Stockfish Chess: Schachanbieter bekommt nach GPL-Verstoß neue Chance

Die Stockfish-Chess-Community, die eine Schachengine als freie Software unter der GPLv3 entwickelt, gibt in ihrem Blog(öffnet im neuen Fenster) einen getroffenen Vergleich ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) im Rechtsstreit mit dem kommerziellen Anbieter von Schachsoftware, Chessbase, bekannt. Der Anbieter räumt demnach die ihm vorgeworfene Verletzung der GPL ein, erhält von der ehrenamtlich arbeitenden Community jedoch die Möglichkeit, künftig GPL-konforme Software zu vertreiben.
Die Klage gegen Chessbase hatte die Stockfish-Community bereits im Sommer 2021 nach längeren Diskussionen angekündigt . Damals hieß es zum Sachverhalt: "Chessbase hat wiederholt gegen zentrale Pflichten der GPL verstoßen, die sicherstellt, dass Nutzer der Software über ihre Rechte informiert werden" . In dem nun vorliegenden gerichtlichen Vergleich wird dies bestätigt. Konkret haben demnach die Produkte Fat Fritz 2 und Houdini 6 gegen die GPL verstoßen.
Die Stockfish-Community schreibt zu dem Vergleich: "Wir freuen uns, bekanntgeben zu können, dass wir eine Vereinbarung getroffen haben, die das Stockfish-Projekt in seinem Ziel stärkt, die weltweite Nummer 1 der Schachengines als freie Software zu liefern, und die es Chessbase erlaubt, unsere Software in Zukunft zu vertreiben."
Lizenzkonforme Vertreibung künftig weiter möglich
Doch für das kommende Jahr darf Chessbase die Software zunächst nicht vertreiben. Erst danach ist dies unter bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt. Dazu gehört vor allem die Einhaltung der Bedingungen der GPL. Wird dagegen verstoßen, wird als Vertragsstrafe eine Spende an die Free Software Foundation Europe (FSFE) fällig.
Außerdem verpflichtet sich Chessbase zur Einführung der Position eines sogenannten Compliance Officers, die die Einhaltung der GPL-Bedingungen gewährleisten soll. Über eine Chessbase-Subdomain soll außerdem einfach über die verwendeten GPL-Komponenten informiert werden und dort soll auch der Download des Quellcodes möglich sein. Auf eigene Kosten kann Chessbase außerdem die Einhaltung der GPL-Bedingungen durch die Software Freedom Conservancy prüfen lassen.
Die Community teilt außerdem mit: "Und schließlich hat das Stockfish-Team, unbezahlte Hobbybastler, die alle das Programmieren einem Rechtsstreit vorziehen, keinen Schadenersatz oder andere Formen der finanziellen Entschädigung gefordert" . Dies sowie die Möglichkeit für Chessbase, künftig weiter konforme Produkte vertreiben zu dürfen, steht im Einklang mit dem Leitfaden zur GPL-Durchsetzung , der unter anderem von der Software Freedom Conservancy vor einigen Jahren erstellt wurde.



