Sternstunde: Im Raumschiff zur Arbeit

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst bereitet sich in Köln auf den Flug zur Internationalen Raumstation vor. In einer der exklusivsten Ausbildungen der Welt lernt er Tauchen, Russisch - und wie man Raumkapseln im All repariert.

Artikel veröffentlicht am , Andreas Menn/Wirtschaftswoche
Astronaut Alexander Gerst bereitet sich beim Überlebenstraining in Russland auf seine Arbeit auf der ISS vor
Astronaut Alexander Gerst bereitet sich beim Überlebenstraining in Russland auf seine Arbeit auf der ISS vor (Bild: Sergei Remezov/Reuters)

Eingeschlossen in einer Kapsel zu leben - für die meisten Menschen ist das ein Horrorszenario. Für Alexander Gerst ist es ein Karrieretraum. Der deutsche Astronaut wird im Februar 2014 mit einer Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS fliegen: im Raumschiff zur Arbeit. Die ISS ist derzeit der entfernteste Außenposten der Menschheit. Ein halbes Jahr lang ist sie Gersts Labor, Wohnzimmer und Schauplatz des größten Abenteuers seines Lebens.

Seit dreieinhalb Jahren bereitet sich der 36-jährige auf seinen Einsatz vor - und absolviert eine der exklusivsten Ausbildungen der Welt. Die erfahrensten Wissenschaftler schulen ihn für Experimente, die er an Bord durchführen wird, bringen ihm bei, Roboter zu steuern und sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Er lernt Elektrotechnik, Russisch - und wie man Raumkapseln im All repariert.

Die Vorbereitung auf einen Raumflug ist aber auch eine permanente Härteprobe. "Ihre Ausbildung nimmt die Astronauten rund um die Uhr in Beschlag", sagt Hans Bolender, Leiter der Trainingsabteilung im Europäischen Astronautenzentrum EAC in Köln. "Sie müssen ständig dazu lernen, viel reisen - und mit permanentem Druck zurechtkommen." Denn in der Astronautenausbildung jagt eine Prüfung die nächste.

Astronaut Gerst kann sich trotzdem nichts Schöneres vorstellen. "Es ist der beste Beruf der Welt", sagt er. Seinen künftigen Arbeitsplatz kennt er schon bis ins Detail. Denn in Köln stehen in einer Halle, in die zehn Einfamilienhäuser passen würden, originalgetreue Kopien des Transportraumschiffs ATV und des Raumlabors Columbus - jenem Teil der ISS, in dem die Europäische Weltraumagentur Esa ihre Experimente durchführt.

Ins All fliegen, um die Erde zu begreifen

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Es ist ein knapp sieben Meter langer Zylinder, der an allen Seiten mit Schubladen, Knöpfen und Monitoren eingerichtet ist. Im All wird der promovierte Geologe Gerst hier unter anderem Experimente durchführen, die die Flüssigkeitsverteilung im Erdkern nachvollziehen. "Wir bauen sozusagen eine Mini-Erde, die simuliert, wie die echte Erde Wärme nach außen transportiert", sagt Gerst. Forscher versprechen sich Hinweise darauf, wie das Magnetfeld unseres Planeten entsteht.

Auch eine Mütze mit Sensoren wird Gerst sich regelmäßig überstreifen, um seine Gehirnströme zu messen. Die Forscher wollen so herausfinden, wie sich das Gehirn bei Schwerelosigkeit verändert. Ihre Annahme: es wird sich auf andere Sinne umstellen, ähnlich wie nach einem Schlaganfall, der eine bestimmte Hirnregion beschädigt. Vielleicht ermöglichen die Erkenntnisse im Columbus-Labor neue Therapien, mit denen Schlaganfallpatienten schneller gesund werden.

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