Statt Kabel, Satellit oder Terrestrik: ARD setzt künftig auf DVB-I

Die ARD arbeitet gemeinsam mit ZDF, ProSiebenSat.1, RTL und weiteren Partnern daran, die linearen Programme auch dann in gewohnter Weise auf TV-Geräte zu bringen, wenn diese nur mit dem Internet verbunden sind und keinen Kabel-, Satellit- oder Terrestrikanschluss haben. Das hat die ARD-Sprecherin Insa Moog Golem.de auf Anfrage gesagt. Gemeinsam mit Verbänden und Organisationen arbeite man "derzeit an Rahmenbedingungen für eine Markteinführung von DVB-I(öffnet im neuen Fenster) " .
Zuvor hatte die BBC erklärt , man bereite sich mit einem TV-Stick auf das Ende der terrestrischen Fernsehverbreitung mit DVB-T2 und über Satellit in Großbritannien im Jahr 2034 vor. Der Stick, der mit den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern ITV, Channel 4 und Channel 5 diskutiert werde, biete kostenlosen Zugang zu Live-Streams der Sender und On-Demand-Player, sagte Tim Davie, Generaldirektor der BBC in einer Rede.
"Wir befinden uns auch in Deutschland in der Transformation von Broadcast zu Streaming. Noch werden unsere linearen TV- und Radioangebote stark über die Verbreitungswege Kabel, Satellit und Terrestrik genutzt" , erklärte die Sprecherin.
Dennoch sehe auch die ARD die Zukunft klar in der Verbreitung über IP, also Internet. Wichtig sei, dass auf digitalen Plattformen die linearen TV- und Radiosender gut auffindbar blieben. "Wir entwickeln Konzepte, wie das auch auf den Benutzeroberflächen globaler Plattformen und Smart-TVs sichergestellt werden kann" , sagte Moog.
Umschalten von Broadcast auf IP
Der offene Standard DVB-I ermögliche eine einfache, integrierte Nutzung des linearen Fernsehens ebenfalls über IP-Streaming ohne Start einer eigenen App. Zudem könnten künftig im TV-Gerät Programme aus unterschiedlichen Verbreitungswegen wie Kabel, Satellit und Antenne mit reinem IP-Streaming zusammengefasst werden, hieß es seitens der Bayerische Medien Technik(öffnet im neuen Fenster) , einem Tochterunternehmen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und des Bayerischen Rundfunks (BR) im März 2025.
Der erste DVB-I-Pilot in Deutschland fand vom September 2022 bis März 2023 als Proof-of-Concept für die technischen Funktionen statt. Beteiligt waren 21 private und öffentlich-rechtliche Sender, Technikfirmen, Satellitenbetreiber und andere Organisationen. Erreicht wurde das Umschalten von Broadcast auf IP bei Trennen der Geräte vom Rundfunknetz, moderate Umschaltzeiten zwischen den IP-Streams sowie die Integration von Diensten wie HbbTV, Content Guides oder DRM-Sign.