Steigende Fallzahlen: KI-Anschreiben werden zum Problem für Verwaltungsbehörden
Deutsche Verbraucher nutzen zunehmend KI, um im Streit mit Behörden, Arbeitgebern oder Dienstleistern Beschwerden, Einsprüche oder Klageschriften zu verfassen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mitteilt, könnte dies zu einem Problem für Verwaltungsbehörden werden, die bereits jetzt ein erhöhtes Fallaufkommen verzeichnen.
Eine Sprecherin des Arbeitsgerichts Berlin sagte der dpa, dass im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 bereits mehr als 16.000 Verfahren eingegangen seien, was in etwa der Gesamtzahl des Jahres 2024 entspricht. Ein Großteil der Verfahren betreffe Kündigungsschutzklagen, so das Gericht.
Auch die Sozialgerichte verzeichnen dem Bericht nach einen Anstieg der bundesweit eingereichten Klagen um durchschnittlich zehn Prozent, wobei die Anzahl der eingereichten Eilverfahren um 47 Prozent angestiegen seien. Ob von den Klagenden tatsächlich häufiger KI eingesetzt wird, wurde zwar nicht genauer untersucht. "Den Kolleginnen und Kollegen fällt jedoch auf, dass sie vermehrt Klageschriften erhalten, die die Nutzung von KI vermuten lassen", so die Sprecherin des Arbeitsgerichts.
Nicht mit bürgerunfreundlichen Maßnahmen reagieren
"Unsere Juristen sehen zunehmend Schlichtungsanträge, die sehr ähnlich oder teilweise sogar gleich aufgebaut sind", sagte Constantin Graf von Rex, Geschäftsführer des Versicherungsombudsmann e.V., einer Schlichtungsstelle, an die sich Verbraucher bei Streitigkeiten mit Versicherungen wenden können, der dpa.
Dabei komme es inzwischen häufiger vor, dass sich die Art des Schriftverkehrs im Laufe eines Verfahrens plötzlich ändere, führt Rex aus. So äußerten sich etwa Antragsteller, die sich zuvor kurz und knapp gehalten hätten, auf einmal in umfangreichen Schriften mit ausführlichen Verweisen auf die Rechtsprechung, erklärt er weiter. Das sei "natürlich kein Beweis für den Einsatz von KI, aber ein solcher abrupter Wechsel in Stil, Umfang und juristischer Argumentation kann ein Hinweis darauf sein", so Rex.
Als Reaktion auf die steigende Anzahl von Anträgen wurden am Berliner Arbeitsgericht zwar bereits neue Richterinnen und Richter eingestellt, dennoch verlängern sich die Bearbeitungszeiten der Fälle. Chris Schmitz von der Hertie School in Berlin äußerte gegenüber der dpa, die größte Gefahr bestehe darin, dass überlastete Behörden mit bürgerunfreundlichen Maßnahmen reagieren. Dies könnte die Schließung digitaler Kanäle bedeuten oder dass Richter die Möglichkeit erhalten, mehr Fälle ohne Begründung abzulehnen.
Als primäre Lösung empfiehlt Schmitz, die jahrelang vernachlässigte Verwaltungsdigitalisierung voranzutreiben. Zunächst "sollten wir durchdigitalisieren, Identitätsprüfungen einbauen, Benutzeroberflächen strukturieren und das Datenmanagement strukturieren", so Schmitz. Während hierfür bereits KI eingesetzt werden könne, sollte der weitere Einsatz von künstlicher Intelligenz, etwa bei Ermessensentscheidungen, erst danach geprüft werden.
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