Steer-by-Wire in der Praxis: Mit dem Jochlenker übers Penser Joch
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Manche Innovationen beim Autobau kommen so unauffällig daher, dass es die Fahrer gar nicht bemerken. Das ist uns im Sommer mit dem Brake-by-Wire-System von Volvo so ergangen. Doch eine Etage höher, beim sogenannten Steer-by-Wire, kann das nicht passieren. Das elektronische Lenkrad ermöglicht ein neues Lenkgefühl und andere Lenkradformen, wie wir mit dem neuen EQS von Mercedes-Benz auf einer kurvenreichen Strecke in den Alpen ausprobiert haben.
Der EQS ist das erste Serienmodell eines deutschen Herstellers, das mit einem elektronischen Lenkrad auf den Markt kommt. Doch diese Innovation startet nicht isoliert, sondern nur im Paket mit einem sogenannten Jochlenker und einer 10-Grad-Hinterachslenkung. Das Kalkül von Mercedes: Wer sich diese neue Technik anschafft, soll damit nicht hinter dem Berg halten. Bei einem Blick in das Auto soll das neue System auffallen und der Besitzer als fortschrittlicher Fahrer erkennbar sein. Distinktionsgewinn heißt das in der Soziologie.
Auf den Testfahrten stellte sich unter anderem die Frage, wie sich diese Kombination in der Praxis schlägt und ob es vielleicht sinnvoller wäre, ein Steer-by-Wire mit rundem Lenkrad anzubieten. Das hängt vor allem davon ab, ob die Fahrer trotz des elektronischen Systems in engen Kurven oder beim Einparken weiterhin umgreifen müssen. Das geht bei einem normalen Lenkradkranz zweifellos besser.
Deutlich weniger Lenkeinschlag in Kurven
Um das System zu testen, lud Mercedes nach Sterzing in Südtirol ein. Von dort aus starten die Passstraße über das Penserjoch sowie die Straße über den Jaufenpass. Eine ideale Kombination für ein leistungsstarkes Elektroauto und eine elektronische Lenkung.
Schon auf einer kurzen Teststrecke an der portugiesischen Algarve-Küste konnten wir im Frühjahr 2026 ausprobieren, wie sich der Lenkwinkel je nach Geschwindigkeit verändert. Doch auf einer Strecke mit vielen Haarnadelkurven macht sich der Unterschied zum normalen Lenken stärker bemerkbar.
Intuitiv schlage ich das Lenkrad viel stärker ein, als es notwendig ist. Dabei reicht ein Winkel von 90 bis 120 Grad schon aus, um praktisch alle Spitzkehren innen zu nehmen. Bei einer konventionellen Lenkung ist hingegen ein Einschlag von 270 Grad erforderlich, bei dem Fahrer mehrfach umgreifen müssen.
Entscheidend für die Akzeptanz der Technik sind jedoch nicht der zusätzliche Komfort, sondern das Lenkgefühl und die Sicherheit.
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