Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Steam Machine und Co: Zwischen Banane und Begeisterung

Die neue Steam Machine punktet mit cleverem Formfaktor, aber: Wer Fortnite, Call of Duty oder Battlefield spielen will, hat ein Problem.
/ Peter Steinlechner
38 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork der Steam Machine (Bild: Valve)
Artwork der Steam Machine Bild: Valve

Die Steam Machine wirkt auf mich nach der Ankündigung wie eines der charmantesten Geräte, das Valve je gebaut hat. Der Formfaktor ist außergewöhnlich gelungen: ein kompakter, sauber durchdachter Mini-PC, der sich wie selbstverständlich ins Wohnzimmer einfügen dürfte, ohne nach einer Kompromisslösung oder Bastelkiste auszusehen.

Der Würfel wirkt hochwertig, unaufdringlich und dafür erstaunlich leistungsstark, so dass man ihn sofort als eine Art fehlendes Bindeglied zwischen klassischem Gaming-PC und Konsole begreift.

Valve selbst spielt diesen Eindruck humorvoll aus. Auf der offiziellen Produktseite(öffnet im neuen Fenster) der Steam Machine heißt es: "Verstecken Sie sie unter einer Banane. Der mit ca. 160 mm äußerst kompakte Würfel passt fast überall hin."

Das ist etwas mehr als nur ein Gag: Es bringt ziemlich präzise auf den Punkt, worum es diesem Gerät geht, nämlich maximale Leistung in minimalem Raum, verpackt in einer Form, die selbst im vollgestellten TV-Regal keinen Millimeter zu viel beanspruchen soll.

Aus Spielersicht ist die Steam Machine leistungsmäßig zwischen PS5 und Xbox Series S (nicht Series X) einzuordnen. Valve spricht selbst von einer rund sechsmal höheren Performance gegenüber dem Steam Deck.

Höhere 4K-Auflösungen und 60 fps mit Raytracing wird es wohl nur mit FSR-Upscaling geben. Die GPU mit 28 RDNA-3-CUs und 8 GB VRAM eignet sich aber gut für 1440p und hochskaliertes 4K. Der moderne Zen-4-Sechskernprozessor sorgt immerhin dafür, dass die CPU-Seite eher überdurchschnittlich ausfällt.

Steam Machine: Anti-Cheater-Schutz als Problem

Die größten Probleme im mutmaßlich anvisierten Massenmarkt entstehen durch das Betriebssystem. Titel wie Fortnite, Valorant, Call of Duty oder Battlefield funktionieren unter Linux nicht, weil ihre Anti-Cheat-Systeme tief in den Windows-Kernel eingebunden sind.

Klar, die großen Eigenmarken von Valve – Counter-Strike 2, Dota 2 und Team Fortress 2 – laufen natürlich unter SteamOS, und sehr (!) viele Spieler nutzen genau nur diese Titel.

Zudem steht mit Deadlock , Valves kommendem Multiplayer-Projekt, voraussichtlich ein weiterer AAA-Titel ins Haus, der selbstverständlich ebenfalls unter SteamOS funktionieren wird.

Und natürlich kann man Windows auf der Steam Machine installieren und damit alle genannten Anti-Cheat-Titel spielen. Doch dieser Weg nimmt dem Gerät ein Stück seines Konsolencharakters und kostet meist etwas Effizienz, weil SteamOS und Proton auf diese Hardware optimiert sind.

Für Einzelspieler, Indie-Fans und Nutzer, die ohnehin überwiegend Valve- oder Linux-freundliche Titel spielen, dürfte die Steam Machine mit SteamOS dennoch eine äußerst attraktive Plug-and-Play-Option sein. Für Fans der "anderen" großen Shooter-Ökosysteme ist sie hingegen nur stark eingeschränkt bis gar nicht nutzbar.

Steam-Controller: vorsichtig experimentell

Beim Steam-Controller schwingt viel Charme und ein bisschen Historie mit. Valve wagt sich sichtbar an eine Neuinterpretation des ersten Steam-Controllers, der damals seiner Zeit voraus war, aber oft als zu experimentell galt.

Der neue Ansatz wirkt auf mich bodenständiger. Statt alles anders zu machen, versucht Valve offenbar, Vertrautes und Neues sinnvoll zu verbinden: ein klassisches Gamepad mit einem Schuss zusätzlicher Finesse.

Die Trackpads sind geblieben, wirken aber eher wie ein Komfort-Extra für Spiele, die sich mit einem üblichen Gamepad nur schwerfällig bedienen lassen.

Bis man den Controller selbst in der Hand hatte, bleibt es Spekulation, doch der Gesamteindruck ist weniger verkopft als früher und näher an dem, was man auf der Couch tatsächlich haben möchte: ein vertrautes Pad mit kleinen, aber sinnvollen Extras, die sich organisch anfühlen statt experimentell.

Steam Frame: Komfort auf dem Kopf

Der Steam Frame – also das VR-Headset – will vor allem mit Komfort punkten: keine Kabel, der Akku befindet sich am Hinterkopf, dank Inside-Out-Tracking bleibt die Brille trotzdem im Raum verortet. Mit rund 440 Gramm ist sie leichter als viele aktuelle Konkurrenzmodelle.

Clever: Valve setzt auf ein modulares Design, bei dem sich später sogar das Compute-Modul austauschen lassen soll, während ein Snapdragon-Chip und SteamOS dafür sorgen, dass viele PC-Spiele direkt auf dem Headset laufen können.

Technisch spannend ist Valves Einsatz von Foveated Streaming, bei dem nur der Bildausschnitt in voller Qualität übertragen wird, auf den der Nutzer gerade schaut – das spart Bandbreite und reduziert Latenzen, entscheidend für kabellose VR.

Ein 6-GHz-Dongle soll den Router ersetzen und eine stabile Verbindung sicherstellen, während Display, Bildrate und neue IR-Controller das Paket abrunden. Damit konzentriert sich Valve offenbar auf schnelles, unkompliziertes PC-VR-Gaming statt auf Mixed-Reality-Experimente.

Zusammen mit Steam Machine und Steam Deck im Gesamtpaket versucht Valve nicht, die PC-Welt auf den Kopf zu stellen, sondern sie ins Wohnzimmer zu holen – mit Geräten, die weniger einschüchtern und mehr einladen. Das macht die neue Hardwarefamilie auf den ersten Blick sehr sympathisch und könnte mit fairen Preisen sogar für Begeisterung sorgen.

IMHO ist der Kommentar von Golem. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


Relevante Themen