Stirling-Motor: Schwedens Super-U-Boot hat eine Unterwasserschleuse

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat die U-Boot-Klasse A-26 Blekinge(öffnet im neuen Fenster) als weltweit erstes U-Boot der fünften Generation vorgestellt(öffnet im neuen Fenster) und dabei Einzelheiten zu Tarnkappensystemen und operativen Fähigkeiten bekanntgegeben, die über drei Jahrzehnte entwickelt wurden. Die 2015 bestellten Boote sollten ursprünglich 2021 ausgeliefert werden – nun werden sie erst 2031 und 2033 bei der schwedischen Marine erwartet.
Das Programm geht auf das Projekt UBåt-2000 Flundran aus den 1990er Jahren zurück. Zwei U-Boote wurden 2015 zu einem Stückpreis von umgerechnet rund 500 Millionen Euro beauftragt. Aktuelle Kostenprognosen beziffern das Gesamtprogramm auf etwa 2,3 Milliarden Euro.




Saab führt die Verzögerungen teilweise auf die Situation in der Kockums-Werft zurück, die seit den Gotland-Booten in den 1990er Jahren kein neues U-Boot mehr gebaut hatte. Die Anlage musste modernisiert und das Fachwissen der Belegschaft wieder aufgebaut werden. Auch die Integration der Bordsysteme erwies sich als komplexer als ursprünglich kalkuliert.
Tarnkappentechnik und Einsatzkonzept
Die A-26 misst in der für Schweden vorgesehenen Ozean-Variante 65 Meter in der Länge bei einer Verdrängung von 2.100 Tonnen im Tauchzustand. Das Design integriert zahlreiche Maßnahmen in den Bereichen Akustik, Magnetismus, Elektrik, Radar und Infrarot zur Reduzierung der Signatur.
Ein Entmagnetisierungssystem minimiert magnetische Spuren, während eine optimierte Korrosionsschutztechnik elektrische Signaturen reduzieren soll, die beim Kontakt unterschiedlicher Metalle mit Seewasser entstehen. Integrierte Rumpfbeschichtungen sollen Sonarreflexionen verringern. Die X-Ruder-Konfiguration ermöglicht laut Saab eine hohe Manövrierfähigkeit in flachen Gewässern und erlaubt es dem U-Boot, sich auf dem Meeresboden abzusetzen.
Das Boot verfügt über ein Multi-Mission-Portal im Bug zum Aussetzen unbemannter Unterwasserfahrzeuge, Kampfschwimmer-Transportmitteln und Tauchern. Die Bewaffnung umfasst Torpedos und möglicherweise von U-Booten abschießbare Marschflugkörper. Das Design bietet Platz für vier 533-mm-Torpedorohre und zwei 400-mm-Rohre.
Stirling-Motor-Technologie für wochenlange Tauchfahrten
Das Antriebssystem basiert auf Saabs Stirling-AIP-Technologie (Air Independent Propulsion), die das Unternehmen über mehrere Jahrzehnte entwickelt und in der Gotland-Klasse getestet hat. Der Stirling-Motor arbeitet nach dem Kreislaufprinzip und nutzt Helium als Arbeitsgas, das zwischen Heiz- und Kühlphasen wechselt.
Dieselkraftstoff verbrennt mit gespeichertem flüssigem Sauerstoff statt mit Umgebungsluft und erzeugt Wärme, die den Stirling-Kreislauf antreibt. Das expandierende und kontrahierende Helium als Arbeitsgas bewegt Kolben zur Erzeugung mechanischer Energie, die Generatoren zum Laden der Akkus antreibt. Dieses geschlossene System macht das Schnorcheln überflüssig und reduziert thermische wie akustische Signaturen.
Die Technologie ermögliche getauchte Einsätze von mehreren Wochen und erreiche damit Werte, die bisher nur von Booten mit Nuklearantrieb erzielt worden seien, so Saab. Das System arbeite vibrationsfrei und erzeuge minimale Geräusche.
Exportvarianten und Marktpositionierung
Saab bietet drei Varianten an: eine 50-Meter-Pelagic-Version für Küsteneinsätze, die 65-Meter-Oceanic-Version und eine Langstreckenvariante mit über 80 Metern Länge.
Polen erwägt, für sein Orka-U-Boot-Programm die A-26 zu kaufen, eine Entscheidung wurde jedoch noch nicht getroffen. Schweden hatte gehofft, einen Exportkunden zu gewinnen, um zusätzliche Programmfinanzierung zu erhalten, doch bisher gingen keine internationalen Bestellungen ein.



