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Steam: Valve in der Kritik wegen Spieleblockaden

Vorwürfe zu staatlichem Druck und intransparenten Entscheidungen bei Flick Solitaire bringen Valves Umgang mit sensiblen Inhalten in den Fokus.
/ Peter Steinlechner
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Flick Solitaire (Bild: Flick)
Flick Solitaire Bild: Flick

Valve steht im Zentrum neuer Vorwürfe, ein Spiel mit LGBTQ-Bezug auf Druck russischer Behörden aus dem Store entfernt zu haben. Wie Games Industry berichtet(öffnet im neuen Fenster) , verschwand der britische Titel Flick Solitaire aus dem russischen Steam-Katalog, nachdem die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadzor den Betreiber dazu aufgefordert haben soll.

Grund sei die Darstellung queerer Inhalte, die in Russland als "Propaganda nichttraditioneller Sexualität" eingestuft wird. Der Entwickler erklärte, das Spiel sei seit Jahren weltweit auf mobilen Plattformen erhältlich, auch in Russland – und zwar ohne behördliche Eingriffe.

Apple und Google sollen die identische Löschforderung ignoriert haben, während Valve den Titel in Russland sperrte und sich damit den lokalen Vorgaben beugte.

Die Studios hinter Flick Solitaire betonten, sie hätten das Spiel nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 zwar demonetarisiert, aber bewusst weiter online gehalten.

Keine nachvollziehbare Prüfung

Man habe das Angebot als Geste verstanden, die russischen Spieler aus der LGBTQ-Community nicht allein zu lassen, obwohl ihr eigener Staat sie brandmarke. Vor diesem Hintergrund sei die Entfernung durch Steam besonders bitter, weil damit eine der letzten international erreichbaren Plattformen entfalle.

In Stellungnahmen an den Entwickler verwies Valve laut Bericht darauf, Flick Solitaire verstoße gegen Store-Richtlinien im Land. Eine detaillierte Begründung oder transparente inhaltliche Prüfung blieb aus.

Kritiker sehen darin mehr als reine Rechtsbefolgung: Wenn globale Plattformen staatlichen Zensurlinien folgen, treffe dies unmittelbar die Sichtbarkeit queerer Inhalte und entmutige Entwickler, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden. Valve kommentierte die Vorwürfe bislang nicht öffentlich.

In einem weiteren, thematisch verwandten Vorgang verweigerte Steam 2023 die Zulassung des Horror-Kunstspiels Horses des italienischen Studios Santa Ragione. Valve sah in einer Szene möglicherweise sexualisierte Darstellungen Minderjähriger, was die Entwickler entschieden zurückwiesen.

Gog.com bringt Horses

Sie betonen, die Sequenz sei weder sexuell gemeint noch in dieser Form dargestellt gewesen und habe zudem nicht mehr der späteren Ausrichtung des Projekts entsprochen. Die Szene wurde schließlich überarbeitet, und die betroffene Tochterfigur im kreativen Prozess in ihre Zwanziger versetzt.

Laut den Machern habe Valve eine erneute Prüfung der finalen Version dennoch abgelehnt, was zu einer dauerhaften Sperre geführt habe, die trotz der vorgenommenen Änderungen bestehen blieb.

Nach dem Ausschluss kündigte der zur CD-Projekt-Gruppe gehörende Onlinestore Gog.com nun an(öffnet im neuen Fenster) , Horses künftig zu vertreiben. Das Spiel soll dort erscheinen, nachdem es bei Valve blockiert wurde. GOG begründete den Schritt mit dem Anspruch, Entwicklerfreiheit zu unterstützen und auch kontroversen Projekten Raum zu geben.


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