Stiftung Warentest: Bundesnetzagentur "blind" für Abofallen im Mobilfunk
41.000 Kunden der Mobilfunkanbieter Mobilcom-Debitel, Vodafone und Klarmobil (Freenet) haben falsche und zu hohe Rechnungen für Videodownloads bekommen. Wie die Stiftung Warentest am 16. September 2019 berichtet(öffnet im neuen Fenster) , hatte sich die Bundesnetzagentur zuvor mit "beschwichtigender Auskunft von Vodafone zufriedengegeben" . Die Behörde sei offenbar auch "blind für das gesamte Ausmaß des Kundenbetrugs durch dubiose Drittanbieter – obwohl sie seit gut zwei Jahren in einem 'Festlegungsverfahren' nach einem besseren Schutz von Mobilfunkkunden vor unseriösen Drittanbietern sucht."
Abgerechnet wurde laut Rechnungstext durch das Unternehmen Infin, doch die Firma erklärte, fälschlich angegeben worden zu sein. Nach Angaben von Mobilcom-Debitel ist die Londoner Texted der echte Anbieter, dessen Abrechnungsdienstleister ist Mocopay, Teil der Schweizer Unternehmensgruppe NTH, obwohl Texted auf der internen Vodafone-Sperrliste unseriöser Drittanbieter steht. Seriöse Drittanbieter verlangen dagegen eine ausdrückliche Bestätigung der Bestellung, etwa durch Anklicken eines Buttons mit der Aufschrift "zahlungspflichtig bestellen" .
Bei der Stiftung Warentest seien nach einem Bericht über Abofallen mehr als 1.300 Beschwerden eingegangen. Die Betroffenen beteuerten, nichts bestellt zu haben. Abgebucht wurden Beträge von 4,99 Euro oder 59,88 Euro. Nur wenn die Kunden hartnäckig blieben, wurde das Geld zurückerstattet. Bei kleinen Beträgen gaben viele auf, worauf die Betrüger offenbar hoffen. An den Abofallen verdienen die Mobilfunkfirma, der Abrechnungsdienstleister und der Drittanbieter.
Doch der Klick auf einen Werbebanner sei kein Kauf, die Betroffenen sollten nicht zahlen, rät die Stiftung Warentest. Ein Staatssekretär des Bundesjustizministeriums hatte im Dezember 2016 im Zusammenhang mit WAP-Billing-Betrug Vorwürfe gegen die Mobilfunkbetreiber erhoben . Die Mobilfunkkonzerne hätten Betrug vielleicht "billigend in Kauf genommen" , sagte Staatssekretär Gerd Billen. "Weil sie daran verdient haben, oder weil sie sich zu wenig Arbeit gemacht haben, die Betrüger aus dem Markt zu werfen."
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