• IT-Karriere:
  • Services:

Strategiepapier: NSA träumt von totaler Überwachung

Der US-Geheimdienst stellt sich in einem Strategiepapier ein hervorragendes Zeugnis aus. Doch die NSA will sich auf ihren Erfolgen nicht ausruhen und strebt rechtliche und technische Erleichterungen an.

Artikel veröffentlicht am ,
Zentrale des goldenen Überwachungszeitalters: NSA-Gebäude in Fort Meade
Zentrale des goldenen Überwachungszeitalters: NSA-Gebäude in Fort Meade (Bild: NSA/Reuters)

Der US-Militärgeheimdienst NSA hat im vergangenen Jahr in einem streng geheimen Papier den starken Ausbau seiner Spähbefugnisse und Analysefähigkeiten angestrebt. In dem fünfseitigen Dokument, das die New York Times online gestellt hat, skizziert die NSA die Herausforderungen und Ziele der technischen Überwachung (Signal Intelligence/Sigint) für die Zukunft. Darin wird die technische Überwachung als "DER entscheidende Vorteil" beim Voranbringen der US-Sicherheitsinteressen gesehen. Ein wichtiges Ziel in den Jahren 2012 bis 2016 soll darin bestehen, Verschlüsselungstechniken zu knacken. Mit "besserem Handwerkszeug und besserer Automatisierung" will die NSA die "Beherrschung des globalen Netzwerkes" ausweiten. Das Dokument vom 25. Februar 2012 stammt aus dem Fundus des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Stellenmarkt
  1. Diehl Metering GmbH, Ansbach
  2. AKKA, München

Die NSA lobt sich darin zunächst über den grünen Klee. Der Geheimdienst habe sich den Veränderungen durch die Digitalisierung in "innovativer und kreativer Weise" gestellt, was manchen dazu veranlasst habe, vom "goldenen Zeitalter" der Sigint zu sprechen. Dieser Ruf sei hart erkämpft gewesen, jedoch durch die technischen Entwicklungen bedroht. "Die Auslegungen und Richtlinien zur Anwendung unserer Befugnisse, in manchen Fällen sogar die Befugnisse selbst, haben mit der Komplexität der Technik und der Zielumgebungen oder den Erwartungen an die NSA nicht Schritt gehalten."

Die digitale Information habe sich seit 2006 verzehnfacht und im Jahr 2011 bereits 1,8 Millionen Terabyte erreicht. Cyberattacken seien in der Hand potenzieller Gegner ein Mittel, um die "überwältigende Überlegenheit der konventionellen US-Streitkräfte zu überwinden". Zwar könnten solche Angriffe nicht so viele Menschen töten wie ein Atomschlag, jedoch die amerikanische Gesellschaft in gleichem Maße lähmen.

NSA will Kryptoprodukte infiltrieren

Um ihre Ziele erreichen zu können, forderte die NSA Befugnisse, die "genauso anpassungsfähig und dynamisch wie die technischen und operativen Fortschritte sind, die wir ausnutzen wollen". Einen besonderen Fokus legt der Geheimdienst dabei auf seine kryptologischen Fähigkeiten, die angesichts der "entscheidenden kryptoanalytischen Herausforderungen" gestärkt werden müssten. Dazu zählen unter anderem "allgemein verbreitete, starke und kommerzielle Netzwerkverschlüsselung" sowie regionale Verschlüsselungsprogramme, deren industrielle Basis mit allen verfügbaren technischen und menschlichen Fähigkeiten (sprich: Agenten) angegriffen werden soll.

Zudem will die NSA den weltweiten Markt kommerzieller Verschlüsselungsprogramme durch Unternehmenspartnerschaften, eigene Spione und über befreundete Geheimdienste beeinflussen. Auch sollen Hochleistungscomputer dabei helfen, die Verschlüsselungsprogramme zu knacken. Indem sie die Cybersicherheit der Gegner besiegt, will die NSA Daten "von jedem, jederzeit und überall" gewinnen können.

NSA schwärmt von "hochwertigen Produkten"

Zwischenzeitlich liest sich das Papier wie ein Verkaufsprospekt. "Unsere Kunden und Interessensgruppen können sich darauf verlassen, dass wir pünktliche und hochwertige Produkte abliefern, weil wir nie aufhören, uns zu erneuern und zu verbessern, und weil wir nie aufgeben!" Und weiter: "Produkte und Dienstleistungen der NSA werden sich zu Formen und über Grenzen hinweg entwickeln, die die vernetzte und wendige Art widerspiegeln, in der die Menschen des Informationszeitalters untereinander agieren. Wir werden Information verantwortungsbewusst und sicher mit externen Partnern und Kunden austauschen." Wichtigste Kunden dürften weiterhin die US-Regierung und das US-Militär sein, zu den Partnern gehören auch befreundete Dienste wie der deutsche Bundesnachrichtendienst.

Eine "Kultur der Regelbefolgung" habe dem amerikanischen Volk ermöglicht, die NSA mit außerordentlichen Befugnissen auszustatten, heißt es in dem Dokument. Diese werde mit den aggressiven Forderungen nach neuen Befugnissen nicht beeinträchtigt. Ob die NSA die angestrebten Ziele nach den Enthüllungen Edward Snowdens noch erreichen kann, ist jedoch unklar. Gesetzesinitiativen wollen die Befugnisse der NSA eher einschränken, anstatt sie auszuweiten.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de

.02 Cents 27. Nov 2013

Die Formulierung ist vielleicht ein bischen Fragwuerdig, aber in den meisten Punkten muss...

Anonymer Nutzer 26. Nov 2013

Welche Ausrede werden sie diesmal für ihre Aktionen haben? "rechtliche und technische...

9life-Moderator 26. Nov 2013

Der Iran ist ja gerade dabei, eine "Antwort" zu formulieren....

Anonymer Nutzer 26. Nov 2013

....die nicht als Dschihad vermarktet wird. Da kann sich jeder Terrorlamist mal ein...

Elchinator 25. Nov 2013

Die neuesten Drohnen sind durchaus in der Lage, das "Problem" auch selbsttätig ohne ohne...


Folgen Sie uns
       


Golem.de baut das Makerphone zusammen (Zeitraffer)

Das Makerphone ist ein Handy zum Zusammenbauen. Kinder wie auch Erwachsene können so die Funktionsweise eines Mobiltelefons nachvollziehen.

Golem.de baut das Makerphone zusammen (Zeitraffer) Video aufrufen
Materiejets aus schwarzem Loch: Schneller als das Licht?
Materiejets aus schwarzem Loch
Schneller als das Licht?

Das schwarze Loch stößt Materie mit einer Geschwindigkeit aus, die wie Überlichtgeschwindigkeit aussieht.
Ein Bericht von Andreas Lutter

  1. Oumuamua Ein ganz normal merkwürdiger interstellarer Asteroid

Horror-Thriller Unsubscribe: Wie ein Zoom-Film die Nummer 1 an der Kinokasse wurde
Horror-Thriller Unsubscribe
Wie ein Zoom-Film die Nummer 1 an der Kinokasse wurde

Zwei US-Filmemacher haben mit Zoom den Horror-Film Unsubscribe gedreht. Sie landeten damit sogar an der Spitze der US-Box-Office-Charts. Zumindest für einen Tag.
Von Peter Osteried

  1. Film Wie sich Science-Fiction-Autoren das Jahr 2020 vorstellten
  2. Alien Im Weltall hört dich keiner schreien
  3. Terminator: Dark Fate Die einzig wahre Fortsetzung eines Klassikers?

Jobporträt IT-Produktmanager: Der Alleversteher
Jobporträt IT-Produktmanager
Der Alleversteher

Ein IT-Produktmanager ist vor allem Dolmetscher - zwischen Marketing, IT und anderen. Dabei muss er scheinbar unmöglich vereinbare Interessen zusammenbringen.
Von Peter Ilg

  1. Coronakrise Die goldenen Jahre für IT-Spezialisten sind erstmal vorbei
  2. Coronakrise Welche Hilfen IT-Freelancer bekommen
  3. IT-Chefs aus Indien Mehr als nur ein Klischee

    •  /