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Steer-by-Wire ausprobiert: Elektrolimousine EQS lenkt künftig rein elektrisch

Der neue Mercedes EQS ersetzt als erstes deutsches Serienfahrzeug die Lenksäule durch ein Kabel. Aber nur in Kombination mit einem Yoke-Lenker.
/ Friedhelm Greis
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Mercedes bietet im neuen EQS erstmals ein Steer-by-Wire-System an. (Bild: Mercedes-Benz)
Mercedes bietet im neuen EQS erstmals ein Steer-by-Wire-System an. Bild: Mercedes-Benz
Inhalt
  1. Steer-by-Wire ausprobiert: Elektrolimousine EQS lenkt künftig rein elektrisch
  2. Software steuert das Lenkgefühl
  3. Wird Steer-by-Wire beim EQS ein Erfolg?

Mit der vollelektrischen Luxuslimousine EQS erhält erstmals ein Serienmodell eines deutschen Autoherstellers eine elektronische Lenkung ohne Lenksäule. Der neue EQS werde wenige Monate nach seiner Markteinführung mit Steer-by-Wire verfügbar sein, teilte Mercedes-Benz am 2. April 2026 mit(öffnet im neuen Fenster) . Wir haben mit einem EQS-Vorserienmodell bereits eine Runde auf einem kurzen Parcours drehen können.

Mercedes hatte die Pläne im April 2025 angekündigt . Im Juli 2025 erläuterte der Zulieferer ZF am Firmensitz in Friedrichshafen die Technik . Mercedes setzt das System jedoch etwas anders als der chinesische Hersteller Nio um, der seinen ET9 mit "Fremdkraftlenkanlage" , wie es in der einschlägigen UN/ECE-Regelung 79 heißt(öffnet im neuen Fenster) , bei ZF präsentierte.

Nur im Paket mit Hinterachslenkung

Der EQS erhält die Technik vorerst nur in Kombination mit einer 10-Grad-Hinterachslenkung und einem flachen Lenkrad. Denn der Verzicht auf die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Lenksäule macht es möglich, den maximalen Lenkeinschlag auf 170 Grad zu begrenzen. Es ist nicht erforderlich, bei engen Kurven mit den Händen umzugreifen, was bei einem runden Lenkrad besser möglich ist.

In dem Aufpreis von 2.500 Euro ist die Hinterachslenkung enthalten. Serienmäßig können die Hinterräder des EQS bereits um 4,5 Grad mitlenken. Im Praxistest des EQE mit der 10-Grad-Lenkung hat uns der kleine Wendekreis beeindruckt. Allerdings ist der starke Einschlag beim Rangieren gewöhnungsbedürftig.

Der Aufpreis beim EQS für die 10-Grad-Lenkung beträgt derzeit 1.547 Euro, so dass Steer-by-Wire zusätzliche 950 Euro kostet. Die bisherige elektromechanische Lenkung stellt weiterhin die Serienausstattung dar. Zudem lässt sich Steer-by-Wire mit allen Motorisierungen kombinieren.

Variable Lenkübersetzung

Bei diesem System hängt die Lenkübersetzung(öffnet im neuen Fenster) von der Geschwindigkeit ab. Normalerweise ist das Verhältnis vom Lenkwinkel des Lenkrads zum Einschlagwinkel der Reifen unveränderlich und liegt bei Pkw etwa bei 15 bis 18. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Drehung des Lenkrades um 15 Grad die Räder um 1 Grad einschlagen lässt. Bei einem maximalen Einschlagwinkel von 45 Grad wären daher 675 Grad oder fast zwei volle Umdrehungen pro Richtung erforderlich.

Mercedes reduziert bei langsamen Geschwindigkeiten den Einschlagwinkel von 40 Grad auf einen Lenkwinkel von 170 Grad, was einer Lenkübersetzung von 4,25 entspricht. Bei 100 km/h steigt dieser Wert auf 13,5, bei 200 km/h geht er in den Bereich von 15 bis 16.

Bei hohen Geschwindigkeiten, wie auf der Autobahn, gibt es daher im Grunde keinen Unterschied zu üblichen Lenkungen. Bisherige Servolenkungen können bereits den Lenkwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten erhöhen(öffnet im neuen Fenster) .

Ebenso wie bei der Probefahrt auf dem Testgelände von ZF wirkt auch die Fahrt mit dem EQS an der Algarve eigentlich unspektakulär.


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