Steganografie: Fontcode versteckt Botschaften in Texten
Buchstaben ergeben eine Nachricht. Aber diese Buchstaben enthalten selbst noch eine Nachricht: Wissenschaftler aus New York haben eine Technik entwickelt, um Botschaften in Buchstaben unterzubringen.
Fontcode(öffnet im neuen Fenster) wurde von einem Team an der Columbia Universität in New York entwickelt. Das System ist kompatibel mit gängigen Textverarbeitungs- oder Grafikprogrammen wie Word, Photoshop und Illustrator. Um eine Botschaft in einem Text zu verstecken, wird Fontcode mit dem Text selbst sowie mit der einzubettenden Nachricht gefüttert. Letztere wandelt das System erst in eine Bitfolge um und anschließend in eine Folge ganzer Zahlen.
Diese Daten werden dann in Form von winzigen Veränderungen der Buchstaben im ursprünglichen Text untergebracht. Das kann eine Änderung der Strichbreite sein, der Ober- und Unterlängen(öffnet im neuen Fenster) oder der Serifenrundung(öffnet im neuen Fenster). Die Länge der versteckten Nachricht hängt dabei von der Länge des sichtbaren Texts ab.
Mit dem bloßen Auge sind diese über den ganzen Text verstreuten Modifikationen nicht zu erkennen. Aber ein Convolutional Neural Network(öffnet im neuen Fenster) erkennt sie und kann die geheime Botschaft dekodieren. Dazu wird der Text fotografiert oder gescannt und dann entschlüsselt. Fontcode wird dabei auch mit Störungen etwa durch einen ungünstigen Kamerawinkel, falsche Fokussierung oder das Licht fertig. Das System kann eine Botschaft auch dann noch dekodieren, wenn etwa ein Viertel der Buchstabenmodifikationen nicht richtig erkannt wird.
Eine mögliche Anwendung für Fontcode ist natürlich die Übertragung geheimer Nachrichten – die zudem auch verschlüsselt sein können. Das System lasse sich aber auch nutzen, um die Integrität wichtiger Dokumente, etwa einer Urkunde, sicherzustellen, sagte Projektleiter Changxi Zheng dem US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster): "Mit unserer Technik lässt sich feststellen, ob ein Dokument, auch wenn es auf Papier gedruckt wurde, manipuliert wurde. Sie kann sogar eingesetzt werden, um zu erkennen, welcher Teil des Dokuments manipuliert wurde."
Ein Wasserzeichen für einen Text
Die Entwickler haben noch weitere Anwendungsmöglichkeiten im Sinn: So könnte man Zusatzinformationen im Text unterbringen, etwa den Namen des Autors oder ein Wasserzeichen. Auch könnte in der modifizierten Schrift eine Internetadresse kodiert werden, die der Leser aufruft, indem er den Text scannt.
Zheng und seine Kollegen wollen Fontcode im August auf der Siggraph(öffnet im neuen Fenster) vorstellen. Die Konferenz findet in diesem Jahr vom 12. bis 16. August in Vancouver statt.
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