Streaming-Verträge: Youtube-Sperre von Indies "eine Frage von Tagen"
Der Ton in der Auseinandersetzung zwischen Youtube und Indie-Labels verschärft sich. So sagte Youtube-Vize Robert Kyncl der Financial Times(öffnet im neuen Fenster), dass die Sperre mancher Videos nur noch "eine Frage von Tagen" sei. Kyncl ist bei Youtube für Geschäftsbeziehungen zu anderen Firmen und alle lizensierte Inhalte zuständig, zuvor kümmerte er sich bei Netflix unter anderem um den Einkauf von Rechten an Filmen und Fernsehsendungen.
Mit der vagen Zeitangabe spielt der Manager offenbar auf den 25. Juni 2014 an. An diesem Datum soll nach unbestätigten Berichten aus der Musikbranche Youtube seinen neuen Streaming-Service vorstellen, der werbefrei auf verschiedenen Geräten genutzt werden kann. Die Videos sollen dabei auch offline genutzt werden können, ganz so, wie es beispielsweise Spotify und andere Dienste schon anbieten.
Für dieses Angebot hat Youtube laut Kyncl bereits "mit 95 Prozent des Musikmarktes" Lizenzverträge abgeschlossen, wie die Financial Times berichtet. "Wir bezahlen fair und im Rahmen des Branchenüblichen", sagte der Youtube-Vize weiter.
Missbrauch der Marktmacht?
Dem widersprechen jedoch vor allem Verbände von Indie-Labels deutlich. So nannten der Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) und das Worldwide Independent Network (WIN) Anfang Juni 2014 die neuen Youtube-Verträge "äußerst ungünstig und nicht verhandelbar". Die Vergütung liege unter den Preisen, die andere Streaming-Dienste wie beispielsweise Spotify zahlen. Zusammen mit den US-Verbänden Featured Artists Coalition (FAC) und Impala haben sich deswegen VUT und WIN bei der EU-Kommission über Youtube beschwert. Das Unternehmen nutze seine große Reichweite, um Indie-Label zu benachteiligen, so der Vorwurf.
Die Musikunternehmen, welche die neuen Verträge mit Youtube mit unterzeichnen wollen, sehen sich nicht nur durch ihr Fehlen beim Abomodell gefährdet. Offenbar sollen ihre Inhalte auch im kostenlosen Angebot von Youtube nicht mehr zugänglich sein. Dazu zitiert die Financial Times den namentlich nicht genannten Chef eines großen Labels, der sagt, durch die neuen Verträge würde vor allem der Gratis-Zugang zu Youtube mit mehr Videos aufgewertet.
Das mache dieses Angebot so attraktiv, dass andere Dienste wie Spotify oder Deezer das Nachsehen haben könnten. Vor allem mit Spotify arbeiten viele Indies schon lange eng zusammen, so dass wohl die pro Abruf gezahlten Lizenzgebühren in der Summe geringer werden könnten, wenn Nutzer das größere Angebot von Youtube bevorzugen.
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