Zum Hauptinhalt Zur Navigation

"Stonehenge der Niederlande": Archäologen finden 4.000 Jahre alte Grabanlage

Niederländische Archäologen haben nahe Utrecht eine alte religiöse Stätte freigelegt. Einer der Grabhügel dort diente als Sonnenkalender.
/ Patrick Klapetz
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Eine Illustration der 4.000 Jahre alten religiösen Stätte in den Niederlanden (Bild: Alexander van de Bunt, Gemeinde Tiel)
Eine Illustration der 4.000 Jahre alten religiösen Stätte in den Niederlanden Bild: Alexander van de Bunt, Gemeinde Tiel

Etwa 50 Kilometer südöstlich von Utrecht haben Archäologen auf einem Industriegelände der Gemeinde Tiel eine religiöse Grabstätte freigelegt. In den Medien(öffnet im neuen Fenster) wird der Fund bereits als "Stonehenge der Niederlande" bezeichnet.

Die Ausgrabungen begannen bereits 2017 in dem kleinen Dorf. Doch erst kürzlich, am 21. Juni 2023, wurden die Ergebnisse veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) .

Zu der 4.000 Jahre alten Stätte gehört auch ein Grabhügel, in dem Überreste von etwa 60 Männern, Frauen und Kindern gefunden wurden. Er hat einen Durchmesser von 20 Metern.

Heilige Stätte diente als Sonnenkalender

Er besaß mehrere Durchgänge, durch die an den längsten und kürzesten Tagen des Jahres – Winter- und Sommersonnenwende – die Sonne direkt scheinen konnte. Die Gänge waren also so angeordnet, dass sie als Sonnenkalender dienten. "Die Menschen benutzten diesen Kalender, um wichtige Momente wie Feste und Erntetage zu bestimmen" , erklärten die Archäologen.

"Es ist das erste Mal, dass eine solche Stätte in den Niederlanden entdeckt wurde" , hieß es in einer Mitteilung der niederländischen Gemeinde. Bei den Ausgrabungen, die einige Kilometer vom Ufer der Waal entfernt stattfanden, entdeckten die Wissenschaftler insgesamt drei Grabhügel, die sich in ihrer Tonzusammensetzung und Farbe unterschieden. Sie wurden nach Angaben der Archäologen etwa 800 Jahre lang als Begräbnisstätten genutzt.

In einem Grab entdeckten sie sogar eine einzelne Glasperle, die nach abschließender Untersuchung aus Mesopotamien (dem heutigen Irak) stammte. Laut Cristian van der Linde, dem leitenden Forscher, legte diese Perle "vor vier Jahrtausenden eine Strecke von etwa 5.000 Kilometern zurück" . Stijn Arnoldussen, Professor an der Universität Groningen, ergänzte: "Glas wurde hier nicht hergestellt, also muss die Perle ein spektakulärer Gegenstand gewesen sein, da es für die Menschen damals ein unbekanntes Material war."

Handel in Europa uralt

Ähnliche Grabhügel und Kreisgrabenanlagen gab es damals nicht nur im heutigen Großbritannien oder den Niederlanden. Auch in Deutschland hat man solche Anlagen gefunden, beispielsweise das etwa 6.900 Jahre alte Sonnenobservatorium in Goseck(öffnet im neuen Fenster) im heutigen Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Das Alter der niederländischen Grabanlage passt zu einer Zeit, als vor allem im mitteldeutschen Raum die Kultur der Aunjetitzer(öffnet im neuen Fenster) den Handel in Europa beherrschte. Sie lebten in der Frühbronzezeit(öffnet im neuen Fenster) von circa 2300 bis 1600 v. Chr. und formten in dieser Zeit auch die bronzene Himmelsscheibe von Nebra(öffnet im neuen Fenster) , die wohl älteste bekannte Himmelsdarstellung.

Die niederländische Forschungsgruppe stellt jedoch keine Verbindung zu dieser Kultur her, die Information dient lediglich der zeitlichen Einordnung.


Relevante Themen