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Statt Gasturbinen: Batteriespeicher bald günstigste Wahl zur Überbrückung

Großspeicher haben durch fallende Preise erstmals auch Auswirkungen auf den Gasverbrauch. Das zeigt sich in ersten Regionen. Europa folgt bereits.
/ Mario Petzold
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Auch in Aachen, hier bei Voltfang, werden Batteriespeicher gebaut. (Bild: Getty Images/Ina Fassbender)
Auch in Aachen, hier bei Voltfang, werden Batteriespeicher gebaut. Bild: Getty Images/Ina Fassbender

Der Energy-Storage-Outlook(öffnet im neuen Fenster) (auf Anfrage frei zugänglich) von Rystad Energy, einem privaten Forschungsinstitut im Energiesektor, zeigt auf, dass die weltweite verfügbare Leistung aus Batteriegroßspeichern mittlerweile die Summe aller Pumpspeicherwerke übertrifft. Allein 2025 wurden demnach über 100 Gigawatt beziehungsweise 280 Gigawattstunden zusätzlich installiert.

In den nächsten 10 Jahren wird mit einem immer weiter ansteigenden Zubau gerechnet. Wegen steigender Preise für Lithium und veränderter Bedingungen in China geht der Report insgesamt jedoch von einer Abschwächung bei der Zubauquote aus, die derzeit noch bei fast 50 Prozent jährlich liegt, 2030 aber noch 20 Prozent betragen dürfte.

Effekte auf die Stromerzeugung messbar

Zum ersten Mal sei außerdem beobachtet worden, dass Strom aus Batteriespeichern zu einer Verringerung der Stromerzeugung aus Gas geführt habe, so das Institut. Somit unterstützten die Großspeicher nicht mehr nur erneuerbare Energien, um deren Produktion gleichmäßiger zu nutzen. 2021 sei ein solches Phänomen praktisch nicht existent gewesen, so dass Überschüsse schlicht verloren gingen.

Weil die Leistung aus Wind- und Solarkraft immer weiter zunimmt und parallel die Batteriekapazität im Netz steigt, kann die Überproduktion mittlerweile zu Zeiten genutzt werden, in denen bisher Gasturbinen einsprangen.

Mittlerweile wird, weil es die günstigere Alternative ist, Strom aus Batteriespeichern genutzt. Dies wurde zunächst im Bundesstaat Victoria in Australien und in Kalifornien beobachtet. Vor allem andere Regionen Australiens sollen sich 2026 ähnlich entwickeln.

Wirtschaftlich längst auf Augenhöhe

Die Preise für Batteriespeicher seien 2025 im Vergleich zum Vorjahr in der EU um 10 Prozent gesunken, in China noch deutlicher, schreibt Rystad Energy. In den USA dagegen seien die Preise je Kilowattstunde (kWh) nach oben gegangen.

Dennoch sei mittlerweile eine entscheidende Schwelle in Reichweite. Demnach kostete der Bau von großen Batteriespeichern inklusive aller Kosten in der EU im Jahr 2025 umgerechnet 180 Euro je kWh. Bereits bei 170 Euro, einem Wert, der noch im Jahr 2026 erreicht werden soll, würde sich der Strom auf dem Umweg über einen Stromspeicher um lediglich 4 Cent verteuern.

Zum Vergleich: Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme(öffnet im neuen Fenster) lassen sich mit einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk im besten Fall 7,4 Cent und mit einer reinen Gasturbine 15,4 Cent je kWh erreichen. Eine geringere Auslastung und steigende CO 2 -Preise könnten diesen Wert auf über 30 Cent steigen lassen.

Strom aus Photovoltaik und Windkraft dagegen liegt teils bei unter 5 Cent. Selbst durch eine Verteuerung wegen der Zwischenspeicherung bleibt der Summe der Preise teilweise schon unter 10 Cent, sofern bereits genügend preiswerte Batteriespeicher im Netz verfügbar sind.

Nachtrag vom 5. Februar 2026, 21:05 Uhr

Der Text wurde nachträglich angepasst, um zu betonen, dass die Zwischenspeicherung erneuerbarer Energien in manchen Regionen bereits die günstigere Stromquelle im Vergleich zu bereitgehaltenen Gasturbinen ist.


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