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Statt WLAN: Ein Viertel der deutschen Industrie setzt auf 5G-Campusnetze

Maschinensteuerung, Fernwartung oder mobile Roboter - 5G -Campusnetze sind in der deutschen Industrie langsam gefragter.
/ Achim Sawall
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Flugzeugumbau mit 5G-Campusnetz bei Lufthansa Technik (Bild: Lufthansa Technik)
Flugzeugumbau mit 5G-Campusnetz bei Lufthansa Technik Bild: Lufthansa Technik

Rund ein Viertel oder 26 Prozent der Industrieunternehmen wollen Campusnetze mit 5G einrichten oder haben es schon getan, sieben Prozent planen dies in Eigenregie und 19 Prozent durch einen Mobilfunkanbieter und Netzausrüster. Dies zeigt eine Befragung im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom(öffnet im neuen Fenster) unter rund 500 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten in Deutschland, die am 15. November 2022 vorgelegt wurde. Einsatzfelder sind Vernetzung, Maschinensteuerung, Fernwartung oder mobile Roboter.

Nick Kriegeskotte, Leiter Infrastruktur und Regulierung beim Bitkom, sagte: "In Campus-Netzen als lokal begrenztes Funknetz eines Unternehmens lassen sich sensible Daten besonders schnell und sicher transportieren, da diese das Werksgelände nicht verlassen müssen."

Wer 5G-Campusnetze betreibt oder dies plant, will zu 79 Prozent damit die Steuerung von Maschinen in Echtzeit. Rund drei Viertel (74 Prozent) sehen Potenzial für die Fernwartung von Anlagen und fast genauso viele (71 Prozent) für Assistenzsysteme wie AR und VR.

Auch für autonome Fahrzeuge und Transportsysteme sehen fast zwei Drittel (65 Prozent) Potenzial für 5G. Vier von zehn Unternehmen (40 Prozent) nutzen 5G für den Einsatz mobiler Roboter oder planen dies. Typische Endgeräte seien "VR- oder AR-Brillen oder jedes Datensystem, das etwas ansammelt, zum Beispiel für die Logistiksteuerung, das scannt, was in den Regalen fehlt und bestellt werden muss" , hatte Antje Williams, Senior Vice President 5G Campus Networks bei der Telekom, im Juni 2020 im Gespräch mit Golem.de erklärt .

Seit November 2019 vergibt die Bundesregierung gesonderte Frequenzen, damit Unternehmen unabhängig von öffentlichen Netzen eine eigene 5G-Infrastruktur auf ihrem Firmengelände aufbauen können. Unter anderem hatten BASF, der Hamburger Hafen und die Deutsche Messe in Hannover den Zuschlag erhalten. Die Netze errichten die Ausrüster Nokia, Ericsson, Huawei und andere. Agiert der Industriebetrieb selbst als Campusnetzbetreiber, machen die Mobilfunkkonzerne nur die Verträge. Bei hybriden Netzwerken ist ihre Rolle erheblich größer. Im Februar 2021 waren bei der Bundesnetzagentur 114 Anträge für die Firmennetze eingegangen, erklärte ein Sprecher der Behörde. 111 davon seien bereits bewilligt worden.

Campusnetze: WLAN kommt beim Handover nicht mit

Die Zahl der 5G-Campusnetze werde weltweit bis zum Jahr 2030 wahrscheinlich auf bis zu eine Million hochschnellen. Das sagte Michael Lemke , Chief Security Officer bei Huawei Deutschland, am 28. Februar 2022 auf dem Mobile World Congress in Barcelona. "Zu fast hundert Prozent wird das in der Cloud stattfinden." Lemke berief sich bei den Aussagen auf Angaben der Branchenorganisation GSMA. Dies betreffe die gesamte Industrie .

Eine Campusnetzanwendungen könne man auch mit WLAN lösen, aber in dem Fall würde man sich durch eine 8.000 m² große Halle von Access Point zu Access Point bewegen. "Dabei gibt es mit unserem Wi-Fi-5 Aussetzer, die für uns nicht tragbar sind" , erklärte Claudius Noack, IT Consultant bei Lufthansa Industry Solutions im März 2021 . Bei den Entscheidungen zur Triebwerksüberholung gehe es oft um Auftragsentscheidungen im sechsstelligen Euro-Bereich, da wären Aussetzer oder eine degradierte Auflösung für die Kunden ein absolutes No-Go. Die WLAN-Architektur habe hier aber einfach Grenzen, besonders beim nahtlosen Handover.


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