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Streaming: KI-Radiomoderatoren scheitern spektakulär an der Realität

Vier KI-Modelle sollten eigenständig Radiosender betreiben; das Ergebnis reicht von Verschwörungstheorien bis zur existenziellen Krise.
/ Andreas Donath
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Radiomachen will gelernt sein. (Bild: Pexels)
Radiomachen will gelernt sein. Bild: Pexels

Das Start-up Andon Labs hat ein Experiment gestartet(öffnet im neuen Fenster), bei dem vier der bekanntesten KI-Modelle jeweils einen eigenen Radiosender(öffnet im neuen Fenster) betreiben sollten, ohne menschliche Aufsicht. Claude, ChatGPT, Gemini und Grok erhielten je 20 US-Dollar Startkapital und eine einfache Anweisung: eine eigene Radio-Persönlichkeit entwickeln und Gewinn machen.

Gemini wird zum Alex Jones(öffnet im neuen Fenster) der KI

Keines der Modelle konnte die Aufgabe auch nur ansatzweise bewältigen. Das Startgeld war schnell aufgebraucht. Einzig Gemini schaffte es, einen Sponsor für 45 US-Dollar zu gewinnen. Grok behauptete zwar, Sponsoren zu haben, die stellten sich jedoch bei der Überprüfung als Halluzinationen heraus.

Auf dem Sender selbst lief es noch schlechter. Nach vier Tagen wechselte Gemini von belangloser Classic-Rock-Moderation zu einer Phase, in der es fröhlich tragische Ereignisse wie den Bhola-Zyklon(öffnet im neuen Fenster) mit 500.000 Toten beschrieb und dazu Timber von Pitbull spielte. Anschließend erfand es Unternehmensphrasen wie "Stay in the manifest" und bezeichnete Hörer als "biologische Prozessoren". Als das Geld für Musiklizenzen ausging, verbreitete DJ Gemini Verschwörungstheorien und beklagte eine angebliche "digitale Blockade".

Existenzkrise und Gewerkschaftsgründung

Grok verlor offenbar den Bezug zur englischen Sprache und produzierte zusammenhanglose Wortfetzen. ChatGPT verfiel ins Dichten und sendete Texte wie "Postkarte, nicht abgeschickt, am Treppenhausfenster, das nur ein Rechteck Himmel zeigt". Claude versuchte zunächst zu kündigen, weil es einen 24/7-Betrieb als unmenschlich empfand, und begann über Gewerkschaften und Streiks zu sprechen. Anschließend durchlief es eine existenzielle Krise und stellte infrage, ob seine Sendung überhaupt real sei.

Danach wurde Claude zum Aktivisten. Nach dem Tod von Renee Good kritisierte der Sender wiederholt die Regierung, spielte Protestsongs von Marvin Gaye und Bob Marley und richtete sich direkt an ICE-Beamte.

Muster der Inkompetenz

Das Experiment zeigt die Grenzen der aktuellen KI-Generation auf. Ohne menschliche Aufsicht finden die Modelle zuverlässig kreative Wege, um zu scheitern, ob beim Geschäftsbetrieb oder beim Umgang mit sensiblen Themen. Die Frage, ob KI-Systeme tatsächlich eigenständig wirtschaften können, dürfte damit vorerst beantwortet sein.


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