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Strange New Worlds Staffel 2: Das beste Star Trek seit Jahrzehnten

Die Macher von Strange New Worlds setzen nach der sehr guten ersten Staffel noch eins drauf - und liefern Star Trek , wie es sich viele seit langem wünschen. Achtung, Spoiler!
/ Tobias Költzsch
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Anson Mount als Captain Pike in Strange New Worlds (Bild: Startrek.com)
Anson Mount als Captain Pike in Strange New Worlds Bild: Startrek.com

Achtung! Wir besprechen in dieser Rezension nicht nur Details aus der ersten Folge von Star Trek: Strange New Worlds, sondern auch Inhalte der ersten Staffel und anderer Star-Trek-Serien. Wer sich nicht spoilern lassen will, sollte ab hier nicht mehr weiterlesen.

Star Trek: Strange New Worlds ist mit einer zweiten Staffel zurück - und diese beginnt mit einem Knall. Noch nie zuvor saßen wir nach dem Schauen einer Folge Star Trek mit offenem Mund vor dem Fernseher: Aber die am heutigen 15. Juni 2023 bei Paramount+ gezeigte erste Folge bietet alles, was wir und wohl auch viele andere Star-Trek-Fans uns seit Jahren von dem Franchise wünschen.

Die Episode The Broken Circle bietet Spannung, ausreichende, aber nicht übertriebene Action, gute Dialoge und einen angenehmen Humor. Den guten ersten Eindruck, den die erste Staffel von Strange New Worlds bei uns hinterlassen hat, setzen die Macher mit der zweiten Staffel nicht nur fort: Sie übertreffen sich sogar noch, wie wir nach dem Schauen der ersten Folgen feststellen können.

Zweite Staffel schließt nahtlos an die erste an

Die Ereignisse vom Ende der ersten Staffel werden in der ersten Folge der zweiten direkt fortgeführt: Number One Una Chin-Riley, wieder gespielt von Rebecca Romijn, wurde verhaftet und soll angeklagt werden, weil sie genetisch modifiziert ist. Dieser Plot gibt die Richtung vor, wird von den Showrunnern um Akiva Goldsman und Alex Kurtzman aber um zahlreiche Finessen erweitert.

In der ersten Folge verzichten die Macher dabei fast komplett auf Captain Pike, der erneut von Anson Mount verkörpert wird. Stattdessen konzentriert sich die Episode auf Spock, gespielt von Ethan Peck, La'an Noonien-Singh, gespielt von Christina Chong, und die anderen Brückenmitglieder. Die hohe Qualität der Serie lässt sich unserer Meinung nach auch daran erkennen, dass das Ensemble hervorragend ohne den Captain funktioniert und großartige Unterhaltung mit zahlreichen guten Ideen bietet.

Anders als andere aktuelle Serien im Star-Trek-Universum schaffen es die Macher von Strange New Worlds auch im immer noch vorherrschenden Episodenformat, die Charaktere zu entwickeln. Dies ist direkt in der ersten Folge ersichtlich und erfolgt auf eine angenehm unaufdringliche Art und Weise. Anders als etwa bei Deep Space 9 führt die Charakterentwicklung nicht zu Plots, die im Nachhinein als langweilig bezeichnet werden könnten.

Kinoreifer Plot

Nachdem wir die erste Folge der zweiten Staffel Strange New Worlds gesehen hatten, kam uns ein Gedanke: Warum wurde dieser Plot nicht schon vor Jahrzehnten als Kinofilm veröffentlicht? Diese Überlegung ist als Kompliment für die Story gedacht, die uns an frühere Star-Trek-Filme erinnert.

Damit sind nicht die Storys der Filme gemeint, sondern die Art und Weise, wie in der Folge die Geschichte erzählt und vorangetrieben wird. Das Format abgeschlossener Episoden konnten die Macher von Strange New Worlds so weit ausreizen, dass uns die einstündigen Folgen tatsächlich wie kleine Kinofilme vorkommen. Dieses Gefühl hatten wir etwa bei The Next Generation nicht so häufig - es fühlte sich immer wie eine Serie an.

Der Humor erinnert uns wesentlich mehr an Star Trek aus den 1990er Jahren, und zwar in dem Sinne, dass er wesentlich unaufdringlicher ist und natürlicher wirkt. Sowohl bei Discovery als auch bei Picard hatten wir öfter das Gefühl, dass die Gags mit einem Vorschlaghammer in das Skript gehauen wurden. Dass das bei Strange New Worlds nicht so wirkt, liegt wohl auch an der guten Harmonie der Besatzung und Besetzung.

Bekannte Gesichter auf der Brücke

Auf der Brücke finden sich wieder die vertrauten Gesichter. Die Figuren haben unserer Meinung nach auch in der zweiten Staffel gut wiedererkennbare Charakterzüge, was man über die Besatzung anderer Star-Trek-Serien nicht sagen kann (Discovery!). Die Interaktionen wirken auf uns noch natürlicher als in der ersten Staffel von Strange New Worlds, was beim Zuschauen sehr angenehm ist.

Strange New Worlds kommt zugute, dass es in einem bekannten Setting spielt und nicht von der traditionellen Zeitlinie losgelöst ist wie etwa Discovery. Wir haben den Eindruck, dass das Storytelling daher bodenständig bleibt und sich nicht in Plots ergeht, die irgendwann auch der hartgesottenste Star-Trek-Fan unrealistisch finden wird.

Verpackt in die gute Unterhaltung ist glücklicherweise auch in der zweiten Staffel reichlich Fan-Service: Bekannte Plots werden eingebaut, oftmals verpassen die Serienmacher ihnen einen unerwarteten, interessanten Twist. Das führt aber auch dazu, dass gewisses Vorwissen oft hilfreich, wenn nicht sogar notwendig ist.

Bekanntes wird aus anderen Blickwinkeln betrachtet

In den Geschichten werden teilweise zentrale Aspekte des Star-Trek-Kanons aufgegriffen und auf sehr unterhaltsame und spannende Art und Weise weitergeführt. Andersherum heißt das aber auch: Wer überhaupt nicht weiß, worum es eigentlich in der Vorgeschichte geht, dürfte entsprechend Probleme haben, der Story zu folgen.

Negativ rechnen wir dies Strange New Worlds nicht an: Das Konzept, eine Star-Trek-Serie für Nicht-Trekkies zu machen, hat Paramount mit Discovery bereits ausprobiert - und ist unserer Meinung nach damit gescheitert. Auch bei Picard hat die dritte Staffel, in der Bekanntes wesentlich stärker aufgegriffen wird als zuvor, mit die besten Bewertungen. Star-Trek-Fans wollen Serien für Star-Trek-Fans - und Strange New Worlds ist definitiv eine Serie für Trekkies.

Am Ende stellt sich uns noch eine wichtige Frage: Läuft Strange New Worlds der Animationsserie Lower Decks bei uns den Rang als beste Serie für Trekkies ab? Wir tendieren zu einem Ja, sehen aber kein Problem darin, beide Serien sehr gut zu finden. Wir halten es aber für denkbar, dass Strange New Worlds aufgrund dessen, dass es sich um eine Live-Action-Serie handelt, mehr Fans anziehen könnte.

Das beste Star Trek seit Jahrzehnten

Wer Star Trek liebt, wird auch die zweite Staffel von Strange New Worlds lieben, da sind wir uns sicher. Selten haben wir Star-Trek-Serien oder Filme so über den Klee gelobt wie den Start der neuen Staffel von Strange New Worlds - und auch bei erneutem Darübernachdenken sind wir weiterhin begeistert von den neuen Folgen. Wir gehen sogar so weit, die Serie als das Beste zu bezeichnen, das wir seit Jahrzehnten von Star Trek gesehen haben.

Für Paramount sollte die Serie ein Hinweis darauf sein, wie moderne Star-Trek-Serien funktionieren können: Mit guten Geschichten, etwas Fan-Service, sehr guten Schauspielern und vor allem einem konsequenten Screenwriting, das Plots auf den Punkt bringt und gute Übergänge zwischen den Geschichten schafft.

Star Trek: Strange New Worlds läuft seit dem 15. Juni 2023 in Deutschland auf dem Streamingdienst Paramount+. Pro Woche wird eine einstündige Folge veröffentlicht, die zweite Staffel hat zehn Folgen.


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