Street Fighter 5 im Test: Prügel im Basispaket

Street Fighter 5 startet mit einem Tutorial - und das benötigt gerade nur ein paar Minuten, um auch absolute Einsteiger mit der grundsätzlichen Bedienung der aktuellen Ausgabe des Kampfsportklassikers vertraut zu machen. Zwei Tasten für die leichten Tritte und Schläge, zwei für die mittleren, zwei für die starken: Mehr braucht es nicht, damit sich Spieler mit einigermaßen großen Erfolgsaussichten in die ersten Duelle stürzen können.

Etwas später kommen das Blocken und Abwehren dazu sowie der Einbau von Sprüngen und das Wegducken. Außerdem gibt es je nach Charakter besondere Fähigkeiten, Konter und einen Superangriff, für die die "V-Gauge"-Anzeige unten am Bildschirm relevant ist. Sie wird durch erfolgreiche Aktionen aufgeladen und kann dann für die Spezialattacken genutzt werden.
Nach der Einführung geht es in die Modi-Auswahl - und die wirkt auf den ersten Blick durchaus vielseitig. Im Storymodus können die Geschichten der 16 zum Start verfügbaren Kämpfer ausgewählt, im VS-Modus ein Spiel gegen den Freund angetreten werden. Zudem gibt es Herausforderungen, den Survivalmodus, in dem nach und nach ein neuer Kontrahent wartet, und die Trainingsoption, um jeden einzelnen Charakter von Grund auf kennenzulernen.
Äußerst umfangreich in Street Fighter 5 sind zudem die Onlineoptionen: Im Capcom Fighters Network kann der Spieler nach passenden Rivalen suchen und sich Replays und Ranglisten anschauen. Zudem kann man dort eine eigene Kampflounge einrichten, in die dann Kämpfer eingeladen werden. Wer will, startet aber auch einfach nur ein Freundschaftsmatch. Nett: Capcom(öffnet im neuen Fenster) ermöglicht Duelle zwischen Playstation-4- und PC-Spielern. Zum Testzeitpunkt waren allerdings viele Onlineoptionen noch nicht verfügbar, eine abschließende Bewertung können wir hier noch nicht vornehmen.
Die 16 zum Start verfügbaren Charaktere sind ein Mix aus altbekannten, aber auch vier neuen Kämpfern, wobei auch bei den aus den früheren Jahren vertrauten Recken wie Ryu, Vega, Alex oder Chun-Li Veränderungen vorgenommen wurden. Die Charaktermodelle wurden deutlich überarbeitet, der Cartoon-Look in Kombination mit den Körper- und Charaktereigenschaften sorgt für einige großartige, aber manchmal auch zu überzeichnete Momente.
Während die einleitenden Szenen oft durch unspektakuläre Comic-Standbilder mit englischer Sprachausgabe abgebildet werden, ist die Optik bei den Kämpfen mehr als ansehnlich: Gelungene und schnelle Animationen bestimmen das Kampfgeschehen, einzig bei den finalen Attacken kam es im Test zu einzelnen Rucklern.
Auch die Hintergründe, die Szenen überall in der Welt von Brasilien über China bis Russland abbilden, haben sehenswerte Details zu bieten, für die es sich lohnt, auch mal einem Freund beim Kampf zuzuschauen. Anders bleibt kaum Zeit und Muße, tanzende Bären, grinsende Passanten oder vorbeifahrende Busse wahrzunehmen.
Inhalte und Fazit
Während Capcom in der Vergangenheit oft immer wieder neue Versionen oder Ultra-, Arcade- und weitere Editionen der einzelnen Street-Fighter-Titel herausgebracht hat, soll Street Fighter 5 eine gesamte Konsolengeneration überdauern. Sicherstellen will man das durch einen kontinuierlichen Fluss neuer Inhalte. So soll es regelmäßig weitere Kämpfer, Outfits und Modi-Updates geben.

Der Großteil davon soll kostenlos durch das Erspielen von Erfolgen verfügbar sein, allerdings wird es wohl möglich sein, durch den Einsatz von Echtgeld schneller an bestimmte DLC-Inhalte zu gelangen. So löblich die langfristige Unterstützung des Spiels ist, hinterlässt sie doch beim jetzt verfügbaren Launch-Paket einen etwas faden Eindruck. Der Ingame-Store ist noch nicht abrufbar und folgt wohl im März, die ersten zusätzlichen Charaktere wie Alex aus Street Fighter 3 folgen ebenfalls in ein paar Wochen.
Auch größere und wichtige Inhalte wie ein Cinematic Story Expansion Pack sollen erst im Sommer 2016 verfügbar sein. Vor allem Solospieler dürften so den Wunsch nach deutlich mehr Inhalt verspüren - und das Gefühl bekommen, dass sie zunächst mit einem recht rudimentären Grundgerüst abgespeist werden.
Street Fighter 5 ist ab dem 16. Februar 2016 für Playstation 4 und Windows-PC verfügbar und kostet etwa 50 Euro (PC) beziehungsweise 60 Euro (Playstation 4). Eine Version für die Xbox One soll es laut Hersteller ausdrücklich nicht geben. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.
Fazit
Einfach zu bedienen, leicht zugänglich, perfekt zu steuern: Street Fighter 5 ermöglicht es auch Einsteigern, schon nach wenigen Minuten die ersten Kontrahenten nach Lehrbuch-Art zu vermöbeln. Dank der schönen Animationen, ansehnlichen Charaktere und Hintergrundszenerien voller Details spielt sich das Prügelspiel nicht nur hervorragend, sondern sieht auch beeindruckend gut aus.
Was Neulinge freut, dürfte manch alten Street-Fighter-Haudegen allerdings stören: Die Eintrittsschwelle ist so niedrig gewählt, dass erfahrene Kämpfer etwas Tiefe vermissen und zumindest am Solomodus kaum Gefallen finden werden - zu einfach können sie sich durch die ersten Kämpfe prügeln. Vor allem aber ist der Umfang für Einzelspieler sehr eingeschränkt: Die Hintergrundgeschichten lassen sich in kürzester Zeit hintereinander durchspielen.
Street Fighter 5 erweckt so stellenweise den Eindruck eines noch nicht gut gefüllten Basispakets. So löblich das Versprechen von Capcom ist, über die gesamte Konsolengeneration hinweg neue Inhalte zu liefern, so leer fühlt sich der Titel nun teilweise zum Start an. Das Grundgerüst für einen hervorragenden Prügler steht. Aber wer nicht nur in Onlinematches, sondern auch alleine kämpfen will, sollte vielleicht noch ein paar Monate warten, bis klar ist, wie schnell Capcom tatsächlich die versprochenen Zusatzinhalte nachliefert.



