Statt Kooperation mit Rivian: Mercedes-Benz baut Werk für E-Transporter in Polen

Der Autohersteller Mercedes-Benz will an seinem polnischen Standort Jawor eine neue Fabrik für elektrische Kleintransporter bauen. "Während wir in allen unseren bestehenden Werken flexibel Vans mit Verbrennungs- und mit Elektroantrieb auf einer Linie fertigen, werden wir in Jawor unser weltweit erstes reines Elektro-Werk aufbauen" , sagte Mathias Geisen, Leiter Mercedes-Benz Vans, laut einer Pressemitteilung vom 12. Dezember 2022(öffnet im neuen Fenster) . Darüber hinaus hat das Unternehmen die Produktion in seinen bisherigen drei europäischen Werken neu geregelt.
Mercedes-Benz will seine elektrischen Transporter künftig auf der neuen Plattform Van.EA produzieren. In Jawor sollen die großen Vans (geschlossenes Baumuster/Kastenwagen) vom Band laufen. Durch die Ausrichtung auf die Fertigung rein-elektrischer Vans will das Unternehmen "Produktivitätsvorteile erzielen und so die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern" .
Die Standortentscheidung und die konkrete Umsetzung hingen noch "von der finalen Erfüllung verschiedener Rahmenbedingungen ab, unter anderem von der Gewährung von Beihilfen für die Investition in Jawor" .
Rivian sagt wieder ab
Anfang September 2022 hatte Mercedes angekündigt, zusammen mit dem US-Start-up Rivian elektrische Transporter produzieren zu wollen . Ziel sei es, in eine gemeinsame Fabrik in Europa zu investieren und diese gemeinsam zu betreiben. Bereits in wenigen Jahren sollten dort große Elektrovans vom Band rollen. Für den Bau der neuen Produktionsstätte solle ein bestehender Mercedes-Benz-Standort in Mittel-/Osteuropa genutzt werden.
Doch aus der Kooperation wird vorerst nichts. "Die Option, das Werk durch die Gründung eines neuen Produktions-Joint Ventures zusammen mit Rivian für große vollelektrische Transporter noch weiter auszubauen, ist von Rivian aufgrund der Repriorisierung ihrer Projekte zurückgestellt" , hieß es in der Mitteilung. Rivian hat zuletzt eher mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. So musste das Start-up im Oktober 2022 den Großteil seiner in diesem Jahr ausgelieferten Fahrzeuge in die Werkstatt zurückrufen. Wenige Wochen später veröffentlichte es einen Quartalsverlust von 1,7 Milliarden US-Dollar.
An den drei übrigen europäischen Standorten von Mercedes-Benz Vans sollen künftig ebenfalls Elektroversionen gebaut werden. So baut das Mercedes-Benz-Werk Düsseldorf von der zweiten Jahreshälfte 2023 an die Nachfolgegeneration des eSprinter. Zudem werden dort zukünftig die offenen Baumuster (Plattform für Aufbauhersteller oder Pritschenwagen) des großen Vans auf Van.EA-Basis gebaut.

Im Werk Ludwigsfelde wird vom Frühjahr 2024 an der neue eSprinter (offenes Baumuster) produziert. Darüber hinaus werde das Werk Ludwigsfelde als Kompetenzcenter für eVan-Individualisierungen fungieren.
Das Werk im spanischen Vitoria produziere bereits jetzt den EQV, den eVito und den eVito Tourer. Von Mitte des Jahrzehnts an werde dort zusätzlich der mittelgroße Van auf Basis der Plattform Van.EA gefertigt.



