Stationärer Handel: Amazon stellt Go- und Fresh-Supermärkte komplett ein

Amazon zieht die Reißleine im stationären Lebensmittelhandel unter eigener Marke. Das berichtet unter anderem Geekwire(öffnet im neuen Fenster) . Wie das Unternehmen am Dienstagmorgen bekanntgab, werden sämtliche 72 Standorte der Marken Amazon Go und Amazon Fresh in den USA dauerhaft geschlossen. Damit endet eine mehrjährige Phase, in der das Onlinekaufhaus versuchte, den physischen Supermarktsektor mit technologischen Innovationen wie dem kassenlosen Einkaufen zu revolutionieren.
Laut offiziellen Angaben konnte Amazon trotz "ermutigender Signale" kein wirtschaftliches Modell entwickeln, das eine großflächige Expansion der Marken Go und Fresh gerechtfertigt hätte. Die Schließungen betreffen 57 Fresh-Supermärkte und 15 verbleibende Go-Convenience-Stores. Für die meisten Standorte ist bereits am 1. Februar 2026 der letzte Betriebstag. Lediglich in Kalifornien bleiben die Filialen aufgrund lokaler Arbeitsgesetze noch 45 Tage länger geöffnet.
Konzentration auf Whole Foods und Same-Day-Delivery
Der Rückzug bedeutet jedoch kein Ende der Ambitionen im Lebensmittelbereich. Stattdessen konsolidiert Amazon sein Geschäft rund um die 2017 übernommene Kette Whole Foods Market. Seit der Übernahme stiegen die Verkäufe bei Whole Foods um mehr als 40 Prozent. Amazon plant, in den kommenden Jahren über 100 neue Whole-Foods-Standorte zu eröffnen. Ein kleiner Teil der nun schließenden Fresh-Filialen soll zudem perspektivisch als Whole-Foods-Märkte wiedereröffnet werden.
Parallel dazu forciert der Konzern seinen Same-Day-Delivery-Service für frische Lebensmittel. Dieser Dienst ist mittlerweile in 2.300 US-Städten verfügbar. Laut CEO Andy Jassy ist die Zustellung verderblicher Waren direkt aus den Logistikzentren derzeit das erfolgreichste Format für das Unternehmen. Die Verkäufe in diesem Bereich seien seit Januar 2025 um das 40-Fache gestiegen.
Zukunft der Just-Walk-Out-Technologie
Die für Amazon Go entwickelte Just-walk-out-Technologie, die mittels Kameras und Sensoren Warteschlangen an Kassen überflüssig macht, bleibt außerdem als Lizenzprodukt erhalten. Amazon vertreibt das System bereits an über 360 Drittanbieter weltweit, darunter Krankenhäuser und Sportstadien. Auch in den eigenen Logistikzentren wird die Technik in Pausenräumen weiter genutzt.
Für die betroffenen Mitarbeiter bietet Amazon eine Weiterbeschäftigung in anderen Unternehmensbereichen an. Wer das Unternehmen verlassen muss, erhält ein Abfindungspaket mit 90 Tagen voller Lohnfortzahlung. Der strategische Schwenk erfolgt vor dem Hintergrund einer größeren Umstrukturierung bei Amazon, die auch weitere Entlassungen in der Konzernverwaltung zur Folge haben soll.