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Stern ohne Spannung: E-Auto-Misere bei Mercedes

Die Verkaufszahlen des Mercedes EQS enttäuschen die Erwartungen. Trotz großer Hoffnungen beim Marktstart konnte das Flaggschiff die Herzen nicht erobern.
/ Michael Linden
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Mercedes EQS (Bild: Mercedes)
Mercedes EQS Bild: Mercedes

Weder in den USA noch in Europa greifen Kunden beherzt zu den Stromern mit dem Stern. Auch der EQS als elektrische Alternative zur S-Klasse bleibt weit hinter den hohen Erwartungen zurück, berichtet die Automobilwoche(öffnet im neuen Fenster) .

Zwar stieg bei Mercedes die Zahl der verkauften BEVs inklusive Smart in den ersten neun Monaten 2023 im Jahresvergleich um 82 Prozent auf 174.500 Einheiten. Dieser starke Anstieg ist allerdings auf den Abbau des Auftragsstaus zurückzuführen, der durch die Knappheit an Bauteilen entstanden war, so die Automobilwoche. Die hohen Verkaufszahlen sind also nicht nachhaltig.

Die typische Händler-Standzeit in den USA bis zum Verkauf beträgt laut The ­Street(öffnet im neuen Fenster) für EQ-Modelle 82 Tage, während Wettbewerber von Audi und BMW im Schnitt nur auf 38 bis 46 Tage kommen, heißt es in dem Bericht.

Auch in Deutschland hapert es, sagte ein Mercedes-Händler der Automobilwoche. "Die Fahrzeuge der EQ-Reihe stehen auf unseren Höfen wie Blei." Die Aufträge seien aktuell "extrem schlecht" . Am stärksten gefragt seien noch die günstigeren Einsteigermodelle EQA und EQB.

Kundschaft bevorzugt weiterhin Verbrenner

Als Gründe für die Zurückhaltung nennen Händler und Konzernkenner der Automobilwoche die hohen Preise und Finanzierungskosten sowie das Fehlen einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Mercedes-Kunden bevorzugen vor allem noch immer Verbrenner, wenn es ums Luxus-Segment geht.

Auch die Probleme beim Hochlauf der E-Mobilität haben Mercedes veranlasst, das Ziel von 50 Prozent E-Auto-Anteil bereits 2025 aufzugeben. Nun soll die 50-Prozent-Marke erst 2026 erreicht werden. Konzernchef Ola Källenius hofft, dass die zweite Welle an Elektro-Modellen ab 2025 den Durchbruch bringt.

Hoffnung liegt auf neuen Modellen ab 2025

Mit der neuen Fahrzeug-Generation will Mercedes wieder an alte Erfolge anknüpfen. Der CLA mit E-Antrieb soll dank verbesserter Aerodynamik und Leichtbau mit nur 12 kWh Verbrauch eine Reichweite von 750 km erreichen.

Auch von neuen Modellen auf Basis der Plattformen MB.EA und AMG.EA erhofft sich Mercedes einen Schub bei der Elektrifizierung. Eine elektrische C-Klasse, ein E-GLC und ein Supersportler von AMG sollen neue Kundengruppen erschließen. Bis dahin muss der Stern mit hohen Lagerbeständen und manchen Verkaufstricks die Durststrecke überbrücken. Wie die Automobilwoche aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat der Autobauer seine Angestellten in Deutschland nun dazu verpflichtet, künftig vollelektrische Dienstwagen zu nutzen. Das sind schon einmal 5.000 Fahrzeuge.


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