Störsender: Noch mehr Drohnenabwehr für die Ukraine
Russland und die Ukraine kämpfen inzwischen einen Drohnenkrieg. Die USA, Deutschland und nun auch die NATO liefern Technik dagegen.
Der Ukrainekrieg ist längst zum Drohnenkrieg geworden. In keiner anderen militärischen Auseinandersetzung wurden derart viele unbemannte Luftfahrzeuge verschiedener Größen und Fähigkeiten eingesetzt. Handelsübliche Quadrokopter fliegen wie auch kleine Starrflügler zur Aufklärung. Russland und die Ukraine nutzen außerdem Drohnen für ihre Angriffe, die sich beim Aufprall wie Lenkraketen komplett zerstören. Nur die Ukraine verfügt indes mit türkischen TB2-Drohnen über größere Kampfdrohnen.
Mit der unbemannten Aufrüstung steigt auch der Bedarf an Geräten zur Drohnenabwehr. Auch die NATO will die Ukraine hierzu unterstützen. Das sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gestern nach einem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel. Sie sollen dabei helfen, die Shahed-136-Drohnen zu neutralisieren.
Kamikazedrohnen aus dem Iran
Nach unterschiedlichen Angaben könnte Russland eine dreistellige Anzahl dieser Kamikazedrohnen aus dem Iran beschafft haben. Seit rund drei Wochen sind sie im Einsatz und treffen dabei auch Ziele im Westen der Ukraine. Angeblich wird die Shahed-Drohne unter der Bezeichnung Geran-2 inzwischen auch in Russland in Lizenz gefertigt. Das russische Militär fliegt außerdem die kleinere Variante Shahed-131 und die Eigenproduktion Zala Lancet.
Bei der NATO-Drohnenabwehr soll es sich um Hunderte elektromagnetische Jammer handeln, mit denen das Funksignal zur Steuerung der Drohnen gestört wird. Die Fluggeräte stürzen dann entweder ab oder sinken, wie im Falle von kommerziellen Quadrokoptern, langsam zu Boden.
Welche Technik konkret geliefert wird, sagte Stoltenberg nicht. In Deutschland sind beispielsweise sowohl das Militär als auch die Polizei mit Störsendern zur Drohnenabwehr ausgerüstet. Dabei handelt es sich um futuristisch anmutende Geräte, die einem Gewehr ähneln. Damit können aber allenfalls kleinere Drohnen zu Boden gebracht werden.
Wirrwarr an Begriffen
Für größere Drohnen, die allein dem Militär vorbehalten sind, bräuchte es deutlich leistungsfähigere Störsender - oder aber Luftabwehrraketen, die auch große, aber langsam fliegende Drohnen abschießen können. Über solche Anlagen verfügt etwa Russland mit dem Panzir-System, das auf Lastwagen montiert ist. In Syrien, im Bürgerkrieg in Libyen, aber auch beim Krieg Aserbaidschans gegen das armenische Bergkarabach vor zwei Jahren wurden deshalb von den (in allen drei Fällen meist türkischen) Angreifern zuerst die Panzir-Plattformen ins Visier genommen.
Auch das US-Militär hat im Rahmen seiner Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg Drohnenabwehrwaffen in die Ukraine geschickt. Zu den jüngsten Zusagen soll eine Kombination aus drei Systemen gehören, die auch gegen größere Drohnen wie die iranische Shahed-136 eingesetzt werden können. Die auf einem Pick-up montierte Anlage mit dem Namen Vampir besteht aus einem Störsender, einer Infrarotkamera und einem Raketenwerfer.
Auch das deutsche Verteidigungsministerium hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, die Ukraine mit Drohnenabwehr zu unterstützen. Allerdings geht aus seiner Liste nicht hervor, welche Technik geliefert werden soll. Die Aufzählung besteht aus einem Wirrwarr an Begriffen, darunter sieben "Störsender", zehn "Antidrohnenkanonen", insgesamt zwölf "elektronische Drohnenabwehrgeräte", 14 "Drohnenabwehrsensoren und -jammer" sowie zwei Humvee-Fahrzeuge, auf denen "Jammer/Drohnenträger" montiert sind.