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Steuern: Klarnas Beteiligungsprogramm teurer als derzeitiger Kurswert

Klarna hatte bei seinen Beschäftigten für ein Beteiligungsprogramm geworben. Doch die Anteile hatten gemessen an der aktuellen Bewertung einen viel zu hohen Preis.
/ Achim Sawall
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Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski im Jahr 2019 in Berlin (Bild: Noam Galai/Getty Images for TechCrunch)
Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski im Jahr 2019 in Berlin Bild: Noam Galai/Getty Images for TechCrunch

Klarnas Beteiligungsprogramm für seine Beschäftigten leidet unter der massiven Abwertung des Zahlungsabwicklers durch seine Investoren. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin Capital unter Berufung(öffnet im neuen Fenster) auf Unterlagen und Gehaltsabrechnungen eines ehemaligen Mitarbeiters, die der Redaktion vorliegen. Investoren hatten den schwedischen Zahlungsdienstleister massiv abgewertet – die Bewertung fiel um 85 Prozent von 45,6 Milliarden US-Dollar auf 6,7 Milliarden US-Dollar.

Über ein Beteiligungsprogramm hatte Klarna seine Belegschaft teilweise in eigenen Anteilen bezahlt, deren Wert auch eingebrochen ist. Das Unternehmen habe das Beteiligungsprogramm schlecht auf das deutsche Steuerrecht angepasst, berichtet Capital. Die Beschäftigten mussten in den vergangenen Monaten weit mehr Steuern und Abgaben für ihre Anteile zahlen, als diese gegenwärtig noch wert sind. Ein Klarna-Sprecher sagte Golem.de: "In dem von Capital zitierten Fall mag es zutreffen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter mehr Steuern gezahlt hat als seine Anteile an Klarna derzeit wert sind – was unbestrittenermaßen bedauernswert ist. Aber die Betonung liegt auf 'derzeit'. Denn eben dieser Mitarbeiter kann in Zukunft immer noch einen Gewinn machen, wenn er seine Anteile mit Gewinn verkauft und dieser Gewinn die gezahlte Steuerlast überschreitet." Selbst wenn er mit Verlust verkaufe, könne der Verlust steuerlich geltend gemacht werden, um die gezahlte Steuerlast zu mindern.

Klarna: Steuern bereits bei Erhalt der Aktien

Teilweise fallen bei Mitarbeiterbeteiligungen bereits Steuern an, wenn diese die Aktien erhalten. "Sie müssen am Anfang hohe Steuern zahlen und sind vor einem Wertverfall nicht geschützt – wie der Fall Klarna zeigt" , sagte der Fachanwalt Mirco Zantopp von der Kanzlei PXR Legal. Geld erhalten die Beschäftigten wenn überhaupt meist erst Jahre später bei einem Unternehmensverkauf oder Börsengang – in vielen Fällen geht die Firma am Ende auch noch Pleite. Trotzdem müssen die Mitarbeiter in einigen Fällen im Voraus Steuern zahlen.

Seit rund fünf Jahren besitzt das in Stockholm beheimatete Unternehmen eine Banklizenz. Klarna wurde 2005 gegründet und ermöglicht es Kunden, über seine Händlerpartner einzukaufen und den Preis in vier Raten mithilfe des BNPL-Dienstes (Buy Now, Pay Later) zu begleichen. Das Unternehmen verdient Geld, indem es Händlern, die die Dienstleistungen von Klarna anbieten, eine Gebühr in Rechnung stellt. Im vergangenen Jahr wurden drei Prozent der Klarna-Zahlungen in Deutschland per Ratenkauf beglichen. 49 Prozent wurden per Rechnung und 48 Prozent per Sofortüberweisung bezahlt. Der Zahlungsdienstleister stellte im April 2019 eine eigene Bezahlkarte für Deutschland vor .

Klarna zählt in Berlin zu einem der wichtigsten Start-up-Arbeitgeber. Rund 800 Beschäftigte hatte man in der Hauptstadt, ein Teil musste bei Entlassungen im Mai gehen. In der Hochphase habe Klarna versucht, mit dem Beteiligungsprogramm neues Personal anzulocken, berichten Insider. Vor zwei Jahren startete das Angebot, dabei führte man eine international gängige Variante ein, die aber in Deutschland unvorteilhaft sei, sagt der Anwalt – es treffe auch Mitarbeiter mit kleinen Einkommen.


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