Abo
  • Services:
Anzeige
Demonstration in München
Demonstration in München (Bild: Nico Ernst/Golem.de)

Stop Watching Us Tausende protestieren gegen Überwachung

Unter dem Motto "#StopWatchingUs" sind in deutschen Städten am 27. Juli 2013 Tausende Bürger auf die Straße gegangen, um gegen die flächendeckende Überwachung durch Programme wie Prism zu demonstrieren. Die Demonstranten dankten Edward Snowden in Sprechchören und zeigten sich von deutschen Politikern tief enttäuscht.

Anzeige

In über 30 Städten haben am Samstag mehrere Tausend Menschen gegen die Überwachung der Internetkommunikation durch die Geheimdienste der USA und Großbritanniens sowie gegen die Untätigkeit der Bundesregierung demonstriert. Zu den Protesten unter dem Motto #StopWatchingUs hatten unterschiedliche Gruppen und Parteien aufgerufen. Auch Vertreter der Regierungspartei FDP beteiligten sich.

Gegen Prism wurde unter anderem in Berlin und Hamburg, in Frankfurt und Bielefeld, Münster und Aachen demonstriert. In Stralsund versammelten sich Überwachungsgegner vor dem Wahlkreisbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Insgesamt sollen rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen sein. Die größten Demonstrationen gab es in Berlin und Hamburg mit 2.000 und 3.000 Teilnehmern.

500 bis 1.000 Teilnehmer in München

In München hatte der Privatmann Levin Keller, der keine Organisation vertritt, zur Demonstration aufgerufen und sie auch angemeldet. Während die Veranstalter von rund 1.000 Teilnehmern sprachen, schätzte die Polizei ihre Zahl auf 500. Nach Erfahrungen mit anderen Demonstrationen in München dürfte die tatsächliche Zahl ziemlich genau in der Mitte liegen.

  • Abschlusskundgebung vor dem Amerika-Haus in München (Fotos aus München: Nico Ernst/Golem.de)
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
  • Stop-Watching-Us-Demonstration in München
Abschlusskundgebung vor dem Amerika-Haus in München (Fotos aus München: Nico Ernst/Golem.de)

Für Start- und Endpunkt des Demonstrationszuges hatten sich die Veranstalter symbolträchtige Orte ausgesucht: Von der Botschaft der USA durch das Universitätsviertel bis zum Amerika-Haus führte die Route. Die Mitarbeiter beider Institutionen oder verstärkte Sicherheitsmaßnahmen waren nicht zu beobachten.

Gegen Datenklau

Während des Zuges skandierten die Teilnehmer sowohl die Sprechchöre früherer Demonstrationen zum Datenschutz, zu hören war aber auch der Klassiker "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut", abgewandelt in "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Daten klaut."

Die in der Bildergalerie dieses Artikels wiedergegebenen Schilder der Demonstranten sparten nicht mit Spott über deutsche und US-amerikanische Politiker. Auf mindestens ebenso vielen Abbildungen war jedoch auch der Whistleblower Edward Snowden zu sehen. Ihm galten einige Sprechchöre der Teilnehmer, die vom schlichten "Snowden - Danke!" bis zu "Asyl für Snowden" reichten.

Auf der Abschlusskundgebung zeigten sich die Veranstalter trotz der im Vergleich zu den Acta-Kundgebungen geringen Teilnehmerzahl begeistert. Bei der ersten Demonstration gegen Acta im Februar 2011 waren nach Angaben der Polizei 16.000 Menschen erschienen.

Anlasslose Überwachung ist illegal und verfassungswidrig

Am deutlichsten brachte in den Reden der Datenschutzexperte der bayerischen SPD, Florian Ritter, die Kritik an Prism und Tempora auf den Punkt: Solch flächendeckende und anlasslose Überwachung bezeichnete er als "illegal und verfassungswidrig". Wenn es sich bewahrheiten sollte, so Ritter, dass die deutschen Behörden dieselben Werkzeuge wie die NSA einsetzten, so sei das "ein Kampfeinsatz gegen die eigenen Bürgerinnen und Bürger."

Dass so wenige Münchner auf die Straße gingen, mag aber auch am bisher heißesten Tag des Jahres gelegen haben. Während der Abschlusskundgebung vor dem Amerika-Haus betrug die Temperatur laut Deutschem Wetterdienst 35 Grad. So schickte auch Veranstalter Levin Keller die Teilnehmer zum Ende "in die Biergärten und an die Seen". Er kündigte aber an, es solle weitere Demonstrationen geben, dafür stehen jedoch noch keine Termine fest.

FDP protestiert

Während die Regierungspartei CDU bei Prism herumdruckst oder die Enthüllungen von Edward Snowden gar als Fälschung darstellt, hat sich Koalitionspartner FDP an den Demonstrationen beteiligt.

In Frankfurt am Main etwa war Jörg-Uwe Hahn dabei, Hessens FDP-Justizminister. In der ARD forderte er die Einrichtung einer Weltdatenschutzkonferenz, vergleichbar der Weltklimakonferenz. Diese solle weltweit geltende Datenschutzregeln aufstellen, an die sich alle Länder halten sollen. In Hamburg sprach der FDP-Bundestagsabgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen. Das gefiel nicht allen Teilnehmern: Er sei von einigen Demonstranten ausgebuht worden, berichtet der NDR. Ein Autonomer habe versucht, Müller-Sönksen das Mikrofon zu entreißen, um ihn am Sprechen zu hindern. Dabei sei der Abgeordnete leicht verletzt worden.

Schily: unangemessenes Getöse

Auf wenig Verständnis hingegen stoßen die Proteste beim ehemaligen Innenminister Otto Schily, SPD. Die größte Gefahr für die Deutschen gehe nicht vom US-Geheimdienst National Security Agency aus, sagte Schily im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der organisierten Kriminalität aus. Ich finde manches Getöse, was da im Moment zu hören ist, nicht angemessen."

Die Kommunikation über das Internet stelle eine neue Qualität dar. Wenn das Internet zur Verabredung oder Vorbereitung von Verbrechen genutzt werde, müssten Strafverfolger sich darum kümmern, sagte Schily. Datenschutz sei wichtig, dürfe aber nicht überzogen werden. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte der damalige Innenminister Schily die verschärften Sicherheitsgesetze auf den Weg gebracht.


eye home zur Startseite
IrgendeinNutzer 30. Jul 2013

+1 auch von mir

teenriot 29. Jul 2013

Was für ein Fortschritt, sich zu verstecken. Wozu der Aufwand? Wie wäre es wenn du...

throgh 29. Jul 2013

Interessant wie sehr du hier die Wogen aufgewühlt hast. Scheinbar ist ja eine emsige...

hubie 29. Jul 2013

Twitter ist scheisse. Dieses elende informieren über jeden Kack... das interessiert...

pythoneer 29. Jul 2013

Herr Krauel sieht halt die Beziehung zwischen Bürger und Staat als Kreig an. Und in...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. BSH Hausgeräte GmbH, Giengen
  2. CHEFS CULINAR West GmbH & Co. KG, Weeze
  3. NetApp Deutschland GmbH, Kirchheim bei München
  4. Vodafone GmbH, Düsseldorf


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Assassins Creed Origins 39,99€, Watch Dogs 2 18,99€, The Division 16,99€, Steep 17...
  2. mit Gutscheincode "PCGBALLZ" (-23%) 45,99€

Folgen Sie uns
       


  1. Festnetz und Mobilfunk

    Telekom kämpft mit Zerstörungen durch den Orkan Friederike

  2. God of War

    Papa Kratos kämpft ab April 2018

  3. Domain

    Richard Gutjahr pfändet Compact-online.de

  4. Carsharing

    Drivenow und Car2Go wollen fusionieren

  5. Autonomes Fahren

    Alstom testet automatisierten Zugbetrieb

  6. Detectron

    Facebook gibt eigene Objekterkennung frei

  7. Mavic Air

    DJI präsentiert neuen Falt-Copter

  8. Apple

    Homepod soll ab Frühjahr 2018 in Deutschland erhältlich sein

  9. 860 Evo und 860 Pro

    Samsungs SSDs sind flotter und sparsamer

  10. Mozilla

    Firefox Quantum wird mit Version 58 noch schneller



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Microsoft: Großer Widerstand gegen US-Zugriff auf weltweite Cloud-Daten
Microsoft
Großer Widerstand gegen US-Zugriff auf weltweite Cloud-Daten
  1. Marktforschung Viele Android-Apps kollidieren mit kommendem EU-Datenschutz
  2. Loki App zeigt Inhalte je nach Stimmung des Nutzers an
  3. EOS Schweiz Daten von Zehntausenden Inkassokunden kompromittiert

Updates: Wie man Spectre und Meltdown loswird
Updates
Wie man Spectre und Meltdown loswird
  1. Hacker One Nur 20 Prozent der Bounty-Jäger hacken in Vollzeit
  2. Wallet Programmierbare Kreditkarte mit ePaper, Akku und Mobilfunk
  3. Fehlalarm Falsche Raketenwarnung verunsichert Hawaii

Ein Jahr Trump: Der Cheerleader der deregulierten Wirtschaft
Ein Jahr Trump
Der Cheerleader der deregulierten Wirtschaft
  1. Protektionismus Trump-Regierung verhängt Einfuhrzölle auf Solarzellen
  2. F-52 Trump verkauft Kampfjets aus Call of Duty
  3. Raumfahrtpolitik Amerika will wieder zum Mond - und noch viel weiter

  1. Re: Projekt U10 Prozent ist im vollen Gange

    plutoniumsulfat | 06:54

  2. Re: Gut so. Der Autor hat eine blühende...

    Oil | 06:52

  3. Re: immer noch lahmer als Chrome..

    Steffo | 06:50

  4. Re: Zum IT-Aspekt: Pfändung einer Domäne gehört...

    watwerbisdudenn | 06:41

  5. Re: Wieder online nach 27h

    Snooozel | 06:33


  1. 18:19

  2. 18:08

  3. 17:53

  4. 17:42

  5. 17:33

  6. 17:27

  7. 17:14

  8. 16:14


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel