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Strafen bei Rücksendungen: Temu-Verkäufer stürmen aus Protest Firmenzentrale

In China wehren sich Hunderte kleine Textilhändler gegen harte Strafen, die Temu wegen Rücksendungen verhängt. Es ist ihnen gelungen, in die Firmenzentrale vorzudringen.
/ Achim Sawall
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Protestierende in Guangzhou vor Temu-Zentrale (Bild: Protestierende in Guangzhou)
Protestierende in Guangzhou vor Temu-Zentrale Bild: Protestierende in Guangzhou

Hunderte chinesische Textilhändler auf der Plattform Temu haben am 29. Juli 2024 vor der Konzernzentrale in Guangzhou protestiert. Das berichtet die South China Morning Post unter Berufung(öffnet im neuen Fenster) auf Protestierende und lokale Medien. Dabei gelang es einigen der Demonstranten, in das Bürogebäude vorzudringen.

Eine Händlerin aus Guangzhou sagte der Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) , Temu habe im April neue Strafen eingeführt, die das Fünffache des Verkaufswertes betragen können, wenn Kunden ihre Einkäufe zurückgeben und eine Rückerstattung verlangen.

"Ich habe kein Problem damit, wenn ich den Kunden das Geld zurückerstatten muss. Was die Händler wollen, ist, dass Temu aufhört, uns grundlos zu bestrafen" , sagte die 25-jährige Bekleidungshändlerin aus Guangzhou. Sie sei am Montag aus Protest zum Hauptsitz von Temu in Guangzhou gegangen.

Temu: Kleine Hersteller werden mit hohen Strafen ruiniert

Tabea Rößner (Grüne), Vorsitzende des Ausschusses für Digitales im Deutschen Bundestag, sagte Golem.de zuvor in Bezug auf Temu : "Sie vermitteln Direktverkäufe zwischen den chinesischen Herstellern und den Kunden in Europa. Als Vermittler dienen vor allem Händler aus China, die sich über Plattformen wie Temu ein zweites Einkommen verdienen."

"Das sind wirklich Einzelpersonen oder Familien, die Zugang zu den Produkten haben und diese dann anbieten" erklärte der E-Commerce-Experte Mark Steier Golem.de im August 2023. "Wenn die damit 50 Euro im Monat verdienen, sind das mitunter fünf oder sogar zehn Prozent ihres Monatseinkommens. Das ist also richtig viel Geld. "

Nachtrag vom 2. August 2024, 16:57 Uhr

Ein Temu-Sprecher sagte Golem.de, es habe sich nur um "ein Dutzend Händler" gehandelt, während die Protestierenden von rund 500 sprachen. Verschiedene Videoaufnahmen und Fotos bestätigen eindeutig die Aussagen der Demonstranten von mehreren hundert.

"Sie waren unzufrieden mit der Art und Weise, wie Temu Kundenservicefragen im Zusammenhang mit der Qualität und Konformität ihrer Produkte behandelte, und stritten um einen Betrag von mehreren Millionen Yuan" , sagte der Sprecher. Die Händler hätten es ablehnt, die Streitigkeiten über die in den Kaufverträgen vorgesehenen Schlichtungs- und Gerichtsverfahren beizulegen. "Die Situation ist stabil und das Unternehmen arbeitet aktiv mit den Händlern zusammen, um eine Lösung zu finden."

Die Temu-Händler beschrieben die Situation so, dass sie als "Lösung von Temu aufgefordert wurden" , aufzulisten, zu welchen Strafzahlungen sie gezwungen wurden. Doch daraufhin sei nichts passiert.

"Auch wenn Strafen notwendig sind, um einen qualitativ hochwertigen Marktplatz aufrechtzuerhalten, sind wir einer fairen Durchsetzung und Streitbeilegung verpflichtet" , erklärte Temu der Nachrichtenagentur Reuters.


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