Abo
  • IT-Karriere:

Streit über Erklärvideo: Abgemahnter Youtuber fordert Bild.de heraus

David gegen Goliath: Der Youtuber Tobias Richter nimmt den juristischen Kampf mit Bild.de um die Adblockersperre auf. Er will weder eine Unterlassungserklärung abgeben, noch Abmahnkosten zahlen.

Artikel veröffentlicht am ,
Youtuber Tobias Richter lässt sich vom Axel-Springer-Verlag nicht einschüchtern.
Youtuber Tobias Richter lässt sich vom Axel-Springer-Verlag nicht einschüchtern. (Bild: youtube.com/Screenshot: Golem.de)

Im Streit über die Umgehung der Adblockersperre auf Bild.de gibt der abgemahnte Youtuber den Forderungen des Axel-Springer-Verlags nicht nach. In einem am Montag veröffentlichten Video sagte Tobias Richter, er werde auf Anraten seines Anwalts keine Unterlassungserklärung abgeben. Richter hatte auf seinem Youtube-Kanal Tobis Tricks ein Video veröffentlicht, in dem er erläuterte, wie sich die Mitte Oktober eingeführte Werbeblockersperre auf Bild.de umgehen lässt. Daraufhin war er von der Zeitung abgemahnt worden. Richter schreibt zudem als Autor für die Website Wintouch.de, ein Blog zu Windows Smartphones.

Stellenmarkt
  1. novacare GmbH, Bad Dürkheim
  2. KfW Bankengruppe, Berlin

In dem Schreiben vom 20. Oktober 2015 hatten die Anwälte von Bild.de von Richter verlangt "es künftig bei Meidung einer für jeden Fall der Zuwiderhandlung fälligen Vertragsstrafe in Höhe von 5.100 Euro zu unterlassen, im Internet Programmcodes zu verbreiten oder verbreiten zu lassen, die es ermöglichen sollen, die auf der Website www.bild.de verwendete Software zur Erkennung von Werbeblockern zu umgeben". Die Kanzlei Lubberger Lehment hatte Richter eine Frist bis zum 26. Oktober 2015 gesetzt.

Anwalt sieht keine Rechte von Bild.de verletzt

In seinem Video sagte Richter nun: "Natürlich wehren wir uns gegen diese Unterlassungserklärung und werden sie nicht unterschreiben." Zur Begründung sagte Richters Anwalt Niklas Haberkamm von der Kölner Kanzlei LHR: "Wir gehen aus mehreren Gründen davon aus, dass unser Mandant vorliegend keine Rechte der Bild GmbH & Co KG verletzt hat. Es liegt bereits keine Umgehung einer wirksamen technischen Maßnahme gemäß Paragraf 95a Urheberrechtsgesetz vor, weiterhin ist durch die behauptete Umgehung überhaupt kein relevantes urheberrechtliches Verwertungsrecht der Bild GmbH & Co. KG betroffen." Laut Haberkamm will Richter auch nicht die geforderten Abmahnkosten in Höhe von knapp 1.800 Euro zahlen.

Der besagte Paragraf 95a untersagt es, wirksame technische Maßnahmen zum Schutz urheberrechtlich geschützter Werke ohne Zustimmung des Rechteinhabers zu umgehen. Es gibt aber starke Zweifel von Juristen, ob dieser Paragraf im Falle der Werbeblockersperre anzuwenden ist. Das Landgericht Hamburg hat allerdings in einer einstweiligen Verfügung auf Basis dieses Paragrafen der Eyeo GmbH verboten, in einem Forum zu Adblock Plus die entsprechenden Filterbefehle zu verbreiten. Der IT-Fachanwalt Thomas Stadler schrieb dazu: "Man hätte sich mit der Frage befassen müssen, ob die Werbeblockersperre bei Bild.de überhaupt eine wirksame technische Maßnahme ist, die dem Schutz eines Werkes im Sinne des Urheberrechtsgesetzes dient." Darüber hinaus hätte man genau erläutern müssen, welche Verletzungshandlung im Sinne des entsprechenden Paragrafen 95a Abs. 3 konkret vorliege.

Wie es in dem Streit mit Richter weitergeht, ist unklar. Der Ball liegt jetzt wieder im Feld des Axel-Springer-Verlags. Möglich wäre beispielsweise eine Unterlassungsklage. Dann müsste ein Gericht entscheiden, ob die Ansprüche des Verlags gerechtfertigt sind. Sollte Richter das Video wieder online stellen, könnte Bild.de eine einstweilige Verfügung erwirken.

Nachtrag vom 27. Oktober 2015, 12:30 Uhr

Der Axel-Springer-Verlag wollte sich nicht zu dem konkreten Streit mit Richter äußern. Den bisherigen Statements in den Verfahren um die Werbeblockersperre und den Prozessen gegen Adblock Plus könne er nichts hinzufügen, sagte Verlagssprecher Manuel Adolphsen am Dienstag auf Nachfrage von Golem.de.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (Samsung 970 EVO PLus 1 TB für 204,90€ oder Samsung 860 EVO 1 TB für 135,90€)

KyleRiemen 02. Nov 2015

Tatsächlich, geht auch bei mir wieder. Anscheinend sind die Leute lieber abgewandert...

crazypsycho 30. Okt 2015

Strafe ist ja ok, aber es sollte keine Geldstrafe (bzw Schadensersatz) sein, welche auch...

crazypsycho 30. Okt 2015

Ok "falsch" ist nicht der richtige Ausdruck. Du versuchst durch Begriffe die mit etwas...

Bumskopp 30. Okt 2015

Hallo Peter.Meter2705 Dein Bezug auf die Minderheit ist in meinen Augen weit hergeholt...

crazypsycho 30. Okt 2015

Ups, was ein Buchstabe so alles ausmachen kann :-) Danke


Folgen Sie uns
       


Nintendo Switch Lite - Test

Die Nintendo Switch Lite sieht aus wie eine Switch, ist aber kompakter, leichter und damit gerade unterwegs eine sinnvolle Wahl - trotz einiger fehlender Funktionen.

Nintendo Switch Lite - Test Video aufrufen
Cyberangriffe: Attribution ist wie ein Indizienprozess
Cyberangriffe
Attribution ist wie ein Indizienprozess

Russland hat den Bundestag gehackt! China wollte die Bayer AG ausspionieren! Bei großen Hackerangriffen ist oft der Fingerzeig auf den mutmaßlichen Täter nicht weit. Knallharte Beweise dafür gibt es selten, Hinweise sind aber kaum zu vermeiden.
Von Anna Biselli

  1. Double Dragon APT41 soll für Staat und eigenen Geldbeutel hacken
  2. Internet of Things Neue Angriffe der Hackergruppe Fancy Bear
  3. IT-Security Hoodie-Klischeebilder sollen durch Wettbewerb verschwinden

Rohstoffe: Lithium aus dem heißen Untergrund
Rohstoffe
Lithium aus dem heißen Untergrund

Liefern Geothermiekraftwerke in Südwestdeutschland bald nicht nur Strom und Wärme, sondern auch einen wichtigen Rohstoff für die Akkus von Smartphones, Tablets und Elektroautos? Das Thermalwasser hat einen so hohen Gehalt an Lithium, dass sich ein Abbau lohnen könnte. Doch es gibt auch Gegner.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Wasserkraft Strom aus dem Strom
  2. Energie Wie Mikroben Methan mit Windstrom produzieren
  3. Erneuerbare Energien Die Energiewende braucht Wasserstoff

Gemini Man: Überflüssiges Klonexperiment
Gemini Man
Überflüssiges Klonexperiment

Am 3. Oktober kommt mit Gemini Man ein ambitioniertes Projekt in die deutschen Kinos: Mit HFR-Projektion in 60 Bildern pro Sekunde und Will Smith, der gegen sein digital verjüngtes Ebenbild kämpft, betreibt der Actionfilm technisch viel Aufwand. Das Seherlebnis ist jedoch bestenfalls komisch.
Von Daniel Pook

  1. Filmkritik Apollo 11 Echte Mondlandung als packende Kinozeitreise

    •  /