Straßenkraftwerk: Liegender Polizist erzeugt Strom bei Überfahrt

Das österreichische Start-up Road Energy Production Systems hat auf dem Gelände des Hamburger Hafens eine Anlage zur Stromerzeugung(öffnet im neuen Fenster) in Betrieb genommen, die sich in der Straßendecke befindet. Sie besteht aus hydraulischen Systemen, die bei Überfahrt eingedrückt werden und ihre Kraft an magnetische Lager abseits der Straße übertragen.
Der Strom, der mithilfe der sich bewegenden Magnetfelder(öffnet im neuen Fenster) erzeugt wird, wird zwischengespeichert und anschließend ins Stromnetz eingespeist. 16 Lkw sollen dabei ausreichen, um ein Kilowattstunde (kWh) Energie zu erzeugen.
Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens besonders schwerer Lastkraftwagen rechnet das Start-up damit, dass das erste System allein knapp 40.000 kWh im Jahr erzeugen kann. Weil im Hamburger Hafen bereits über 200 geeignete Standorte identifiziert worden seien, könnte die Jahresstromproduktion bei 10 Gigawattstunden oder 10 Millionen kWh liegen, dem Strombedarf einer Kleinstadt.
Geringer Aufwand, begrenzte Einsatzmöglichkeit
Überzeugen soll das Straßenkraftwerk durch den geringen Aufwand bei der Installation. Es muss lediglich 10 cm im Boden versenkt werden und laut Firmenangaben sind alle beweglichen Teile schnell und einfach austauschbar. Nach zehn Jahren soll sich eine solche Anlage spätestens amortisiert haben, was grob geschätzt 100.000 Euro Installations- und Betriebskosten entsprechen würde.
Geeignet sind allerdings nur Stellen, an denen möglichst schwere Fahrzeuge mit geringer Geschwindigkeit unterwegs sind. Das wären neben Kreuzungsbereichen zum Beispiel auch Autobahnabfahrten oder Mautstellen mit viel Güterverkehr.
Strom beim Bremsen
Im Grunde wird hier auf Umwegen die Bremsenergie in Strom umgewandelt. Ähnlich wie bei einem liegenden Polizisten, also einer Bremsschwelle auf der Fahrbahn, wird eine langsame Fahrt erzwungen, hier mit dem Nebeneffekt der Stromerzeugung. Laut Hersteller soll die Überfahrt aber auch mit bis zu 50 km/h problemlos möglich sein.
Laut des Start-ups sollen bereits 40 Häfen weltweit ihr Interesse an den Anlagen bekundet haben. Nur dort dürfte die Dichte an Lkw tatsächlich hoch genug sein, denn auch im Hamburger Hafen muss für die angegebene Stromausbeute jede Minute ein Lkw darüberrollen, 24 Stunden am Tag.
Nachtrag vom 10. Dezember 2025, 7:58 Uhr
Nach Hinweis durch den Hersteller wurde ergänzt, dass die Energieumwandlung erst nach hydraulischer Übertragung abseits der Straße stattfindet.



