Steam Play: ja, nein oder doch?

Gibt es ein Spiel nur als Windows-Version, lässt sich dies auch in Linux herunterladen und dann mit Steam Play starten. Wenn ich die Einstellungen eines Steam-Spiels öffne, indem ich einen Rechtsklick auf seinen Namen in meiner Bibliothek mache, kann ich die Verwendung eines bestimmten Kompatibilitätswerkzeugs für Steam Play erzwingen. Dann erscheint die zuvor ausgeblendete Schaltfläche für die Installation.

Stellenmarkt
  1. Principal Expert (m/w/d) Digital Work Security
    Atruvia AG, Münster
  2. Junior SAP Berater (m/w/d) Inhouse
    Göbber GmbH, Eystrup, Hamburg
Detailsuche

Steam Play ist eine modifizierte Variante der Übersetzungsbibliothek Wine und nutzt DXVK für Direct3D 10/11. Wine wiederum agiert wie eine Art Dolmetscher zwischen Windows-Programmen und dem Linux. Valve unterstützt das Open-Source-Projekt, genauer seinen Ableger Proton mit Code, den es für das Feature Steam Play selbst nutzt.

Manche Windows-Spiele, in meinem Test Doom, startet Steam in Linux auch ohne manuelle Konfiguration mit Steam Play. Valve selbst kümmert sich um die entsprechenden Proton-Optimierungen. Die Liste als nicht verfügbar markierter Titel in der genutzten Steam-Bibliothek sollte unter Linux also in Zukunft kürzer werden, auch wenn die Spielehersteller selbst keine Portierung oder gar eine native Linux-Version anbieten werden.

Der Clou: Ich könnte Steam Play per Steam-Einstellung auch global für alle nicht verfügbaren Spiele in meiner Bibliothek erzwingen. Und dann wären alle 408 Titel meines Test-Accounts zumindest augenscheinlich verfügbar. Bei dieser Option handelt es sich jedoch um eine experimentelle Funktion, bei der mit Abstürzen zu rechnen ist. Der Klassiker Crysis etwa will in meinem Schnelltest nicht starten, die Skyrim Special Edition hingegen läuft mit manuell aktiviertem Steam Play 4.2 schnell, jedoch mit fehlerhaftem Ton: Die Sprachausgabe fehlt schlicht.

Golem Akademie
  1. CEH Certified Ethical Hacker v11: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    8.–12. November 2021, Virtuell
  2. Netzwerktechnik Kompaktkurs: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    8.–12. November 2021, virtuell
Weitere IT-Trainings

Die Suchmaschine Protondb kann an dieser Stelle Zeit sparen: Dort finde ich die voraussichtliche Steam-Play-Erfahrung mit einem Spiel, schon bevor ich es herunterlade. Wer noch mit dem Wechsel von Windows auf Linux zögert, kann mit Hilfe dieser Datenbank eventuell die Entscheidung treffen. Sind die Lieblingsspiele auch unter Linux spielbar, steht dem Umstieg fast nichts mehr im Weg.

Linux vs. Windows: Performance im Vergleich

Nachdem ich also fünf Spiele ausgewählt habe, beginne ich mit den Messungen. Als Grafikkarten nutzte ich eine Geforce 1060 Armor von MSI mit 6 GByte und eine Radeon RX 590 Fatboy von XFX mit 8 GByte; beide Karten haben etwas über 200 Euro gekostet.

Die Linux-Treiber waren ursprünglich älter als die Windows-Treiber. amdgpu war bei Version 19.0.4 der Radeon-Software, unter Windows hieß er bereits Radeon Software 19.5.1. nvidia lag in Manjaro als Geforce 418.74 vor, Windows 10 lief bereits mit dem Geforce 430.39. Der neuere Geforce 430.14 für Linux trifft nach Abschluss unserer Messreihe ein, in Stichproben kann ich aber keine Auswirkungen auf die Performance bei den ausgewählten Spielen erkennen.

  • Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)
  • Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)
  • Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)
  • Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)
  • Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)
Core i9-9900, 16 GByte DDR4, Manjaro 18 bzw. Win10 v1809, Geforce 430.14 bzw. Geforce 430.39, RS 19.0.4 bzw. RS 19.5.1 (Bild: Golem.de)

Insgesamt finde ich, dass die Performance unter Linux durch die Bank gut ist. Der Leistungseinbruch verglichen mit Windows 10 liegt meistens im einstelligen Prozentbereich. Zwar ist Rocket League ein Ausreißer, jedoch liegen die Bildraten unter Linux allem Einbruch zum Trotz noch immer locker im spielbaren Bereich. Mit OpenGL 4.1 beziehungsweise Direct 3D 9.0c greift es auf äußerst betagte Schnittstellen zurück.

Knapper werden die Abstände, wenn Spiele neuere Schnittstellen wie Direct3D 11 oder gar Direct3D 12 einsetzen. Rise of the Tomb Raider wurde von Feral von D3D11 auf Vulkan portiert und liefert so unter Linux ansatzweise Windows-Leistung. Doom setzt plattformunabhängig auf OpenGL oder Vulkan - der Nutzer wählt selbst - und erzeugt somit den erwarteten Gleichstand zwischen Linux und Windows.

Steam Play glänzt besonders in Vulkan-Spielen

In meinem Test habe ich auch überprüft, inwieweit sich die Performance der Steam-Play-Varianten gegenüber eventuell vorhandenen Linux-Nativ-Varianten der Spiele schlägt. Dabei kommt es stark auf die verwendete Grafikschnittstelle an: Rise of the Tomb Raider liegt unter Linux als Feral-Portierung vor und greift auf Vulkan zurück. Dirt Rally ist ebenfalls eine Feral-Portierung, basiert jedoch auf OpenGL. Im Vergleich zwischen Steam Play und Feral-Portierung ist bei Vulkan-Spielen kaum ein Leistungsunterschied feststellbar. Das erklärt, warum das Vulkan-Spiel Doom für Linux ausschließlich als Steam-Play-Variante erhältlich ist. OpenGL hingegen erfährt durch Steam Play einen erheblich größeren Performance-Einbruch.

Dirt Rally lädt an dieser Stelle zum Dreifach-Vergleich Windows vs. Linux-Nativ vs. Steam Play ein. Dieselbe Szene am Startfeld von Kathodo Leontiu produzierte allerdings zum Teil unvorhergesehene Ergebnisse. Eine Anmerkung dazu: Der integrierte Benchmark von Dirt Rally liefert erheblich schlechtere Ergebnisse als eine selbst gewählte Szene auf einer beliebigen Ingame-Strecke. Daher entscheide ich mich für Letztere und wiederhole alle Tests mit ihr.

Während die AMD-Karte im Vergleich Windows-Original zu Linux-Portierung nur rund zehn Prozent schlechter abschneidet, steigt die Bildrate interessanterweise mit der Nvidia-Karte um neun Prozent. Ein ähnliches Performance-Plus unter Linux erlebe ich - mit beiden Karten - mit der Vulkan-Variante von Doom; jedoch nur im Vergleich Linux/Vulkan gegen Windows/OpenGL.

Auch das für Linux nativ erhältliche Tropico 6 (OpenGL 4) will ich interessehalber mit Steam Play testen, jedoch stürzt die so gestartete Windows-Version nach dem Splash-Screen ab. Das ist aber kein Ärgernis, denn zumindest mit der AMD-Karte muss ich keine Performance-Einbußen nach dem Umstieg von Windows auf Linux hinnehmen. Mit der Nvidia-Karte hingegen bricht die Bildrate um über ein Drittel ein. Da das Spiel noch brandneu ist, erhoffe ich mir Besserung von neuen Treibern, die hoffentlich bald in den Paketquellen von Manjaro erscheinen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Steam Play: Tschüss Windows, hallo Linux - ein Gamer zieht umWas sonst noch auffällt 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Neuro-Chef 03. Jul 2019

Sehr gut möglich. Man kann schön sehen, wie der Updater an der falschen Stelle in der...

Crass Spektakel 03. Jul 2019

Ja das ist mir auch oft aufgefallen. Viele Spiele erreichen unter Linux 90-95% der FPS...

Crass Spektakel 03. Jul 2019

Grafik ist unter Linux nicht Aufgabe des Kernels. WINE übersetzt für OpenGL und konkret...

Crass Spektakel 03. Jul 2019

Du merkst doch garnicht mit was der andere Spielt oder denkst Du der WOW-Spieler unter...

Crass Spektakel 03. Jul 2019

Völliger Quatsch. Alle bekannten Anti-Cheat-Programme laufen auch unter Linux. Die...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Rakuten
"Wir bauen 4. deutsches Netz mit x86-Standard-Hardware"

Billige Hardware soll 1&1 United Internet Kosten sparen. Doch in Japan explodieren bei Rakuten die Ausgaben.

Rakuten: Wir bauen 4. deutsches Netz mit x86-Standard-Hardware
Artikel
  1. Alder Lake: Intel will mit 241 Watt an die Spitze
    Alder Lake
    Intel will mit 241 Watt an die Spitze

    Kurz vor dem Launch zeigt Intel eigene Benchmarks zu Alder Lake, außerdem gibt es Details zur Kühlung und zum Denuvo-DRM.
    Ein Bericht von Marc Sauter

  2. Mäuse, Tastaturen, Headsets: Logitech hat mit Lieferengpässen zu kämpfen
    Mäuse, Tastaturen, Headsets
    Logitech hat mit Lieferengpässen zu kämpfen

    Die große Nachfrage während der Coronapandemie hat Logitech 82 Prozent mehr Umsatz beschert. Allerdings kommt die Lieferung nicht hinterher.

  3. Impfnachweise: Covid-Zertifikat für Adolf Hitler aufgetaucht
    Impfnachweise
    Covid-Zertifikat für Adolf Hitler aufgetaucht

    Im Internet sind gefälschte, aber korrekt signierte QR-Codes mit Covid-Impfnachweisen aufgetaucht.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung 4K-Monitore & TVs günstiger (u. a. 50" QLED 2021 749€) • Seagate Exos 18TB 319€ • Alternate-Deals (u. a. Asus B550-Plus Mainboard 118€) • Neues Xiaomi 11T 256GB 549,90€ • Ergotron LX Desk Mount Monitorhalterung 124,90€ • Speicherprodukte von Sandisk & WD [Werbung]
    •  /