Stop hate for profit: Anzeigenkunden boykottieren Facebook

Aus Protest gegen eine aus ihrer Sicht unzureichende Bekämpfung von Hassreden haben mehrere Firmen ihre Werbekampagnen auf Facebook vorläufig gestoppt. Die Freizeitbekleidungsanbieter North Face, REI und Patagonia sowie der Browserhersteller Mozilla schlossen sich nach Angaben des Guardian(öffnet im neuen Fenster) damit dem Aufruf Stop Hate for Profit (öffnet im neuen Fenster) an. Dahinter stehen US-Bürgerrechtsorganisationen wie Color of Change, NAACP und die Anti-Defamation League (ADL). Demnach sollen im Juli 2020 auf Facebook keine Anzeigen geschaltet werden, damit Rassismus in dem sozialen Netzwerk stärker bekämpft wird.
In einer Anzeige in der Los Angeles Times(öffnet im neuen Fenster) fragte das Bündnis in Anspielung auf den Facebook-Umsatz des vergangenen Jahres: "Was würden Sie mit 70 Milliarden Dollar tun?" Das soziale Netzwerk habe sich entschieden, mit dem Geld beispielsweise Gewaltaufrufe gegen Personen zuzulassen, die nach dem Tod des schwarzen US-Bürgers George Floyd gegen Rassismus protestiert hätten.
Darüber hinaus habe Facebook weiße Nationalisten begünstigt, indem Nachrichtenangebote mit extremistischen Verbindungen wie Breitbart oder The Daily Caller als vertrauenswürdige Quellen ausgezeichnet oder in das Faktenprüfprogramm aufgenommen worden seien.
Color of Change wirft Facebook vor(öffnet im neuen Fenster) , trotz entsprechender Appelle seit fünf Jahren die Plattform für Millionen farbiger Nutzer nicht sicherer gemacht zu haben. "Von der Monetarisierung von Hassreden über die Diskriminierung durch die Algorithmen, die Verbreitung von Wählerentmutigung bis hin zum Totschweigen schwarzer Stimmen: Facebook hat die Verantwortung dafür bislang abgelehnt" , heißt es weiter.
Die Organisation NAACP wirft Facebook vor(öffnet im neuen Fenster) , sich gegen die Bekämpfung politischer Propaganda zu sträuben. "Es ist offensichtlich, dass Facebook und sein CEO Mark Zuckerberg sich nicht länger einfach nachlässig verhalten, sondern trotz des irreversiblen Schadens für unsere Demokratie selbstzufrieden an der Verbreitung von Fehlinformationen beteiligt sind" , sagte NAACP-Präsident Derrick Johnson.
Anders als Twitter hat Facebook sich beispielsweise entschieden, politische Werbeanzeigen auf seiner Plattform nicht generell zu verbieten. Google will zumindest verhindern , dass Parteien oder andere Organisationen bestimmte Wählergruppen gezielt nach politischen Präferenzen oder anderen Kriterien ansprechen. Zudem will Facebook im Gegensatz zu Twitter offensichtliche Falschaussagen von Politikern wie US-Präsident Donald Trump nicht mit einem Warnhinweis versehen.



