Stiftung Neue Verantwortung: Netzbetreiber sollen Engpässe beim Durchsatz offenlegen
Die Bundesregierung braucht für den Breitbandausbau mehr als neue Datenratenziele, der tatsächliche Durchsatz müsse ermittelt und die Schwachstellen von den Netzbetreibern offengelegt werden. Das geht aus einer kritischen Analyse der Stiftung Neue Verantwortung(öffnet im neuen Fenster) hervor, die am 9. Oktober 2017 vorgestellt wurde. Diese Angaben müssen von unabhängiger Stelle erhoben werden und als Grundlage für den Netzwerkausbau in Deutschland dienen.
Laut einer aktuellen Studie der Bundesnetzagentur erreichten bekanntlich nur etwa zwölf Prozent der Internetnutzer die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit. Der Hauptgrund für diese Leistungsschwankungen sind Überlastungen in den Netzen. Der Breitbandtest wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Zafaco entwickelt.
In der Analyse heißt es: "Die Untersuchungen der Bundesnetzagentur geben jedoch lediglich einen ersten Hinweis auf die Bedeutung von Engpasssituationen. Für eine tiefergehende Analyse von Engpässen und den Möglichkeiten, wie damit umgegangen werden kann, fehlen vor allem Daten und geeignete Tests. Ein Großteil der Daten liegt explizit bei den Betreibern der digitalen Infrastruktur. Diese Daten sind jedoch nicht zugänglich, da sie als sensible Betriebsinformationen betrachtet werden."
Um diese Datenlücke zu schließen, wäre eine stärkere Förderung der Breitbandmessung notwendig, die die laufenden Bemühungen der Bundesnetzagentur unterstützt. Es würden offene Daten über die Leistung der digitalen Infrastruktur benötigt, damit diese für die gesamte Forschung zugänglich sind. Die Daten sollten nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in der EU vergleichbar sein, um so die relative Leistung unter regionalen Wettbewerbern untersuchen zu können.
Breitbandmessungen widersprüchlich
Eine systematische Analyse über die Entwicklung der realen Geschwindigkeit und deren Auswirkung auf die Nutzung der digitalen Infrastruktur gebe es bisher nicht. Verfügbare Angaben seien widersprüchlich: Laut der Statistik des Unternehmens Akamai liegt die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit in Deutschland derzeit bei 15,3 MBit/s, womit Deutschland im internationalen Ranking den Platz 25 belegt. Der weltweit größte kommerzielle Anbieter für Geschwindigkeitstests im Internet, Ookla, veröffentlicht ebenfalls regelmäßig eine Rangliste. Nach aktuellen Zahlen belegt Deutschland hier zwar auch den Platz 25, jedoch mit einer durchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit von 47,6 MBit/s.
Die Breitbandpolitik in Deutschland brauche für eine Analyse der Performanz der digitalen Infrastruktur nicht nur Daten über die hier beschriebenen technischen Parameter für einige Internetanbieter und die Anschlüsse ihrer Kunden, sondern ebenso Kenntnisse über die Topologie der Netzwerke. Der Aufbau der digitalen Infrastruktur sei mitunter komplex und es gebe keine kartographischen Aufzeichnungen für die Verbindungen zwischen den Netzwerken. "So gibt es auch wenige Daten über die Leistungsfähigkeit oder das Verkehrsmanagement an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Netzwerken. Mit spezialisierten Messsystemen jedoch könne Breitbandmessung hierüber wichtige Informationen liefern", heißt es in der Analyse.
Ein gutes Beispiel für eine international vergleichbare und systematische Breitbandmessung sei die nichtkommerzielle Organisation Measurement Lab (M-Lab). Mit deren Instrumenten ließen sich nicht nur die wichtigen technischen Leistungsparameter messen, sondern vor allem auch die Verbindungswege zwischen den Netzwerken bei der Messung besser abdecken. Die Daten würden mit einer offenen Software produziert.
Ein weiteres gutes Beispiel für eine internationale und systematische Breitbandmessung sei das Atlas-Projekt der europäischen Internetregistratur RIPE. Mit einem Netzwerk aus vielen kleinen Messgeräten erhebt RIPE Atlas Daten über die Erreichbarkeit und Konnektivität von Netzwerkgeräten.
"Für ein Gesamtbild über die Entwicklung der digitalen Infrastruktur in Deutschland werden mehrere Messinstrumente nötig sein, um die verschiedenen Aspekte der Breitbandmessung abdecken zu können", so die Verfasser. Hierzu gehöre neben der Entwicklung der Geschwindigkeit bei Endkunden vor allem die Auslastung und Entwicklung von Engpässen an verschiedenen Stellen der Infrastruktur, sowohl bei den Endkunden als auch zwischen den Netzwerken, etwa bei den Zusammenschaltungspunkten.
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