Statt RHEL: Cern spart mit Umstieg auf Debian fast 6 Millionen Euro
Lange hat das Forschungszentrum Cern auf Red Hat Enterprise Linux (RHEL) und die kompatiblen, freien Derivate CentOS und Almalinux gesetzt. Doch damit ist, zumindest bei den Computern für die Ansteuerung der Hardware der Beschleuniger, bald Schluss. Der Grund ist eine Änderung in den Systemanforderungen von RHEL, die für das Cern teuer geworden wäre. Über die Hintergründe haben zwei Entwickler bei der Minidebconf 2026 gesprochen(öffnet im neuen Fenster) (via Phoronix(öffnet im neuen Fenster)).
Zusammen mit AMD und Suse hat Redhat vier sogenannte Feature Levels für 64-Bit-x86-Prozessoren definiert(öffnet im neuen Fenster) (x86-64-v1 bis x86-64-v4). RHEL 9 verlangt x86-64-v2, RHEL 10 x86-64-v3. Das klingt zwar nicht nach allzu hohen Anforderungen. x86-64-v2 unterstützten sowohl AMD- als auch Intel-Prozessoren spätestens seit 2013, im selben Jahr brachte Intel die ersten Prozessoren heraus, die den Anforderungen von v3 genügen. AMD folgte 2015 mit der Excavator-Mikroarchitektur.
Das Steuersystem des Cern ist aber über einen noch längeren Zeitraum gewachsen. Bereits mit RHEL 9 oder dem binärkompatiblen Alma Linux 9 hätten ungefähr 47 Prozent der im Steuersystem genutzten Rechner ausgetauscht werden müssen, mit Version 10 noch einmal 17 Prozent. Noch läuft Alma Linux 8.10, doch der Long-Term-Support (LTS) endet 2029(öffnet im neuen Fenster).
Never change a running System
Da Fehler beim Cern zu ungeplanten Ausfällen führen würden, wurde bereits weit im Voraus ein Plan B zum Austausch der alten Computer erarbeitet.
Denn dass diese weiterhin genutzt werden, hat einen einfachen Grund: Viele Schnittstellenkarten sind noch per PCI angebunden, und moderne Mainboards verfügen, wenn überhaupt, über wesentlich weniger Steckplätze hierfür. Entsprechend wären bei einem einfachen Tausch der Computer mehr Server erforderlich, als bislang genutzt werden. Die wären teils im vorhandenen Raum nicht unterzubringen.
Eine praktikable Lösung hätten Entwurf und Herstellung von elf neuen Schnittstellenkarten erfordert. Auch die Verkabelung hätte neu organisiert werden müssen. Eine Kostenschätzung kam auf 5,4 Millionen Schweizer Franken (rund 5,75 Millionen Euro). Mehr Sorgen als die Kosten machte den Verantwortlichen aber eine harte Deadline: Bis zum vierten Quartal 2026 muss die Umstellung erledigt sein. Die Wahrscheinlichkeit, den Umstieg ohne Fehler zu schaffen, wurde auf 20 Prozent geschätzt.
Erschwerend kommt beim Cern hinzu, dass Entscheidungen für einen langen Zeitraum getroffen werden müssen. Größere Umbauten an der Hardware können praktisch nur während der langen Shutdowns erfolgen, zwischen denen mehrere Jahre liegen. Aktuell läuft eine solche Phase, die nächste ist für Ende 2033 geplant. Mit den bis zu zehn Jahre gepflegten ELTS-Releases (Extended Long Term Support) von Freexian(öffnet im neuen Fenster) lässt sich dieser Zeitraum mit Debian 13 alias Trixie abdecken.
Auch bei Debian gibt es einen Plan B
ELTS ist aktuell aber nur Plan B. Plan A ist, 2030 auf Debian 15 (Forky) zu wechseln. Begonnen haben die Cern-Entwickler die Umstellung mit Debian 12 LTS alias Bookworm, da Trixie nocht nicht reif genug gewesen sei. Ende 2026 soll dessen LTS-Version dann aber ausgerollt werden. Unabhängig davon unterstützt das Cern bereits Freexian, das auch bei der Umstellung half. Schließlich unterscheiden sich die Distributionen bereits bei der Paketverwaltung stark.
Abseits der Steuercomputer – immerhin mehr als 2.200 – wird das Cern aber weiter auf RHEL und Alma Linux setzen.
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