozessauftakt warf Epic-Anwältin Forrest Apple vor, das Unternehmen habe ein geschlossenes System rund um das iPhone aufgebaut, um Nutzer vom Wechsel auf Android-Smartphones abzuhalten. Apple-Anwältin Karen Dunn konterte, Epic verlange, dass das iPhone-Unternehmen unsichere und ungeprüfte Apps auf die Plattform lasse. Sie griff ebenfalls zu einem bildhaften Vergleich: Bei der Frage nach der Markt-Eingrenzung verhalte sich Epic wie ein Weinproduzent, der eine Wettbewerbsklage anstrenge, aber dabei den Weinhandel ausklammere.

EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb vor

Das Verfahren weist Parallelen zu den Ermittlungen der EU-Kommission auf, die Apple vergangene Woche unfairen Wettbewerb im App Store vorgeworfen hatte. Apple benachteilige andere Anbieter von Musikstreamingdiensten, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die Brüsseler Behörde sieht unter anderem ein Problem in der Regel, dass die Verkäufe von Abos in den Apps über Apples Zahlungsplattform abgewickelt werden müssen. Dabei behält das Unternehmen 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein. Spotify findet es unfair, dass für Apple als Plattform-Betreiber bei seinem eigenen Musikdienst wegen dieser Abgabe beim gleichen Abo-Preis mehr Geld übrig bleibe.

Auch im Brüsseler Fall argumentierte Apple, dass Nutzer die Abos ohne die Abgabe auf Spotifys Website erwerben und auf dem iPhone nutzen könnten. Die Kommission betrachtet - genauso wie Epic - das iPhone als eigenständigen Markt für den App-Vertrieb.

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Socke81 04. Mai 2021 / Themenstart

Präzedenzfälle gab es aber tatsächlich schon. Microsoft wurde dazu gezwungen eine Windows...

deisi 04. Mai 2021 / Themenstart

jain. Denn ein weiteres Unrecht gleicht das Erste nicht aus. Von mir aus sind als...

Boba_27 04. Mai 2021 / Themenstart

Teilweise hast Du recht. Allerdings enthält ein Smartphone wesentlich sensiblere Daten...

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