Streamingabos: Werbeabos von Netflix und Disney+ werden beliebter

Die werbefinanzierten Bezahlabos von Netflix und Disney+ werden in Deutschland immer beliebter. Das ergibt eine Studie von Simon-Kucher, die nach der Verbreitung von Werbeabos im Markt für Videostreaming gefragt hat. Vor allem die Änderungen an Prime-Video durch Amazon haben hier die vermeintliche Akzeptanz von Werbeabos nach oben getrieben.
Amazon hat die Leistungsdaten von Prime Video Anfang Februar 2024 einseitig geändert. Seitdem sehen Abonnenten von Prime Video vor und in Filmen und Serien nicht-überspringbare Werbeclips. Wer also nicht aktiv wird, nutzt Prime Video mit Werbeeinblendungen.
Aufgrund dieses Vorgehens ist eine Sammelklage gegen Amazon geplant, die das Unternehmen mehr als 600 Millionen Euro kosten könnte.
Amazon ohne Werbung kostet einen Aufschlag
In der Studie gaben 77 Prozent der Prime-Video-Abonnenten an, die Werbefrei-Option von Prime Video für einen Aufschlag von monatlich 2,99 Euro zu den Prime-Abo-Gebühren gebucht zu haben. Diesen Anteil halten die Studienautoren für beachtlich.
Abgesehen von der Werbefreiheit gibt es mit dieser Option für Prime Video auch eine bessere Bild- und Tonqualität – Amazon-Kunden erfahren davon nichts. Umgekehrt sind 23 Prozent der Prime-Abonnenten nicht bereit, für die Werbefrei-Option einen Aufschlag zu zahlen. Die Studie berücksichtigt nicht, ob oder wie viele Prime-Video-Abonnenten Anfang Februar 2024 ihr Abo gekündigt haben und den Streamingdienst nicht länger nutzen.
Bei Netflix und Disney+ entscheiden sich Abonnenten bewusst
Netflix und Disney+ zwingen Abonnenten kein werbefinanziertes Abo auf. Bei diesen Anbietern entscheiden sich Abonnenten dafür. Nach Erhebungen der Studie sind es 20 Prozent der Netflix-Abonnenten. Im Vergleich zu 2023 hat sich die Menge der werbefinanzierten Netflix-Abos damit verdreifacht, heißt es in der Studie.
Kürzlich wurden die Preise für alle werbefreien Abos in Deutschland erhöht – auch für die bereits laufenden . Daher kann es für Abonnenten ein Anreiz sein, das Werbeabo zu nutzen, um Geld zu sparen und genau das belegt die Studie: 46 Prozent der Werbeabos sind von Personen, die vorher ein werbefreies Abo nutzten. Bei Netflix fehlen im werbefinanzierten Abo einige Filme und Serien , es gibt also nicht den gesamten Netflix-Katalog. Darauf weist der Anbieter aber nur sehr versteckt in den Bedingungen zum Werbeabo hin und nennt auch keine Details, welche Titel fehlen.
Netflix zeigt mehr Werbung als Disney+ und Prime Video
Im Vergleich zu Prime Video und auch Disney+ zeigt Netflix deutlich mehr Werbung und es gibt auch mehr Werbeunterbrechungen. Im Werbeabo von Disney+ gibt es in Spielfilmen generell keine Werbeunterbrechungen. In Deutschland haben sich 13 Prozent der Abonnenten für die Werbevariante des Abos entschieden. Dabei sollen sich 36 Prozent bestehender Abonnenten für das Werbeabo entschieden haben.
50 Prozent der Befragten geben an, dass es das Warten in der Werbepause leichter macht, wenn die verbleibende Werbedauer angezeigt wird, wie es alle Anbieter praktizieren. Wenig überraschend: Abonnenten finden Werbung vor einem Film weniger störend als eine Unterbrechung mitten im Film. Zudem wird ein Streamingabo unbeliebter, wenn es mehr Unterbrechungen gibt.
In der repräsentativen Simon-Kucher Streaming Study 2024 wurden im April und Mai 2024 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Walr 12.163 Konsumenten in zwölf Ländern weltweit befragt, der Anteil in Deutschland lag bei 1.002 Personen.