Streaming: Texas verklagt Netflix wegen Datensammeln und Täuschung
Die Staatsanwaltschaft von Texas hat Klage gegen Netflix eingereicht. Darin wirft sie dem Streamingdienst vor, massenhaft Daten erfasst und damit gehandelt zu haben, während die Öffentlichkeit getäuscht worden sei. Netflix habe sich stattdessen immer als datenschutzfreundlichere Alternative zu Konkurrenten dargestellt, so die Klageschrift (PDF(öffnet im neuen Fenster)).
Der Klageschrift zufolge betonte der damalige CEO und Gründer von Netflix, Reed Hastings, mehrfach, dass Netflix keine Daten sammle und weiterverkaufe. Stattdessen sei das Unternehmen eine "isolierte Dateninsel". Auch kaufe man keine Daten zu den Nutzern.
Die Staatsanwaltschaft Texas wirft Netflix einen Bruch des Datenschutzversprechens vor. Im Hintergrund soll der Streamingdienst im Gegenteil sogar ein effektives Daten-Logging-System aufgebaut und mit den Nutzerdaten gehandelt haben. Laut der Klage sammelt Netflix am Tag 5 Petabyte an Nutzerdaten.
Millionen Events werden pro Sekunde aufgezeichnet
Pro Sekunde sollen über 10 Millionen sogenannter Events aufgezeichnet werden. Diese beinhalten Klicks, aber auch Aktionen wie Zurückspulen oder das Pausieren von Inhalten. Netflix soll der Staatsanwaltschaft zufolge mit großen Datenbrokern zusammenarbeiten und die gesammelten Daten mit externen kombinieren, um Nutzer präziser zu analysieren.
Einen Mitarbeiter zitiert die Staatsanwaltschaft damit, dass Netflix eigentlich ein Daten-Logging-Unternehmen sei, das gelegentlich Filme streame. Auch bei den Kinderprofilen, die Netflix als isolierte Bereiche beworben habe, würden die Nutzeraktionen aufgezeichnet.
Netflix brach der texanischen Staatsanwaltschaft zufolge auch sein Versprechen, niemals Werbung zu schalten. Seit 2022 gibt es ein werbeunterstütztes Abo. Bis mindestens 2020 sollen Hastings und andere Netflix-Manager von Werbefreiheit gesprochen haben.
Netflix soll Dark Patterns verwenden
Ein weiterer Vorwurf der Anklage betrifft suchtfördernde Designs der Nutzeroberfläche, sogenannte Dark Patterns. So habe Netflix offensiv Binge-Watching beworben, also das Schauen zahlreicher Inhalte hintereinander. Durch die standardmäßig aktivierte Autoplayfunktion werde dieses Verhalten unterstützt. Auch in Kinderkonten ist sie aktiviert.
Die Staatsanwaltschaft von Texas verlangt von Netflix unter anderem, 10.000 US-Dollar Strafe pro Verstoß zu zahlen. Außerdem sollen die Daten aller Texaner gelöscht werden. Die Autoplay-Funktion in Kinderprofilen soll standardmäßig deaktiviert sein. Nutzerdaten sollen zudem ohne ausdrückliche Zustimmung nicht mehr für gezielte Werbung verwendet werden.
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



