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Stream Desktop Ultimate im Test: Cherrys enttäuschender Logitech-Herausforderer

Bei einer modernen Tastatur oder Maus kommt es nicht nur auf die Hardware an, sondern auch auf die Software. Hier versagt Cherry auf ganzer Linie.
/ Ingo Pakalski
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Das Set Stream Desktop Ultimate im Test (Bild: Cherry)
Das Set Stream Desktop Ultimate im Test Bild: Cherry

Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass Cherrys Oberklasse-Tastatur-Maus-Set Stream Desktop Ultimate eine würdige Alternative für Logitech-Produkte sein könnte. Im Test wurden wir allerdings maßlos enttäuscht – auch, weil Cherry bei der Software der Konkurrenz hinterherhinkt.

Die Tastatur Stream Keyboard Ultimate ähnelt Logitechs MX Keys S. Beide Modelle nutzen einen Akku und haben hintergrundbeleuchtete Tasten. Auffällige Unterschiede gibt es bei der Tastenbelegung. Logitech nutzt vor allem die Funktionstasten parallel auch als Sondertasten, bei Cherry gibt es eine separate Sondertastenreihe.

Prinzipiell gefällt uns der Ansatz von Cherry besser, wir können Spezialfunktionen schneller erreichen, weil keine Sondertaste gedrückt werden muss. Dennoch hat die Cherry-Tastatur zu wenige Spezialtasten; es fehlen Titelsprungtasten für die Wiedergabesteuerung, Tasten für die Displayhelligkeit und eine Mikrofontaste.

Cherrys Tastenbeleuchtung mit Licht und Schatten

Mit dem Cherry-Produkt lässt sich somit weniger direkt steuern als bei der Konkurrenz. Aus dem Grund punktet die Umsetzung von Logitech am Ende doch wieder, weil wir den Computer damit effizienter und komfortabler steuern können.

Auf der MX Keys S sind die Tasten schwierig zu erkennen, wenn sie nicht beleuchtet sind. Das bekommt Cherry besser hin, die Beschriftungen sind auch ohne Beleuchtung immer gut und deutlich zu erkennen. Dafür schaltet sich bei Logitech die Tastenbeleuchtung ein, sobald wir nur die Hände über der Tastatur bewegen. Das fehlt beim Cherry-Modell, hier schaltet sich die Beleuchtung erst an, wenn wir eine Taste betätigen.

Ebenfalls dem Logitech-Modell vorbehalten: eine automatische Helligkeitsregelung. Ansonsten können wir die Helligkeit der Tastenbeleuchtung auf beiden Modellen per Tastendruck anpassen. Bei der MX Keys S bleibt die Automatik aktiv.

Zudem können wir bei der Logitech-Tastatur einstellen, wann sich die Beleuchtung bei Nichtnutzung abschaltet. Bei Cherry wird das Licht nach einer Minute Nichtnutzung ausgeschaltet.

Gutes Tippgefühl auf der Stream Keyboard Ultimate

Die Stream Keyboard Ultimate lässt sich hinten hochstellen, möglich sind drei Aufstellwinkel. Es tippt sich angenehm auf der Tastatur, der Druckpunkt ist ausgeprägt und das Tippen angenehm leise. Im direkten Vergleich gefällt uns das Tippgefühl auf der Logitech-Tastatur besser, das ist aber Geschmackssache.

Die Cherry-Tastatur lässt sich kabellos mit einer eigenen Funktechnik verwenden. Zu dem Zweck liegt ein einzelner USB-A-Dongle bei, über den auch die Mausverbindung erfolgt. Ergänzend wird Bluetooth geboten; hier sind bis zu zwei Geräte möglich, um sich nicht neu verbinden zu müssen.

Andere Umsetzung der Drahtlostechnik

Bequem können wir direkt zwischen bis zu drei Geräten umschalten. Es hat den Eindruck, als sei das so umgesetzt wie bei Logitech. Aber die Unterschiede liegen im Detail: Bei Logitech können wir frei entscheiden, welche der drei Funktasten für Bluetooth oder die herstellereigene Funktechnik verwendet wird. Wir können die Logitech-Produkte auch mit bis zu drei Bluetooth-Geräten koppeln, das funktioniert bei den Cherry-Produkten nicht.

Dafür punktet Cherry mit der Möglichkeit, Tastatur und Maus auch im Kabelbetrieb nutzen zu können. Allerdings wird nur ein dafür nötiges USB-Kabel mitgeliefert. Wer beide Produkte per Kabel verwenden möchte, muss ein Kabel aus dem eigenen Besitz verwenden oder noch eines kaufen. Für die Kabelnutzung genügt es nicht, das Kabel einfach einzustecken, der Modus muss zunächst aktiviert werden.

Das rote helle Licht stört

Was wir als störend empfunden haben: Auf der Cherry-Tastatur befinden sich zwei ständig rot leuchtende Status-LEDs, wenn wir den Ziffernblock für Zahleneingaben nutzen. Beide sind ungemein hell und stören beim Schreiben, auch wenn wir eigentlich nie auf die Tastatur schauen. Hier hätten es auch weniger hell leuchtende LEDs getan.

Die Tastatur soll mit einer Akkuladung fünf Monate verwendet werden können. Anders als bei Logitech gibt es bei Cherry keine Möglichkeit, sich den Ladestand des Akkus anzusehen.

Cherry-Software ist eine Enttäuschung

Der große Schwachpunkt des Cherry-Produkts ist die Software(öffnet im neuen Fenster), die es nur für Windows gibt. Die Tastenbelegung in der Software entspricht nicht dem, was auf der Tastatur zu sehen ist und in der Software werden neun Sondertasten angezeigt, es existieren aber nur acht. Angenehmerweise lassen sich auch Tastenkürzel und Makros zuweisen. In der Software können wir eine Mikrofonsteuerung aktivieren, müssen uns aber merken, welche Taste damit belegt wurde, weil eine passende Beschriftung fehlt.

Als wir die Tastatur eingerichtet haben, wurde ein Firmware-Update angeboten. Dafür mussten wir die Tastatur per Kabel mit dem Computer verbinden. Immerhin ist die Kabelverbindung nicht verpflichtend, wenn wir die Tastatur konfigurieren wollen. Im Vergleich erscheint die Cherry-Software trotzdem veraltet und rückständig. In Anbetracht des hohen Preises erwarten Kunden für ein Oberklassemodell mehr.

Insgesamt sind wir mit der Tastatur halbwegs zufrieden. Bei der Maus fragen wir uns allerdings, wer auf solche abstrusen Ideen gekommen ist.

Das sonderbare Mausrad am Cherry-Produkt

Die Stream Mouse Ultimate schneidet bereits bei den technischen Spezifikationen schlechter ab als Logitechs aktuelles Spitzenmodell, die MX Master 4. Die punktet mit einem Sensorbereich samt haptischer Rückmeldung und einem zweiten Mausrad. Cherry-Kunden erhalten lediglich eine Sieben-Tasten-Maus mit einem Mausrad. Das enttäuscht auf ganzer Linie.

Cherry bewirbt das Mausrad damit, dass dafür eine sogenannte Proscroll-Technik entwickelt worden sei, um das Verhalten des Mausrads anpassen zu können. Mittels einer Taste hinter dem Mausrad kann zwischen bis zu vier Profilen gewechselt werden. Leider fehlt eine Rückmeldung am Bildschirm, welcher Modus gerade aktiv ist. Nur an der Maus selbst wird der Modus mittels Blinkintervallen signalisiert – bei Profil vier blinkt die LED also viermal.

Unpraktisch im täglichen Gebrauch: Wir müssen stets alle vier Profile durchschalten. Wer von Profil eins auf Profil vier wechseln will, kann das nicht direkt tun, sondern muss die Taste immer entsprechend oft drücken.

Keine Alternative zu Logitechs Magspeed-Scrollrad

In einem Modus können wir ganz gut zwischen sehr schnellem Scrollen und langsamem Scrollen wechseln, ohne den Modus umschalten zu müssen. An die Eleganz und den Komfort eines Magspeed-Mausrads an den MX-Master-Modellen kommt das Ganze jedoch nicht heran.

Als überflüssig erachten wir die Möglichkeit, das Mausrad-Verhalten durch bis zu sechs Parameter einstellen zu können. Cherry prahlt mit 288 Millionen Möglichkeiten der Anpassung, Kunden sind damit aber überfordert. Die Mausrad-Modus-Taste kann nur dafür verwendet werden, eine dpi-Umschalttaste ist ebenfalls fest mit der Funktion verbunden.

Insgesamt liegt die Maus angenehm in der Hand, das Gehäuse ähnelt bezüglich der Bauform dem Logitech-Vorbild – die Maus ist nur für Rechtshänder gedacht. Die Tasten auf der Oberseite der Maus sind angenehm leise, die beiden gut erreichbaren Seitentasten sind vergleichsweise laut. Das ist auch bei der MX Master 4 so. Beide Hersteller werben mit sehr leisen Tasten, ohne zu erwähnen, dass das nicht für die Seitentasten gilt.

Die Maus kann mit dem Cherry-Dongle drahtlos verwendet werden. Bluetooth ist ebenfalls vorhanden, aber wie bei der Tastatur auf maximal zwei Geräte begrenzt. Zudem kann die Maus per Kabel verbunden werden. Wie bei der Tastatur müssen wir bei der Kabelnutzung immer daran denken, diesen Betriebsmodus manuell zu aktivieren. Es genügt nicht, das Kabel einzustecken.

Software-Situation noch enttäuschender als bei der Tastatur

Damit wir alle Parameter der Maus konfigurieren können, müssen wir zwei Software-Produkte installieren, die Keys-Software(öffnet im neuen Fenster) von der Tastatur und die Utility-Software(öffnet im neuen Fenster) nur für die Maus. Beides gibt es ausschließlich für Windows. Es ist nicht zeitgemäß, zur Konfiguration einer Maus zwei unterschiedliche Applikationen installieren zu müssen.

In der Keys-Software lassen sich ausschließlich die beiden Daumentasten sowie die Scrollradtaste anders belegen. Auch hier sind Tastenkürzel und Makros möglich. Die Tastenänderungen sind auch möglich, wenn wir die Maus im Drahtlosbetrieb verwenden.

Die Utility-Software zur Konfiguration des Mauszeigers und des Mausrads kann hingegen nur verwendet werden, wenn die Maus per Kabel mit dem Windows-Computer verbunden wird – weniger Komfort ist kaum denkbar. Wie gesagt, müssen wir zudem immer daran denken, manuell die Kabelverbindung an der Maus auszuwählen.

Wie bei der Tastatur fehlt eine Angabe zum Akkustand der Maus. Cherry nennt nicht einmal eine Akkulaufzeit für Stream Mouse Ultimate.

Verfügbarkeit und Fazit: Cherry Stream Desktop Ultimate

Cherrys Tastatur Stream Keyboard Ultimate(öffnet im neuen Fenster) kostet einzeln 120 Euro, für die Stream Mouse Ultimate(öffnet im neuen Fenster) werden 100 Euro verlangt. Das Set nennt sich Stream Desktop Ultimate(öffnet im neuen Fenster) und wird für 200 Euro angeboten.

Fazit

Im Premium-Segment für Tastaturen und Mäuse kann Cherry mit den neuen Stream-Ultimate-Produkten nicht mithalten. Auch wenn Maus und Tastatur von der Hardware her in den Basisfunktionen überzeugen, mangelt es beiden an Komfort. Vor allem die Umsetzung des Mausrads ist eine Zumutung.

Eine Enttäuschung ist die Softwareausstattung, sie ist ungenügend. Die Software weist zu viele Fehler auf und wir können oft zu wenig einstellen. Unverständlich, dass wir zwei Programme für die Mauskonfiguration benötigen brauchen und die eine Software dann nur per Kabel nutzbar ist – das ist nicht zeitgemäß.

Die Produkte von Logitech bieten insgesamt mehr Funktionen, einen größeren Komfort und eine bessere Softwareunterstützung. Auch wenn hier nicht alles perfekt ist, müssen Käufer nicht mit so vielen Kompromissen leben wie beim Cherry-Produkt.


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