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Polizei: Wenn Sexting zur Kinderpornografie wird

Der Straftatbestand Kinderpornografie umfasst auch Sexting unter Jugendlichen und betrifft ganze Schülerchats. Offenbar wissen viele gar nicht, wann sie strafbar handeln.

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Jugendliche mit Smartphone (Bild: Pixabay)

Die EU-Kommissarin Ylva Johansson und das Bundeskriminalamt konstatieren eine deutliche Zunahme von kinderpornografischen Inhalten im Internet. Die EU-Kommissarin fordert deswegen sogar eine umfassende Überwachungsmaßnahme: die Chatkontrolle.

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Dass diese Chatkontrolle geeignet ist, jene Täter zu schnappen, die man schnappen möchte, ist aus Sicht von Thomas-Gabriel Rüdiger jedoch fraglich. Ein Großteil der Täter seien selbst Jugendliche - und sie wüssten oft gar nicht, wann sie strafbar handeln, sagte der Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg in einem Interview mit Netzpolitik.org.

Mit Aussagen wie der, dass Kinderpornografie im Netz deutlich zugenommen habe, ist Rüdiger - anders als die EU-Kommissarin bei ihrer Argumentation für die Chatkontrolle - zurückhaltend. Wie sich die Zahlen zur Verbreitung kinderpornografischer Inhalte in den letzten Jahren entwickelt haben, könne man nicht mit Bestimmtheit sagen, da es an Dunkelfeld-Studien fehle und sich ein Teil des Dunkelfeldes ohnehin nicht erhellen lasse, sagt er.

Den Zustand kritisiert auch die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Kerstin Claus: "Es ist ein Skandal, dass wir selbst im Jahr 2022 noch immer keine verlässlichen Zahlen zum Ausmaß von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche haben. Und das obwohl wir wissen, dass die in den verschiedenen Systemen erfassten Fälle, das Hellfeld, nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahlen darstellt." Dabei sei davon auszugehen, dass es in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder oder Jugendliche gebe, die von sexueller Gewalt in der Familie und andernorts betroffen seien. Davon werden wohl die wenigsten aufgenommen und somit unter den Straftatbestand Kinderpornografie fallen.

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Dass das Hellfeld in Form der Polizeilichen Kriminalstatistik bekannte Schwächen habe, sagt auch Institutsleiter Rüdiger. Dennoch könne man zumindest Trends ablesen, wie sich bei der Polizei angezeigte Sachverhalte, die dann auch an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden, entwickelt hätten, erklärt Rüdiger.

So hätten die Ermittlungsfälle im digitalen Bereich massiv zugenommen, "darunter auch 'Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte'. Gleichzeitig haben sich die festgestellten Tatverdächtigen signifikant verjüngt.". Von 28.661 Tatverdächtigen seien 13.125 erwachsen, aber 15.536 minderjährig, sagt Rüdiger. "Das heißt, 54 Prozent der Tatverdächtigen, also die Mehrheit, sind selbst Kinder und Jugendliche."

Insgesamt seien 2021 31.383 Fälle (2018: 5.199) über das Tatmittel Internet registriert worden, die Aufklärungsquote bei kinderpornografischen Delikten liegt laut Rüdiger bei 92,5 Prozent. "Unter Beachtung der hohen Zahlen minderjähriger Tatverdächtige wäre meine These: Minderjährige wissen nicht, dass sie sich strafbar machen und sind entsprechend leicht ermittelbar."

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