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Streamingabos mit Werbung im Vergleich: Disney+ ist besser als Netflix

Netflix und Disney bieten Werbeabos an, die einander auf den ersten Blick ähneln. Tatsächlich schneidet Disney+ besser ab.
/ Ingo Pakalski
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Disney+ und Netflix: Zwei Werbeabos mit vielen Unterschieden. (Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect)
Disney+ und Netflix: Zwei Werbeabos mit vielen Unterschieden. Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect

Nach Netflix hat Disney am 1. November 2023 ein werbefinanziertes Abo von Disney+ in Deutschland gestartet. Hierbei macht Disney fast alles besser als Netflix. Einer der größten Nachteile des Netflix-Werbeabos ist weiterhin, dass Inhalte fehlen , die es in den Netflix-Abos ohne Werbung gibt.

Hier schneidet Disney+ im Vergleich deutlich besser ab: Wer sich auf ein Abo mit Werbung einlässt, erhält den gleichen Umfang an Filmen und Serien wie die Abonnenten mit einen werbefreien Tarif. Anders als bei Netflix sind Disney+-Abonnenten nicht gezwungen, ein werbefreies Abo zu buchen, um auf den gesamten Katalog zugreifen zu können.

Für Netflix-Kunden hat sich die Situation nochmals verschlechtert, seit Netflix für Neukunden nur noch zwei statt drei werbefreie Abos anbietet . Wer den gesamten Netflix-Katalog haben will, bezahlt seither mehr. Weiterhin informiert die Tariftabelle von Netflix nicht(öffnet im neuen Fenster) darüber, dass der Katalog im Werbeabo eingeschränkt ist. Diese Information ist nur versteckt zu finden.

Netflix lässt Abonnenten im Unklaren

Von Netflix selbst gibt es vor der Buchung des Werbeabos keine Informationen darüber, welche Inhalte fehlen. Werstreamt.es(öffnet im neuen Fenster) hat sich die Mühe gemacht und liefert eine aktuelle Übersicht. Außerdem fehlen sogar Netflix-Originals im Werbeabo. Wer es bucht, um House of Cards, Queen of the South oder Vikings zu sehen, wird enttäuscht, weil er in ein teureres Abo wechseln müsste.

Netflix macht es der Kundschaft besonders schwer herauszufinden, ob das Werbeabo auf den eigenen Geräten genutzt werden kann. Auf der Buchungsseite sind keine Informationen zu finden, obwohl es eine passende Hilfeseite(öffnet im neuen Fenster) gibt, die allerdings nicht verlinkt wird.

Zum Start im November 2022 gehörten alle Modelle des Apple TV, des Chromecast und der Playstation 3 zu den Geräten, auf denen das Netflix-Werbeabo nicht genutzt werden kann. Mittlerweile wird Apple TV ab den Modellen mit TVOS unterstützt.

Inzwischen werden auch nicht näher spezifizierte Smart-TV-Geräte und Blu-ray-Player genannt, auf denen das Netflix-Werbeabo nicht nutzbar ist. Details bleibt Netflix schuldig. Zum Chromecast gibt es keinen gesonderten Eintrag, so dass unklar ist, ob dieser mittlerweile mit dem Werbeabo nutzbar ist.

Werbeabos nicht auf allen Geräten nutzbar

Auch bei Disney gibt es Einschränkungen bei den Geräten, auf denen das Werbeabo nutzbar ist. Waren anfangs alle Roku-Geräte ausgeschlossen , werden jetzt einige Modelle doch unterstützt. Dazu zählen Roku Express, Express 4K sowie der Streaming Stick 4K. Die Roku-Streambar sowie Smart-TVs mit Rokus Betriebssystem werden nicht unterstützt.

Auch Kunden von Disney+ werden derzeit schlecht informiert. Auf der Homepage von Disney+ wird an der Stelle der unterstützten Geräte nur allgemein auf den Hilfebereich zu Disney+ verlinkt. Kunden müssen dann selbst nach passenden Informationen suchen, die allerdings wohl noch fehlen. Eine Suche mit dem Begriff Werbung zeigte keine Hilfeartikel, die auf Unterschiede bei der Geräteunterstützung des Werbeabos hinweisen.

Möglicherweise reicht Disney diese Informationen noch nach. Bei Netflix besteht wenig Hoffnung. Das Unternehmen hatte dafür fast ein Jahr Zeit, hat aber bisher nichts getan.

Es gibt weitere Unterschiede, denn Disney und Netflix gestalten die Werbeschaltungen jeweils anders.

Spielfilme bei Disney+ ohne Werbeunterbrechungen

Netflix unterscheidet bezüglich der Werbeunterbrechungen nicht zwischen Filmen und Serien, beide Formate werden von Werbung unterbrochen. Es wird eine maximale Werbedauer von vier Minuten pro Stunde versprochen. Da dies ein Durchschnittswert ist, können es auch mal mehr Minuten sein. Bei Disney+ sind die maximalen vier Minuten Werbung pro Stunde kein Durchschnittswert.

Zumindest bei "kürzlich veröffentlichten Filmen" zeigt Netflix Werbung nur am Anfang. Während des Films finden keine Werbeunterbrechungen statt. Netflix macht keine Angaben, wie lange das gilt. Unklar ist auch, was Netflix mit der Formulierung "kürzlich veröffentlicht" meint. Somit ist nicht klar, ob dies für alle Spielfilme gilt, die in das Abo von Netflix aufgenommen wurden oder nur für Produktionen, die es das erste Mal bei Netflix gibt.

Deutlich transparenter ist Disney+: Im Werbeabo werden alle Spielfilme im Katalog nicht durch Werbung unterbrochen. Nur am Anfang eines Spielfilms werden Werbeclips gesendet, die auf zwei Clips sowie eine Dauer von einer Minute beschränkt sind. Umgekehrt macht Netflix keine Angaben, wie lang Werbung vor einem Spielfilm dauert, der ansonsten nicht durch Werbung unterbrochen wird.

Zum Start war das Werbeabo von Netflix unattraktiver

Sowohl bei Disney als auch bei Netflix haben die Werbeabos keine Download-Funktionen. Wer sie zum Beispiel nur auf Reisen benötigt, kann im Jahresurlaub in das werbefreie Standardabo wechseln und dann einen Monat auch Downloads nutzen. Bei Disney+ beträgt der Preisaufschlag dafür drei Euro pro Monat. Bei Netflix kostet der Preisaufschlag für den Wechsel zum Standardabo acht Euro.

Offen ist auch, ob Netflix endlich die technischen Probleme im Zusammenhang der Werbeausspielungen behoben hat (g+) , die wir vier Monate nach dem Start des Werbeabos bemängelten.

Inzwischen hat Netflix das eigene Werbeabo zwar aufgewertet, es zeigt Inhalte in Full-HD-Auflösung und erlaubt zwei parallele Streams. Vergleichen wir aber, wie Netflix mit seinem Werbeabo auf den Markt gekommen ist und wie es Disney gemacht hat, liegt Disney+ klar vorn: Zur Markteinführung gab es bei Netflix nur HD-Auflösung, parallele Streams gab es nicht. Beides ist beim Werbeabo von Disney+ direkt zum Start verfügbar.

Pläne zu Werbeabos bei der Konkurrenz

Anfang 2024 will Amazon Prime Video nur noch mit weiterer Werbung anbieten. Wer Prime Video weiterhin mit weniger Werbung sehen möchte, zahlt dafür eine Zusatzgebühr.

Wie hoch die in Deutschland sein wird, ist nicht bekannt. In den USA kostet das monatlich 2,99 US-Dollar mehr. Paramount hat kürzlich in weiteren Ländern ein werbefinanziertes Abomodell von Paramount+ gestartet. Ob ein werbefinanziertes Abo von Paramount+ auch nach Deutschland kommen wird, ist nicht bekannt.


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