Statt WLAN: Ericsson sieht große Konzerne zunehmend mit 5G-Campusnetzen
Deutschlands führende Konzerne setzen auf Campus-Netzwerke mit 5G-Mobilfunk. Joe Wilke, Vice President und Head Sales Engineering für Enterprise 5G bei Ericsson, sagte Golem: "Auf dem deutschen Markt beobachten wir einen entscheidenden Übergang von der technologischen Validierungsphase hin zur vollständigen kommerziellen Industrialisierung von privatem 5G, insbesondere in intelligenten Fabriken, Häfen und an Luftfahrtdrehkreuzen."
Deutschland habe sich zudem als führend bei spezialisierten Implementierungen erwiesen, was sich zum Beispiel bei der Übertragung während der UEFA Euro 2024 und bei "anspruchsvollen, laufenden Tests im fortschrittlichen klinischen Gesundheitswesen" zeige.
Die Bundesnetzagentur vergab rund 450 Lizenzen im Frequenzbereich von 3,7 bis 3,8 GHz. Kritiker wie die Deutsche Telekom wandten sich im Jahr 2018 noch entschieden dagegen , dass 5G-Frequenzen an regionale Netzbetreiber und Industrieunternehmen vergeben werden. Doch Siemens, Flughäfen, Häfen, Gesundheitswesen und die Fertigungsindustrie setzten sich durch.
Breites Spektrum an Nutzern
Nur etwa 80 bis 100 Lizenznehmer stimmten laut Wilke einer öffentlichen Nennung zu. "Diese Gruppe transparenter Anwender deckt ein breites industrielles Spektrum ab – von Automobilriesen und ihren spezialisierten Zulieferketten über die Prozess- und Pharmaindustrie bis hin zu zentralen Akteuren der industriellen Automatisierung."
Mit der intensiveren Nutzung privater 5G-Netze werde eine zweite Welle von Investitionsausgaben zunehmend in die Widerstandsfähigkeit der Netze und in anspruchsvolle Redundanzmechanismen gelenkt, meinte der Ericsson-Manager, dessen Unternehmen selbst aktiv Campus-Netze vermarktet.
Das sei inzwischen von strategischer Bedeutung für fortschrittliche Toolchains und autonome KI-Architekturen. "Da Marktführer zudem vom lokalen Pilotprojekt zur Implementierung von privatem 5G an ihren verschiedenen Standorten in Deutschland übergehen, wird die Entwicklung komplexer, standortübergreifender Einsatzmodelle zu einer strategischen Notwendigkeit" , sagte Wilke.
In Deutschland scheuten 37 Prozent der Unternehmen den Einsatz mobiler Funktechnologien wegen der Investitionskosten. Weitere 36 Prozent räumten ein, dass ihnen das Fachpersonal fehle, um moderne Mobilfunknetze überhaupt zu betreiben.
Wilke sagte: "Unzuverlässige Netze sind kein reines IT-Problem mehr – sie stellen ein finanzielles Risiko dar. Jahrzehntelang folgte industrielle IT häufig dem Break-Fix-Prinzip: Ausfall abwarten, dann reparieren. Dieses Modell wird zunehmend teuer. In Deutschland berichten 45 Prozent der Unternehmen, dass instabile Konnektivität ihre operativen Kosten aktiv in die Höhe treibt."
Selbstheilende moderne Campusnetze mit Netzwerk-Slices verhinderten nicht nur Ausfälle, erklärte Wilke; sie eliminierten die Kostenvolatilität, die Ausfälle verursachten.
Eine Campusnetzanwendungen könne man auch mit WLAN lösen, aber in dem Fall würde man sich durch eine 8.000 m² große Halle von Access Point zu Access Point bewegen. "Dabei gibt es mit unserem Wi-Fi-5 Aussetzer, die für uns nicht tragbar sind" , erklärte Claudius Noack, IT Consultant bei Lufthansa Industry Solutions im März 2021 . Bei den Entscheidungen zur Triebwerksüberholung gehe es oft um Auftragsentscheidungen im sechsstelligen Euro-Bereich, da wären Aussetzer oder eine degradierte Auflösung für die Kunden ein absolutes No-Go. Die WLAN-Architektur habe hier aber einfach Grenzen, besonders beim nahtlosen Handover.
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